- 07.06.2007, 17:37:29
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Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch
Das neue Wunderteam
Wien (OTS) - Es war in der Zwischenkriegszeit. Journalisten
schrieben solange heftig gegen die Fußball-Nationalmannschaft an, bis
die Verantwortlichen nachgaben und ein Team ganz nach den Wünschen
der Redaktionen aufs Feld schickten. Es erhielt anfangs die abfällige
Bezeichnung "Schmieranski-Elf", wurde später aber als "Wunderteam"
die erfolgreichste österreichische Mannschaft der Geschichte.
Noch ein zweites Mal waren sich die sonst sehr zerstrittenen
Journalisten der diversen Blätter absolut einig: nämlich als es in
den 60er Jahren darum ging, den würgenden Griff der Politik und der
dahinter steckenden Parteisekretariate auf den Österreichischen
Rundfunk zu beenden. Daraus entstand der ORF, der unter Gerd Bacher
dann tatsächlich zu einem medialen Wunderteam wurde (bevor Bruno
Kreisky Bacher hinauswarf).
Heute wünscht sich wieder ganz Österreich - bis auf ein paar
Betonköpfe in der Zentrale des Fußballbundes beziehungsweise der vom
Links-Abwärts-Schwenk des ORF profitierenden roten und grünen
Parteizentralen - ein Dacapo jener Sternstunden. Österreichs Fußball
wie auch der ORF stehen jedenfalls so verzweifelt da, dass wieder ein
solcher Reformschub von außen dringend nötig wäre.
In diesen beiden Bereichen ist zwar noch keine Reform geglückt, dafür
gibt es jetzt überraschenderweise in der Staatsoper ein
Schmieranski-Team. Und die Oper ist in Österreich ja genauso wichtig
wie Fußball oder Fernsehen. Wie einst hat erneut der Konsens der
Medien eine falsche Entscheidung verhindert. Hätten sich diese nicht
so geschlossen - selbst der sonst total rot-grüne ORF tat diesmal
lobenswerterweise mit - dagegen ausgesprochen, wäre mit Sicherheit
der persönliche Freund des SPÖ-Vorsitzenden Opernchef geworden. Der
ist zwar ein brillanter Tenor, die Leitung der wichtigsten Bühne
Österreichs und (hoffentlich) besten Oper der Welt hätte ihn jedoch
total überfordert, auch wenn sich natürlich jeder Sänger oder
Stehplatzbesucher genauso als Operndirektor berufen fühlt wie jeder
Gebührenzahler als ORF-Chef.
Ehrlicherweise muss man aber auch hinzufügen: Bei der Leitung
eines solchen Instituts gibt es nie Erfolgsgarantien. Es ist jedoch
immer hilfreich, wenn man die Medien (samt ihrem Hang zu Untergriffen
und Fouls) zu Verbündeten hat.
http://www.wienerzeitung.at/tagebuch
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Tel.: 01/206 99-478
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