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OTS0048   7. Juni 2007, 12:05

Guter Journalismus kostet auch im Online-Zeitalter viel Geld



Hamburg (ots) -

- Querverweis: Bilder werden über obs versandt und sind unter
http://www.presseportal.de/galerie.htx?type=obs abrufbar -

Die Finanzierung von Qualitätsjournalismus ist die entscheidende
Herausforderung für die Verlage im Web-Zeitalter. So lautete eine
Schlussfolgerung des jüngsten media coffee von news aktuell in
Hamburg. Über 250 Pressesprecher, PR-Fachleute und Journalisten
besuchten am Mittwoch die von der dpa-Tochter veranstaltete
Podiumsdiskussion zum Thema "Von der Edelfeder zum
Contentlieferanten?- Printmedien im Wandel". Annette Hillebrand,
Geschäftsführende Direktorin der Hamburger Akademie für Publizistik,
moderierte die Veranstaltung.

Frank Thomsen, Chefredakteur von stern.de und Geschäftsführender
Redakteur des Stern, wies auf die wirtschaftliche Bedrohung durch
neue Nachrichtenanbieter wie GoogleNews hin: "Diese Anbieter sammeln
News aus dem Netz und stellen sie kostenfrei auf ihren Plattformen
bereit. Durch dieses Geschäftsmodell wird der klassische Journalismus
bedroht." Online würde die klassischen Medien aber nicht wegdrängen,
vielmehr blieben diese unter veränderter Form bestehen, so Thomsen.
Er unterstrich, dass die neuen Online-Medien aber auch Chancen für
den journalistischen Nachwuchs bieten: "Viele junge Leute finden dank
der Online-Redaktionen einen Einstieg in den Beruf - eine Chance, die
sie bei Printmedien nicht unbedingt hätten."

Dass die neuen kostenlosen Internetanbieter eine Gefahr für die
Qualität des Journalismus darstellen, glaubt auch Holger Stark,
stellvertretender Ressortleiter Deutschland 2 und Büroleiter des
Spiegel in Berlin. "70 Prozent des Online-Werbekuchens gehen
inzwischen an Google und Yahoo, die nicht in den Journalismus
investieren. Somit fehlt dieses Geld den Verlagen und
Online-Redaktionen." Außerdem verwies Stark auf die Auswirkungen des
Internets auf die journalistische Recherche. "Der Journalist kann
zwar erste Informationen für seine Arbeit über das Internet beziehen,
dies ersetzt aber nicht die Recherche mit klassischen Mitteln wie
Telefonate und Interviews."

Auch für Kuno Haberbusch, Leiter der NDR-Formate "Zapp - Das
Medienmagazin" und "extra 3" hat das Internet die journalistische
Arbeit verändert: "Die Information wird nicht mehr ordentlich
recherchiert, sondern man ,googelt'. Mit den neuen Entwicklungen
droht außerdem, der investigative Journalismus auf der Strecke zu
bleiben." Er unterstrich, dass das Web auch das Berufsbild des
Journalisten verändert habe. "Die neue Journalisten-Generation ist
mit dem Internet aufgewachsen, die Anforderungen haben sich geändert.
Mindeststandards für den Beruf muss es aber weiterhin geben." Junge
Menschen nutzten oftmals nur noch das Internet als
Informationsquelle. Printmedien müssten Konzepte finden, um diese
Zielgruppen wieder an klassische Inhalte heranzuführen, so
Haberbusch.

Jan-Eric Peters, Direktor der Axel Spinger Akademie, hob hingegen
die Vorteile des Internets für die journalistische Arbeit hervor. "Es
ist falsch, Google zu verteufeln, das Internet hat die
journalistische Recherche erleichtert und zu Verbesserungen geführt."
Er unterstrich auch die Vorteile, die das Internet dem Leser bietet.
"Der Nutzer hat durch Video- oder Audioelemente sowie Verlinkungen
mehr Hintergrundinformationen als bei Printmedien. Insgesamt geht der
Trend eindeutig weg von Print hin zu Online - beides vermischt sich
immer mehr." In so genannten Newsrooms funktioniere bereits das
Zusammenspiel von Print und Online im journalistischen Alltag. Die
eigentliche Frage aber laute, ob es in Zukunft genug Geld gibt, um
guten Journalismus zu bezahlen, so Peters.

Dr. Wilm Herlyn, Chefredakteur der dpa, warnte davor, die
Online-Medien als neue Wiege des Journalismus zu sehen. So wurde in
wirtschaftlich schwierigen Zeiten vorwiegend bei Online-Redakteuren
gespart. "Nach dem medialen Hype 2001 hat zum Beispiel die FAZ
vorwiegend Journalisten aus dem Online-Bereich entlassen. Deren
Arbeit übernahmen dann Print-Redakteure." Die allgemeine Entwicklung
von Print zu mehr Online habe allerdings wenig Konsequenzen für den
journalistischen Nachwuchs. "Auch im Online-Zeitalter wird es
Edelfedern geben", so Herlyn.

Weitere Zitate der Diskussionsteilnehmer sind außerdem im Blog
www.mediacoffee.de abzurufen.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0048 2007-06-07 12:05 071205 Jun 07 EUN0008 0587



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