• 04.06.2007, 16:52:13
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WirtschaftsBlatt Kommentar vom 5. 06. 2007: Europa verliert im Wettbewerb der Regionen - von Herbert Geyer

... exportiert aber mehr als die Sieger. Und das soll so bleiben

Wien (OTS) - Wirklich bedenklich, was da das Wifo zur
Wettbewerbsfähigkeit Europas errechnet hat (siehe Bericht Seite 8):
Allen Ankündigungen der Regierungen zum Trotz stagnieren die
Forschungsquoten, wir geraten gegenüber den USA mit unseren
Zukunftsinvestitionen ins Hintertreffen, und der Aufholprozess
bezüglich Produktivität kam Mitte der 90er - als Europa fast schon zu
den USA aufgeschlossen hatte - zum Erliegen. Kurz: Das ehrgeizige
Lissabon-Ziel, zur dynamischsten Region der Weltwirtschaft zu werden,
liegt in weiterer Ferne als je zuvor.

Diese Medaille hat aber glücklicherweise noch eine zweite, weit
glänzendere Seite: Im Gegensatz zu den USA, deren
Leistungsbilanzdefizit sich weiterhin in Rekordhöhe bewegt, schafft
Europa - trotz immer härter werdendem Euro - positive Handelsbilanzen
und steigende Überschüsse in der Dienstleistungsbilanz. Und der
steigende Anteil an den Weltmärkten, den sich Asien - vor allem China
- erkämpft, geht nicht zu Lasten europäischer Exporteure, sondern vor
allem ihrer amerikanischen Konkurrenten. Zudem ist Europa nicht nur
der bevorzugte Standort für ausländische Direktinvestitionen,
sondern gleichzeitig auch der grösste Investor.

Während also alle eher theoretischen Messgrössen ein unaufhaltsames
Absacken der europäischen Wettbewerbsfähigkeit signalisieren, kann
davon dort, wo es um die Wurst geht - bei den praktischen
Export-Erfolgen - keine Rede sein.

Warum das so ist, lässt sich nur unvollkommen erklären. Tatsache ist,
dass es schon eine ganze Weile her ist, dass eine wirklich grosse
Erfindung von Europa aus ihren Siegeszug antrat. Wenn es aber darum
geht, Waren von ansprechender Qualität zu einem vernünftigen Preis zu
produzieren, dann hat der alte Kontinent weiterhin die Nase vorn. Das
hat zweifellos damit zu tun, dass Europa zwar zu wenig in echte
Spitzenforschung investiert (und auf diesem Gebiet wohl auch noch zu
viele Hürden - sprachliche und bürokratische - hat), dafür aber im
mittleren Bildungsbereich - von der Breite der Universitäts-Studien
bis hinunter zu Facharbeiter-Ausbildung - deutlich besser ist.

Es kann keine Frage sein, dass wir alle Kraft daran setzen müssen,
unsere erkennbaren Defizite auszugleichen - zum Beispiel durch Hebung
der Forschungsquote, Gründung von Exzellenz-Universitäten.

Mindestens genauso wichtig ist es aber, dort die Nase vorn zu
behalten, wo wir schon jetzt unseren Stärke haben: im breiten Zugang
zur Bildung.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305 oder 280
http://www.wirtschaftsblatt.at

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