• 03.06.2007, 16:53:32
  • /
  • OTS0036 OTW0036

WirtschaftsBlatt Kommentar vom 4.6.2007: Scharinger handelt, während andere nur reden - von Arne Johannsen

Eine positive Initiative, weil sie gegensätzliche Pole verbindet

Wien (OTS) - Katastrophe. Drama. Der Anfang vom Ende. Geht es um
den Einstieg ausländischer Investoren bei heimischen Betrieben, nimmt
die Diskussion leicht apokalyptische Züge an. Zuletzt bei der
geplanten Böhler-Übernahme durch den britischen CVC-Fonds. Her mit
einem österreichischen Kernaktionär, der die Zukunft der
Arbeitsplätze in Österreich sichert, schallte es damals aus vielen
Mündern, vom Bundeskanzler Alfred Gusenbauer abwärts.
Dann kam der Retter Voest und der Anlass zum Handeln war weg. Damit
konnten sich die Helden des grossen Wortes wieder bequem
zurücklehnen. Bis auf einen: Oberösterreichs Landeskaiser Ludwig
Scharinger hat in die Hand genommen, was viele nur im Mund führten
die Schaffung eines Fonds, der sich, ausgestattet mit reichlich Geld,
als heimischer Kernaktionär an österreichischen Unternehmen
beteiligt. Taten statt Worte, das verdient Lob.
Doch ganz ungetrübt ist der Beifall nicht, schliesslich sind Soll und
Haben in dieser Diskussion nicht so leicht zuzuordnen wie bei der
Erstellung einer Bilanz. Kein Ausverkauf der heimischen Industrie
klingt zwar gut, ist aber doppelzüngig. Österreichs Unternehmen,
allen voran die Banken, haben in Osteuropa alles aufgekauft, was
nicht doppelt festgeschraubt war. Die meisten dieser Unternehmen
erwirtschaften mittlerweile die Hälfte ihrer Gewinne im Ausland, was
im Inland tausende Jobs sichert.
Kaum ein anderes Land hat von der Internationalisierung so profitiert
wie Österreich. Kaum ein anderes Land verdankt so viele Jobs und so
viel Wohlstand der schlauen Strategie zahlreicher Unternehmen, über
die Grenzen zu gehen. Die Forderung Österreich den Österreichern
klingt da reichlich skurril.
Umgekehrt müssen auch überzeugte Neoliberale zugeben, dass ein
Standort davon profitiert, möglichst viele Konzern-Zentralen im Land
zu haben. In deren Umkreis entstehen zusätzliche Arbeitsplätze und
werden auch seltener Jobs abgebaut. Jeder Manager schliesst lieber
Werke am anderen Ende der Welt als im eigenen Land. Und dass viele
Finanzinvestoren eher kurz- als langfristig denken, lässt sich nicht
ernsthaft bestreiten.
Die Initiative Ludwig Scharingers ist daher zu begrüssen. Sie bündelt
heimische Finanz-Power und verschliesst sich auch ausländischen
Investoren ausdrücklich nicht. Scharingers Weg verbindet damit zwei
bisher gegensätzliche Pole und überwindet auch Grenzen im Kopf. Viel
mehr kann man mit einem neuen Finanzinstrument nicht erreichen.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305 oder /280
http://www.wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel