• 01.06.2007, 18:20:12
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Andreas Unterbergers Tagebuch

Es wird brutal

Wien (OTS) - Es wird brutal

Fast muss man über die Entrüstung lachen, mit der vom ORF bis zu den
Boulevard-Zeitungen derzeit Anhänger des Fußballklubs Rapid
kritisiert werden. Diese hatten den Kapitän der österreichischen
Nationalmannschaft verhöhnt und beschimpft (weil er ihre grün-weiße
Kirche verlassen hat).

Es sind aber zufällig die selben Medien, die jahrelang jene
militanten Fußballanhänger als treue Helden, als "spielentscheidenden
zwölften Mann" in den Himmel gehoben haben - solange nur bloß die
jeweiligen Gegner eingeschüchtert wurden. Die Rapid-Spieler haben
sich vor den Anhängern sogar regelmäßig auf den Boden geworfen
(früher natürlich auch der nun verspottete Fahnenflüchtling).

Oft konnte man von jenen Fans sogar antisemitische Sprechchöre
hören. Allwöchentlich wurden Andersgläubige, U-Bahn- und
ÖBB-Passagiere von ihnen terrorisiert. Aber Entrüstung ernten sie
erst, seit sie eines der eigenen Herrchen angeknurrt haben.

Die bierbäuchigen Randalierer glauben aber in ihrer schlichten Art
wirklich inbrünstig an den Verein und durchschauen nicht, dass im
Sport alles nur eiskaltes Geschäft ist. Ihnen wurde statt dessen nur
eines vermittelt: Übergriffe sind immer erlaubt. Sofern sie nur gegen
die Anderen gehen.

Und ein solcher Sport wird auch noch mit unserem Steuergeld
gefördert . . .

*

Mit Steuergeldern wird auch anderswo leichtfertig hantiert: Der
Sozialminister verspricht jedem bei Bedarf eine private Pflegerin,
der SPÖ-Geschäftsführer jedem Kind ein zusätzliches Schuljahr. Wie
nett von ihnen. Nur haben sich die verbalen Wohltäter nicht um die
Bezahlung gekümmert. Diese Frage spielen sie mit großzügiger Geste
dem Finanzminister zu. Zum Glück für die Steuerzahler ist der -
zumindest bisher - hart geblieben. Aber auch sonst scheint die
Koalition doch nicht aus lauter Weihnachtsmännern zu bestehen.
Immerhin haben sich auch die Unterrichtsministerin und der
Finanzstaatssekretär überraschend deutlich gegen ihre
spendierfreudigen Parteifreunde gewandt.

Mit Buchinger und Kalina hatten Molterer und Matznetter freilich
bisher nur Amateure als Gegenüber. Ab sofort aber müssen sie unser
Geld gegen absolute Profis verteidigen: nämlich gegen die
Landeshauptleute. Das wird brutal.

http://www.wienerzeitung.at/tagebuch

Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
mailto:[email protected]

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