- 31.05.2007, 18:07:30
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WirtschaftsBlatt Kommentar vom 1. 6. 2007: Weltbank: Neuer Kopf, alte Probleme - von Arne Johannsen
Was sich an der Wall Street bewährt, versandet in der Sahelzone
Wien (OTS) - Afrika, Afrika!" heisst das aktuelle Zirkusprogramm
André Hellers. Um Afrika, viel Zirkus und einige Saltos, die
notwendig sind, um manches wieder in Ordnung zu bringen, geht es auch
bei der Weltbank. Die bekommt jetzt mit Robert Zoellick einen neuen
Chef. Er folgt Paul Wolfowitz nach, der sich, als bedingungsloser
Befürworter des Irak-Krieges und umgeben von erzkonservativen
Beratern aus dem Bush-Umfeld, zunehmend in die Isolation manövriert
hatte. Insofern ist das neue Gesicht an der Spitze ein
Befreiungsschlag. Mehr aber auch nicht.
Denn mit der Bestellung Zoellicks wurde gleich die erste Chance
vertan. Zwar war nicht zu erwarten, dass sich die Amerikaner das Amt
des Weltbank-Chefs aus der Hand nehmen lassen würden. Doch ein
Verfahren, das auch andere Staaten einbezogen hätte, hätte der
Weltbank gut getan. Denn sie kämpft rund um den Globus mit einem
starken Glaubwürdigkeitsverlust. In vielen Entwicklungs- und
Schwellenländern gilt sie als verlängerter Arm amerikanischer
Interessen - was im Einzelfall ungerecht, insgesamt aber nicht
unverschuldet ist. Erst beglückte die Weltbank notleidende Länder mit
umstrittenen Staudämmen und Schnellstrassen, dann stülpten die
Washingtoner Theoretiker ums Überleben kämpfenden Nationen
neoliberale Finanzmarktkonzepte über. Doch was sich an der Wall
Street bewährt, versandet in der Sahelzone.
Den Kampf gegen die Armut hatte sich Paul Wolfowitz als Aufgabe
vorgenommen. Das Ziel ist richtig, erreicht wurde es nicht. Die Zahl
der Afrikaner, die von weniger als einem Dollar pro Tag leben müssen,
ist seit 1990 um mehr als 50 Millionen gestiegen.
Allerdings: Patentrezepte für den Kampf gegen die moderne Pest Armut
hat niemand, da steht die Weltbank nicht alleine dar. Manche Experten
fordern, den ärmsten Ländern alle Schulden zu erlassen, andere
schwören auf das Kreditkonzept, um Menschen und Nationen nicht aus
der Selbstverantwortung zu entlassen. Die Weltbank hat Darlehen
zuletzt verstärkt mit der Korruptionsbekämpfung verknüpft, was prompt
als unerwünschte Einmischung und Bevormundung kritisiert wurde.
Mittlerweile lassen sich viele afrikanische Regierungen lieber von
China als von der Weltbank helfen, weil die Asiaten weniger Fragen
und Bedingungen stellen.
André Heller bietet eine Show, die möglichst dicht an der
afrikanischen Kultur ist und doch dem westlichen Geschmack
entspricht. Das könnte auch für die Weltbank kein schlechtes Konzept
sein.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305 oder 280
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