- 29.05.2007, 18:17:18
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Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch
Sisyphus und Zicken
Wien (OTS) - Sie dopen alle. Was von Experten und - ehemaligen -
Aktiven seit langem geflüstert wird, ist heute offenkundig. Vor allem
dort, wo es im Sport auf Ausdauer ankommt, wird alles versucht, was
längeren Atem geben könnte. Zu viel Geld, zu viel Emotion und Politik
sind involviert, als dass es anders sein könnte. Man denke nur an die
einstigen Oststaaten, die besonders hemmungslos manipuliert haben,
oder an die heimischen Politiker, die sich um Präsidentenposten
drängeln und sich an - erfolgreiche - Sportler geradezu
heranschmeißen.
Der Kampf der Sportautoritäten gegen Manipulationen und Lügen -
wie sie nur alle unschuldsvoll beteuern können, von nichts zu wissen!
- dieser Kampf ist sisyphushaft. Immer wieder muss man von neuem
anfangen und kommt nie ans Ziel.
Was tun? Freigabe von Doping kann nicht die Lösung sein, denn dann
würde der Druck vor allem auf die Jugendlichen (die zwar zum Teil
schon wählen dürfen, aber dem Leben noch ziemlich ahnungslos
gegenüberstehen) noch stärker werden, mit und an ihren Körpern
manipulieren zu lassen. Trotz der Gefahr lebenslanger Schäden.
Können wir hoffen, dass die Menschen - Sportler, Trainer,
Funktionäre, Sportärzte - klüger werden? Auch das nicht. Denn
letztlich sind wir als Zuschauer der Gladiatoren mit unserer
milliardenschweren Begeisterung die Hauptursache dafür, dass das
Ganze so ausarten konnte. Was bleibt, ist die Hoffnung auf eine
Wissenschaft, die sicherstellt, dass Übeltäter erwischt und
abschreckend bestraft werden können. Freilich: Auch in deren Lager
stehen Wissenschafter und versuchen alles, um die Spuren von
Manipulationen zu verwischen.
*
Rote und schwarze Politiker haben (endlich) eine zarte Diskussion
über ein Mehrheitswahlrecht begonnen. Ein solches wäre zweifellos
sinnvoll, weil es doch die wichtigste Aufgabe eines politischen
Regelwerks ist, arbeitsfähige - und abwählbare - Regierungen zu
ermöglichen. Was ja beides bei großen Koalitionen eher fraglich ist.
Sofort heult die Opposition geschlossen auf. Das war zu erwarten.
Freilich hätte sie sich die jetzige Debatte weitgehend ersparen
können, wenn sich Grün oder Blau angesichts einer
Regierungsverantwortung nicht so zickig geziert hätten.
http://www.wienerzeitung.at/tagebuch
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Tel.: 01/206 99-478
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