- 29.05.2007, 17:25:16
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WirtschaftsBlatt Kommentar vom 30. 5. 2007: Bilanzmuffel verraten mehr, als sie glauben - von Herbert Geyer
Auch für die Bilanz gilt: Man kann nicht nicht kommunizieren
Wien (OTS) - Eigentlich unglaublich: Auch elf Jahre nach
Einführung der Hinterlegungspflicht von Bilanzen bei den
Handelsgerichten kommt gut ein Viertel der dazu verpflichteten
Unternehmen dieser Verpflichtung nicht - oder nur mit jahrelanger
Verspätung - nach. Und das, obwohl auf die Verletzung dieser
Verpflichtung Geldstrafen bis zu 3600 Euro stehen.
Bemerkenswert auch die regionale Verteilung der Bilanz-Verweigerer:
Während in Tirol und Vorarlberg weniger als zehn Prozent ihre
Bilanzen unter Verschluss halten, gehört es in Kärnten (45 Prozent)
und Wien (36) geradezu zum guten Ton, sich dieser Verpflichtung zu
entziehen. Und bemerkenswert auch die Parallele, die der KSV1870
zieht: Wien und Kärnten sind auch jene Länder, in denen die
Zahlungsmoral der Unternehmen am schlechtesten ist.
Die Vermutung liegt nahe, es handle sich bei diesen Verhaltensweisen
um so etwas wie eine lokale Folklore, die sich halt um Vorschriften,
deren Einhaltung nicht so leicht erzwungen werden kann, einfach nicht
schert.
Sie läge nahe, hätte der KSV1870 nicht noch eine weitere
bemerkenswerte Parallele entdeckt: Von den 1247
hinterlegungspflichtigen Unternehmen, die im Vorjahr insolvent
wurden, hatten ganze 75,9 Prozent ihre Bilanzen nicht veröffentlicht.
Rund 40 Prozent der Hinterlegungs-Sünder finden sich in den
schlechteren Rating-Klassen des KSV1870. Und - Gegenprobe - von den
Unternehmen der besten Rating-Klasse 1 kommen nur 0,7 Prozent der
Hinterlegungspflicht nicht nach.
Der Philosoph und Psychiater Paul Watzlawick - übrigens ein geborener
Kärntner, der wohl seine Pappenheimer kannte ", brachte diese
bemerkenswerte Übereinstimmung so auf den Punkt: "Man kann nicht
nicht kommunizieren." Wer glaubt, er könne den wahren Zustand seines
Unternehmens verschleiern, indem er einfach seine Bilanzen nicht
hinterlegt, setzt sich damit dem Verdacht aus, es stünde um seine
Liquidität noch viel schlechter, als das vielleicht seinen Bilanzen
zu entnehmen wäre.
Vielleicht ist das ein Argument für die Bilanzmuffel, ihre Haltung
künftig zu überdenken - wenn ihnen schon die Transparenz, die im
modernen Wirtschaftsleben eigentlich selbstverständlich sein sollte,
kein Anliegen ist.
Und: Ihre Hausbank - und von der droht Unternehmen, deren Liquidität
nicht gar so toll ist, die grösste Gefahr - ist ohnehin nicht auf die
im Handelsgericht hinterlegte Bilanz angewiesen.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305 oder 280
http://www.wirtschaftsblatt.at
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