OTS0269 / 26.01.2007 / 21:04 / Channel: Politik / Aussender: Kleine Zeitung
Stichworte: Innenpolitik / Pressestimmen / Vorausmeldung


"Kleine Zeitung" Kommentar: "Warum Alfred Gusenbauer Strache so gut verstehen kann" (Von Thomas Götz)

Utl.: Ausgabe vom 27.01.2007 =


   Graz (OTS) - Alfred Gusenbauer folgt einer Spur. Sein Parteibüro
dominiert ein knallrotes Porträt von Bruno Kreisky. Auch im neuen
Arbeitsumfeld wird der Ahn hängen und wenn man den Kanzler nach
seinen Vorbildern fragt, nennt er wieder ihn. Was Gusenbauer tut,
folgt daraus.
Manches lässt sich einfach nachmachen. "Man kann mich immer anrufen",
hatte der Alte einst gesagt. Der Junge macht's nach. Die Mitte wollte
Kreisky besetzen. Gusenbauer verspricht Steuererleichterungen für den
Mittelstand. Vor allem aber wollte der erste SPÖ-Kanzler das
bürgerliche Lager spalten, am besten für immer. Er machte sich die
FPÖ gefügig, indem er ihr eine Wahlrechtsreform versprach. Im
Gegenzug verhalf ihm die Partei des SS-Mannes Friedrich Peter zur
absoluten Mehrheit.
Die Taktik hat 30 Jahre lang funktioniert. Wolfgang Schüssel hat dem
Spiel 2000 ein Ende gemacht und sich damit den Zorn der ganzen Welt
zugezogen. Nun macht sich Kreiskys Schüler daran, die alte
Weltordnung wieder herzustellen.
Man dürfe einem Menschen aus seinen "Jugendtorheiten keinen Strick
drehen", sagte Gusenbauer, als die Umtriebe des jungen
Heinz-Christian Strache ruchbar wurden.
Jugendtorheiten: Im Tarnanzug war der 19-jährige Strache durch die
Wälder Kärntens gerobbt, hatte mit Farbbeuteln auf seine rechten
Kameraden geschossen und vielleicht auch den Arm zum Hitler-Gruß
gereckt. Auf die Frage, ob es auch solche Bilder geben könnte, hat
Strache sich jedenfalls beredt schwammig ausgedrückt. 
Die FPÖ dankte umgehend. "Ausgesprochen fair und objektiv", nannte
FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky gestern den Kanzler und seine
SPÖ. Der Beginn einer schönen, einer nützlichen Freundschaft.
Bruno Kreisky hatte es leichter gehabt mit seinen rechten Freunden.
Damals, 1970, lebte Österreich noch im Hochgefühl, als erstes Opfer
Hitlers frei zu sein von Schuld am Nationalsozialismus. Kurt Waldheim
war noch UNO-Generalsekretär und die Hoffnung, den "Bürgerblock"
endgültig auseinanderzudividieren schien alles zu rechtfertigen.
Alfred Gusenbauer macht seine Avancen in einem ganz anderen Umfeld.
Die SPÖ hat sieben Jahre erschöpfender moralischer Entrüstung über
Schwarz-Blau hinter sich. Der brüske Richtungswechsel verursacht ihr
naturgemäß Schwindelgefühl. Nur einer ist frei davon  der Kanzler.
Der hat sein großes Vorbild vor Augen und die Zeit nach dem Scheitern
der großen Koalition. Da bleibt für kleinliche Grundsätze kein
Spielraum mehr. ****
Rückfragehinweis:
   Kleine Zeitung
   Redaktionssekretariat
   Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
   redaktion@kleinezeitung.at
   http://www.kleinezeitung.at
*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER
INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***
OTS0269    2007-01-26/21:04
262104 Jän 07
PKZ0001 0376