- 14.11.2005, 10:09:44
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Wehsely: Die verschwundenen Frauen sichtbar machen!
Weiterer Beitrag der Frauenstadträtin zum Gedenkjahr: Konferenz zum Verschwinden der Frauen während der NS-Zeit
Wien (OTS) - "Es ist mir ein großes Anliegen, auch jene Frauen
sichtbar zu machen, die nach 1945 nicht mehr nach Österreich
zurückgekehrt sind und den schmerzlichen und bis heute spürbaren
Verlust aufzuzeigen, der durch das Verschwinden dieser Frauen
entstanden ist", erklärte Wiens Frauenstadträtin Sonja Wehsely am
Montag bei der Eröffnung einer Konferenz im Oberen Belvedere. Die von
der Frauenabteilung der Stadt Wien (MA 57) veranstaltete Konferenz
beschäftigt sich mit dem Verschwinden der Frauen während der NS-Zeit
und ist ein weiterer Beitrag der Wiener Frauenstadträtin zum heurigen
Gedenkjahr.
135.000 Menschen wurden von den Nationalsozialisten aus
Österreich vertrieben. Nur knappe acht Prozent sind nach 1945
zurückgekehrt. Frauen wurden im Nachkriegsösterreich noch seltener
zur Rückkehr aufgefordert als Männer. Die kurze demokratische
Periode, in der Frauen das Wahlrecht und den Zugang zu höherer
Bildung erreicht hatten, fand mit dem Austrofaschismus in den Jahren
1933/34 gewaltsam ein Ende. Im Exil fanden Frauen Möglichkeiten,
unter erkämpften, aber doch freieren Bedingungen zu arbeiten und zu
leben.
"Auch nach Kriegsende ist den vertriebenen Frauen großes Unrecht
geschehen", gab Wehsely zu bedenken. "Man hat sie nicht oder viel zu
spät zur Rückkehr aufgefordert. Frauen, die das KZ überlebt haben,
haben weder die nötige menschliche noch berufliche Unterstützung
erfahren und Widerstandskämpferinnen sind nicht oder erst sehr spät
als Heldinnen anerkannt worden", so Wehsely. Als "ganz besonders"
beschämend bezeichnete die Wiener Frauenstadträtin "das lange
Schweigen über die Ermordung vieler Frauen in den KZs".
Frauen wurden nur vereinzelt und erst sehr spät mit Ehrungen
oder Entschädigungen bedacht, ihre Geschichte wurde erst Anfang der
1980er Jahre Thema von Forschung und politischer Aufarbeitung. "Diese
Aufarbeitung wurde und wird eher von einzelnen engagierten Frauen
geleistet, die ihre Forschung in einen explizit politischen,
feministischen und antifaschistischen Kontext stellten", so Wehsely.
In den letzten 60 Jahren sei sehr viel von und für Frauen
erreicht worden, doch vielleicht wäre, wenn es diesen Bruch durch
Austrofaschismus und NS-Gräuel nicht gegeben hätte, noch mehr möglich
gewesen, so Wehsely. "In wichtigen Lebensbereichen haben heute Frauen
noch immer nicht die gleichen Möglichkeiten wie Männer. Das wird
deutlich am geringeren Einkommen, an der geringen Zahl von Frauen in
Führungspositionen - oder daran, dass die Vereinbarkeit von Beruf und
Familie nach wie vor als Frauensache gilt. Ziel einer modernen
Frauenpolitik in Wien ist es, dass Frauen selbstbestimmt und
eigenständig leben können, auf der Basis einer zukunftsorientierten
Ausbildung, mit eigenem Einkommen und einer eigenständigen Pension",
so Wehsely abschließend. (Schluss) lac
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