- 19.11.2004, 11:30:05
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KHOL WÜRDIGT VERBAND VOLKSDEUTSCHER LANDSMANNSCHAFTEN ÖSTERREICHS NR-Präsident will Volksgruppen in neuer Bundesverfassung verankern
Wien (PK) - Nationalratspräsident Andreas Khol hat heute anlässlich
des Festaktes "60 Jahre Vertreibung, 50 Jahre VLÖ" den Verband der
Volksdeutschen Landsmannschaften Österreichs gewürdigt und den Dank
der Republik Österreich überbracht. "Das 50-jährige Bestehen des VLÖ
ist nicht nur ein besonderer Anlass für die Altösterreicher deutscher
Muttersprache, sondern für die gesamte Republik", so Khol. "Die
Geschichte des VLÖ und die Darstellung der heutigen Tätigkeit führt
eindrucksvoll vor Augen, welchen bedeutenden Beitrag der Verband der
Landsmannschaften zur Entwicklung der Zweiten Republik geleistet
hat."
Khol kündigte in seiner Rede im "Haus der Heimat" auch an, dass er
sich für die Aufnahme der Volksgruppen in die neue Bundesverfassung
stark machen werde. Konkret möchte er folgende Formulierung in der
Präambel zur neuen Verfassung verankern: "Österreich tritt für den
Schutz der mit ihm geschichtlich verbundenen deutschsprachigen
Volksgruppen, insbesondere der Südtiroler, ein."
Der Nationalratspräsident sprach den Heimatvertriebenen und
Flüchtlingen deutscher Muttersprache, die nach Österreich gekommen
und hier geblieben sind, für ihre Aufbauarbeit besondere Anerkennung
aus. "Unter schwierigsten Verhältnissen haben Sie, Ihre Eltern und
Großeltern, unser Land mit aufgebaut und den Grundstein für den
heutigen Wohlstand Österreichs gelegt. Der Fleiß, das Können und die
Beharrlichkeit der Volksdeutschen, die nach Österreich gekommen sind,
sind legendär. Sie sind 1945 mit nichts gekommen, heute haben sie es
zu verdientem Wohlstand – größerem oder kleinerem – gebracht. Ihr
persönlicher Erfolg war und ist ein Teil der Erfolgsgeschichte
Österreichs", sagte Khol.
Gewürdigt wurden auch jene Österreicherinnen und Österreicher, die im
Jahr 1945 unter schwierigsten Bedingungen die Heimatvertriebenen in
Österreich aufnahmen. "Von den insgesamt über zwei Millionen
Vertriebenen, die mit Ende des 2. Weltkrieges vorübergehend nach
Österreich kamen, haben immerhin rund 350.000 hier eine neue Heimat
gefunden. Unter den schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen und vor
allem angesichts der katastrophalen Ernährungslage des Jahres 1945
und auch danach war dies eine beachtenswerte Integrationsleistung."
Der Präsident des Nationalrats verwies auch auf das "Gedanken-Jahr
2005", in dem vor allem der historischen Jahrestage mit Bezug auf
1945, 1955 und 1995 gedacht werden soll. "Am Anfang der Zweiten
Republik stand das Ende des 2. Weltkrieges. Das Jahr 1945 war für
alle ein Jahr des Elends, ein Jahr des Schreckens und der Angst – wie
schon die vielen Jahre zuvor, als das verbrecherische
nationalsozialistische Regime Europa in absolut unvergleichlicher Art
und Weise verwüstete. Aber 1945 war für Österreich auch ein Jahr der
Hoffnung – die Österreicherinnen und Österreich haben ihre Heimat
zurückerhalten. Sie, die Heimatvertriebenen nicht. Ihnen wurde die
Heimat geraubt. Im Gedenken an das Jahr 1945 darf niemals vergessen
werden, dass viele Altösterreicher enteignet und vertrieben wurden,
tausende Menschen ermordet und brutal zu Tode geschunden wurden. Die
Gräueltaten der Geschichte können nicht ungeschehen gemacht werden.
Aber die kollektiven Vertreibungen und Enteignungen waren Unrecht an
vielen unschuldigen Menschen und für dieses Unrecht muss die
moralische Verantwortung übernommen werden", so der
Nationalratspräsident.
Khol schloss mit dem Hinweis auf die gemeinsame Zukunft aller in der
Europäischen Union: "Der Europäische Integrationsprozess ist der
einzige Weg, um die Gräben von gestern zu überwinden. Die Europäische
Integration wirkt nicht nur im wirtschaftlichen und politischen
Bereich, sie trägt auch zu einer Öffnung der Gesellschaft bei."
(Schluss)
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