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"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "West-östlicher Diwan" (Von Irene Heisz)

Ausgabe vom 5. Oktober 2004

Innsbruck (OTS) - Sachbücher über den Islam verkaufen sich gut. Belletristik aus Arabien kommt in den Statistiken der
Verlage und Händler nur als Fußnote vor. Dieser Entwicklung trachtet die Frankfurter Buchmesse ab heute entgegenzusteuern.

Der Orient hat den Zauber des Geheimnisvollen-Exotischen verloren, der der Welt von Tausendundeiner Nacht lange anhaftete. Der Anspruch der kulturellen Weltherrschaft, den der Westen unter Führung der USA aus dem Zusammenbruch des Ostblocks und der dazugehörigen Ideologie ableitete, hat sich ein neues Feindbild gesucht und es im Islam gefunden.

Die keinen Widerspruch duldende Überheblichkeit des christlichen Abendlandes gegenüber so genannten Heiden ist nicht neu und hat in den vergangenen 2000 Jahren einige der schrecklichsten Marksteine der Unmenschlichkeit gesetzt. Doch so viel Arroganz wie heute war seit mindestens 200 Jahren nicht mehr. Und hinter der Wucht des grausigen Fanals 9/11 verschwand offenbar nicht nur die bittere Notwendigkeit, sich mit den historischen Ursachen für Terrorismus auseinander zu setzen, sondern auch die Bereitschaft, sich fremden Kulturen mit neugieriger Lust zu nähern - und nicht von vorneherein unter den Vorzeichen kulturphilosophischen Kreuzrittertums.

Die Frankfurter Buchmesse, weltgrößter Branchentreff, fungiert als Barometer der Intellektualität. Dass in jüngerer Zeit die Dieter Bohlens dieser Welt die Stars der Messe waren, bedeutet nicht nur in diesem Zusammenhang nichts Gutes. Mit der Einladung der arabischen Welt als Ehrengast rückt zumindest vorübergehend wieder in den Vordergrund, was das geschriebene Wort im besten Fall zu leisten vermag. Das ist gut und wichtig. Auch wenn die Arabische Liga, also die politische Vertretung der Länder, den Messeauftritt organisiert und den Großteil der Künstler ausgesucht hat. Darin liegt ein schwerer Webfehler im Stoff dieses west-östlichen Diwans.

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