OTS0073 / 15.03.2004 / 11:10 / Channel: Chronik / Aussender: nicht gefunden
Stichworte: Alkohol / Bilanz / KfV / Kinder / Moped / Unfälle / Verkehr


2003: VERKEHRSSICHERHEITSZIEL NICHT ERREICHT - 100 TOTE MEHR!

Utl.: KfV: "Clubbing-Zeit" - Jeder zweite unfallbeteiligte Alkolenker zwischen 18 und 24. Kinder Verlierer im Straßenverkehr! =


   Wien (OTS) -
931 Tote gab es im Jahr 2003 auf Österreichs Straßen, das ist der
geringste Wert seit Bestehen der Unfallstatistik. Das Kuratorium für
Verkehrssicherheit (KfV) sieht in diesem Zusammenhang aber keinen
Grund zum Jubel. Denn das Ziel, das sich Österreich gesteckt hat,
wurde nicht erreicht: Laut Österreichischem
Verkehrssicherheitsprogramm 2002-2010, das ein jährliches
Reduktionsziel bei Getöteten und Unfällen vorsieht, hätte die Zahl
der Getöteten im Straßenverkehr auf 831 sinken müssen. Tatsächlich
starben 100 Menschen mehr. "931 Getötete sind zwar der geringste Wert
seit Bestehen der Unfallstatistik, das Ist und Soll des zu
erreichenden Verkehrssicherheitsziels klaffen aber immer weiter
auseinander! Der Rückgang bei den Verkehrstoten liegt zudem
ausschließlich bei Frauen, Männer sterben noch immer genauso häufig.
Der Trend zu steigenden Unfällen und Verletzten ist nach wie vor
ungebrochen und das Ziel, 20 Prozent weniger Unfälle mit
Personenschaden bis 2010,  rückt in weite Ferne", zeigt sich
KfV-Direktor Dr. Othmar Thann über die Unfallbilanz 2003 wenig
erfreut.
Im Jahr 2003 ereigneten sich auf Österreichs Straßen:
- 43.426 Unfälle mit Personenschaden (2002: 43.175), eine Erhöhung
von 0,6 Prozent
- 56.881 Verletzte (2002: 56.684), das ergibt eine Steigerung von 0,3
Prozent
- 931 Tote (2002: 956), die Zahl der Getöteten hat sich um 2, 6 %
reduziert.
Autobahnbaustellen: Vision Zero keine Utopie!
Einen "sensationellen Erfolg" macht das KfV allerdings bei den
Autobahnbaustellen aus. Erstmals seit Bestehen der Unfallstatistik
gibt es keine Getöteten bei Unfällen auf Autobahnbaustellen. Zum
Vergleich: 1999 mussten noch 17 Menschen bei diesen Unfällen ihr
Leben lassen. "Am Beispiel Autobahnbaustellen zeigt sich wie
Verkehrssicherheitsarbeit wirkt! Durch Know How und jahrelange
Forschungsarbeit hat das KfV zielgerichtete Maßnahmen erarbeitet, die
von BMVIT und Asfinag konsequent umgesetzt wurden. Ob durch Section
Control, den Einsatz baulicher Mitteltrennung oder der laufenden
Optimierung der Baustellen-Logistik, das Ergebnis ist ein weiterer
Schritt zu einer menschenfreundlicheren Straße", betont Thann.
Mopedunfälle: Alarmierender Anstieg wegen kontraproduktiver Maßnahme
Grund zur Euphorie gibt es im Bereich der "Einspurigen" keine. Vor
allem Mopedunfälle geben Anlass zur Besorgnis. Mit 4.489 Unfällen mit
Moped und Kleinmotorrad (2002: 4.199) wurde der Vorjahreswert um
knapp sieben Prozent übertroffen, 4.773 Personen wurden dabei
verletzt (2002: 4.434) - das ist ein Plus von 7,2 Prozent - und 47
getötet (2002: 46). Verantwortlich für den alarmierenden Anstieg
macht das KfV eine kontraproduktive Maßnahme: Entgegen
Expertenmeinungen und eindringlichen Warnungen der Verkehrsexperten
wurde der Persönlichkeitstest für 15jährige Mopedlenker abgeschafft
(5. FSG-Novelle am 1.10.2002) - eine kontraproduktive Maßnahme, die
de facto eine bundesweite Senkung des Mopedeinstiegsalters auf 15
Jahre gebracht hat!
International am letzten Platz!
Das Moped gilt immerhin neben dem Motorrad als das mit Abstand
gefährlichste Verkehrsmittel. Im Vergleich zu einem Pkw-Lenker trägt
ein Mopedlenker etwa das zehnfache Unfallrisiko! "Durch den Wegfall
der Persönlichkeitstests für 15-jährige Mopedlenker gab es einen
massiven Zuwachs bei Unfällen und Verletzten. Wäre diese
kontraproduktive Maßnahme nicht gesetzt worden, hätten wir 2003 rund
450 Mopedverletzte weniger", zeigt Thann auf. Auch international
steht Österreich bei Mopedunfällen schlecht da: Letzter Platz bei
Verletzten und Getöteten im deutschsprachigen Raum!
Schere geht auf: Zunehmend ältere Motorradlenker verunglückt
Auch bei "Bikern" gibt es keine Erfolgsmeldungen. Sowohl Unfälle als
auch Verletzte sind um knapp zwölf Prozent gestiegen. Außerdem waren
um 20 Getötete mehr zu verzeichnen als im Vergleichszeitraum des
Vorjahres. Das ist fast ein Viertel mehr! Im Jahr 2003 wurden bei
3.617 Motorradunfällen (2002: 3.239) 3.744 Personen verletzt (2002:
3.348)  und 109 getötet (2002: 89).
Eine gleichmäßigere Verteilung auch auf ältere "Semester" ist zu
bemerken. Bis vor einigen Jahren waren hauptsächlich 18 bis
24-jährige Motorradlenker für Unfälle verantwortlich. "Diese
Verschiebung stellt uns vor eine neue Aufgabe: Bewusstseinsbildung
muss sich an mehrere Altersgruppen richten", so KfV-Chef Thann. Das
KfV hält eine verpflichtende ABS-Ausstattung, auch auf EU-Ebene, eine
Vertiefung der Ausbildung in Richtung Notbremsung bei der Prüfung und
eine Erfolgskontrolle auch für 125er-Motorräder für notwendige
Maßnahmen.
"Clubbing-Zeit": Jeder zweite unfallbeteiligte Alkolenker zwischen 18
und 24
Im Jahr 2003 gab es insgesamt 2.841 Alkoholunfälle (2002: 2.736, plus
3,8%), bei denen 4.020 Personen verletzt (2002: 3.901, plus 3,1%) und
84 getötet wurden (2002: 92, minus 8,7%). Die absolute
Spitzenposition in puncto Alkohol am Steuer übernehmen junge Lenker
im Alter von 18 bis 24 Jahren - und das fast ausschließlich zur
Ausgehzeit dieser Gruppe: Samstag und Sonntag zwischen 0 und 5 Uhr
ist fast jeder zweite unfallbeteiligte Alko-Lenker zwischen 18 und 24
Jahre alt! Und auch Frauen ziehen in der Alkoholunfall-Statistik
kräftig nach - ihr Anteil beträgt bereits zehn Prozent, bei
18-24jährigen schon zwölf Prozent. "Um die überwiegend jungen Lenker,
die sich alkoholisiert hinters Steuer setzen zu stoppen, müssen mehr
finanzielle Mittel für Kontrollen zum richtigen Zeitpunkt
bereitgestellt werden. Auch der Einsatz von Vortestgeräten wird vom
KfV dringend angeraten", schlägt Thann vor.
Fußgänger: Vom "Loser" zum "Winner"
Die ewigen Verlierer im Straßenverkehr sind heuer endlich wieder im
Aufwind. Der Trend bei Unfällen, Verletzten und Getöteten ist
rückläufig! Im Jahr 2003 wurden bei 4.371 Unfällen (2002: 4.650) -
das sind um sechs Prozent weniger als im Vorjahr -  4.253 Personen
verletzt (2002: 4.512) und 132 getötet (2002: 160).
10% mehr Kinderunfälle auf Schutzwegen
Die Kinderunfälle auf ungeregelten Schutzwegen nahmen allerdings um
knapp sechs Prozent zu. Der Zebrastreifen wird in seiner
Schutzwirkung häufig überschätzt: Trotz gesetzlicher Verpflichtung
halten viele Lenker nicht an, und es kommt zu fatalen Kollisionen.
Auf ampelgeregelten Schutzwegen nahmen die Kinderunfälle dagegen um
gut 32 Prozent ab.
50% der getöteten Pkw-Lenker waren ohne Gurt unterwegs
Im internationalen Vergleich liegt Österreich in punkto Anschnallen
auf niedrigem Niveau. Während die Gurtquote in Deutschland,
Frankreich, Großbritannien und Schweden bei 90 Prozent liegt, fristet
diese hierzulande mit 76,6 Prozent ein mageres Dasein. Jeder vierte
Insasse auf Vordersitzen fährt nicht angegurtet: In Österreich
schnallen sich im Ortsgebiet 73 Prozent, im Freiland 76,3 Prozent und
auf Autobahnen nur 81,6 Prozent an. 50 Prozent der getöteten
Pkw-Lenker waren ohne Gurt unterwegs. Frauen schnallen sich um 15
Prozent häufiger an als Männer.
Knapp 50% mehr tote Kinder auf Österreichs Straßen!
Die Unfallentwicklung beim schwächsten Glied in der
Verkehrssicherheitskette, den Kindern, zeichnet ein trostloses Bild:
37 tote Kinder auf Österreichs Straßen lautet die erschütternde
Bilanz 2003! Das ist mehr als eine ganze Schulklasse. Mit 3.749
Unfällen gab es gleich viele Unfälle wie im Jahr 2002. Dabei wurden
4.074 Kinder verletzt (2002: 4.023, plus 1,3%) und 37 getötet (2002:
25). Die Anzahl der getöteten Kinder im Straßenverkehr hat sich im
Vergleich zum Vorjahr um 48 Prozent erhöht!
Österreich bei Kinderunfällen weit abgeschlagen
EU-weit fällt Österreich mit dieser Schreckensbilanz vom 7. Platz des
Jahres 2002 erstmals weit unter den EU-Durchschnitt, auf den 12.
Platz. Und zeichnet somit im deutschsprachigen Raum für die weit
abgeschlagene Position in Sachen Kinderverkehrsunfällen
verantwortlich.
Jedes 6. Kind komplett ungesichert unterwegs - Verwendungsquote
fallend!
Schlampig oder gleich gar nicht werden viel zu viele Kinder im Pkw
gesichert. Während sich Mutti und Vati noch (mehr oder weniger) brav
anschnallen, wird die Gefahr für das Kind am Rücksitz enorm
unterschätzt!  Die Folge: Unfälle und tote Kinder. Die
Verwendungsquote ist fallend: 83 Prozent - das sind ca. zwei Prozent
weniger als im Jahr davor. Im Freiland werden Kinder sogar um vier
Prozent weniger gesichert als 2002. Heuer waren es drei mal soviel
getötete ungesicherte Kinder wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres
zu verzeichnen! Jedes 6. Kind ist komplett ungesichert unterwegs.
Häufig wissen Eltern nicht wie eine ordnungsgemäße Kindersicherung
funktioniert: Bis zu 80 Prozent der Kindersitze werden derzeit nicht
richtig benützt.
Kindersicherung: Aufklärung, Schulung und Kontrolle
Thann fordert zielgerichtete Kontrollen: "Für ein ungesichertes Kind
wird immer noch weniger gestraft als für ein Stück nicht
ordnungsgemäß transportiertes Vieh! Genaue Aufklärung, Schulung und
Kontrolle bei Kindersitzverwendung sowie eine Fortsetzung der bisher
so erfolgreichen Gurt-Kampagnen sind dringend umzusetzen. 95 Menschen
könnten jedes Jahr noch leben, würde die Gurtverwendung auf
internationales Niveau ansteigen. Das heißt, mit einer einfachen
Maßnahme, nämlich 'Alles Anschnallen' wäre das
Verkehrssicherheitsziel für heuer erreicht!"
Die KfV-Forderungen auf einen Blick :
- Maßnahmen gegen Hochrisikofahrer
- Alkohol- und Drogenlenker: Finanzielle Mittel für gezielte
Überwachung, Einsatz von Vortestgeräten
- Vermehrter Einsatz der Section-Control
- Gurt und Kindersicherung: Verschärfte Kontrollen, Aufklärung und
Schulung, Kampagnen
- Einspurige: Verpflichtend ABS für Motorräder, Vertiefung der
Ausbildung in Richtung Bremsen
- Sicherheitsaudit für alle Straßenbauprojekte
- Schutzweg: Bessere Kennzeichnung und Schwerpunktkontrollen
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Rückfragehinweis:
   Kuratorium für Verkehrssicherheit
   Mag. Gabriele Hinterkörner
   Pressestelle
   Tel.: (++43-1) 71 770/161
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*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER
VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***
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OTS0073    2004-03-15/11:10
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151110 Mär 04
KVS0001 1353

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