- 18.02.2004, 10:04:21
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Niederwieser und Schnider aus pädagogischer Sicht für "echte" Ganztagsschule
Wien (SK) "Wenn die Studie zeigt, dass die Kombination Beruf
und Kind für 40 Prozent der Befragten einen eindeutigen Nachteil im
Berufsleben darstellt, dann darf unsere Gesellschaft das nicht
akzeptieren", so kommentierte SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser
am Dienstag eine von der Arbeiterkammer (AK) Wien in Auftrag gegeben
Studie im Rahmen der Diskussionsveranstaltung "Ganztagsschule gegen
Halbtagswissen". Weitere Diskutanten waren der Landesgeschäftsführer
der ÖVP Steiermark, Andreas Schnider, der Vorsitzende der
Pflichtschullehrergewerkschaft, Walter Riegler, Kurt Nekula als
Elternvertreter und Johanna Ettl, die Stv. Direktorin der AK Wien.
Dass eine "echte" Gesamtschule mit einer Verschränkung von
Unterrichts- und Erholungsteilen das Ziel sein sollte, war breiter
Konsens der Veranstaltung.****
Wenn es wirklich um Chancengleichheit gehe, dann sei die
strikte Trennung von Schule am Vormittag und Betreuung und Erholung
am Nachmittag nur die zweitbeste Lösung, erklärte Niederwieser auf
die Frage, wie die ideale Ganztagsschule für ihn aussehe. "Aus
pädagogischer Sicht und für die Chancengleichheit aller Schüler ist
die Verteilung von Unterricht und Erholung im Zeitraum von 8 oder 8
Uhr 30 bis 16 oder 17 Uhr die bessere Lösung", hielt der
SPÖ-Bildungssprecher fest. Soziales Lernen, die Förderung von
Schlüsselqualifikationen, individuelle Förderung und Förderung der
verschiedenen Begabungen seien in einer verschränkten Form besser
möglich, als in einer Form, bei der einfach Unterricht und Ruhephase
aneinander gestückelt werde, erläuterte Niederwieser.
Angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen sei es aber
wichtig, das Angebot und die Anzahl von Ganztagsplätzen zu erhöhen,
so Niederwieser. "Wir sind für jeden zusätzlichen Platz froh, deshalb
wären wir auch schon einverstanden, wenn es die nicht so ideale Form
wäre." Angesichts eines Bedarfes von 100.000 Plätzen sei es wichtig,
den Ausbau zu forcieren. Die 10.000, vom Ministerium in Aussicht
gestellten Plätze würden hier nicht genügen. "Ich hätte mir vom
Bildungsministerium aber auch erwartet, dass man pädagogische Werte
und nicht nur wirtschaftliche in den Vordergrund stellen würde",
kritisierte Niederwieser. "Es ist eben nicht egal, wie man es macht."
Johanna Ettl wies besonders darauf hin, dass "Bildungsarmut
erblich ist". Im Hinblick auf Chancengleichheit aller Schüler,
unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, biete die "echte"
Ganztagsschule große Vorteile. Schnider wies darauf hin, dass sich
der Bildungsbegriff "komplett verändert" habe und man deshalb endlich
beginnen müsse, in neuen Dimensionen zu denken. "Das Verändern und
Verbessern haben wir Jahrzehnte lang gemacht, und es war nichts als
Kosmetik", kritisierte Schnider und forderte, "Schule ganz neu zu
denken." In diesem Kontext müsse man auch über die Arbeitsbedingungen
von Lehrerinnen und Lehrern nachdenken. Auch Niederwieser sprach sich
dafür aus, in Anbetracht einer neuen Situation in den Schulen auch
über die Lehrer betreffenden Fragen, wie eine bessere Ausstattung der
Arbeitsplätze in den Schulen, nachzudenken. Modelle eines anderen
Lehrerbildes gebe es sowohl in Europa als auch im Rest der Welt, wie
der SPÖ-Bildungssprecher festhielt.
Es sei auch sehr positiv, so Niederwieser, dass sich in den
letzten zehn Jahren die Frage der Ganztagsschule entideologisiert
habe. Auch Schnider stimmte dem zu und forderte: "Wagen wir es doch,
eine Ganztagsschule im pädagogischen Sinne anzustreben." Abschließend
hielt Niederwieser, angesichts der Stellungnahmen von Lehrerinnen und
ehemaligen Schülerinnen von Ganztagschulen fest: "Besser als die
direkt Beteiligten kann man für die Ganztagsschule nicht Werbung
machen." (Schluss) js
OTS0050 2004-02-18/10:04
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