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Jordanien: Wirtschaftsreformen inmitten einer Krisenregion

Jordanien ist einziges arabisches Land mit einem Freihandelsabkommen mit den USA - Die Austro-Exporte Richtung Amman legten 2002 stark zu

Wien (PWK124) - Jordanien hat in den letzten Jahren große makroökonomische Schritte unternommen und einen enormen wirtschaftlichen Reformprozess gewagt. "Ausgangspunkt war die Notwendigkeit, die strukturellen Haupthindernisse gesunden wirtschaftlichen Wachstums zu verringern", sagt Kurt Altmann, der bis zur Schließung der österreichischen Außenhandelsstelle in Amman jetzt in Damaskus stationierte WKÖ-Handelsdelegierte. Und er benennt auch gleich die wichtigsten Hemmnisse: "Die Tatsache des kleinen jordanischen Inlandsmarktes, Jordaniens geographische Lage inmitten regionaler Krisengebiete, die nach wie vor hohe Auslandsverschuldung, der Mangel an Rohstoffen und zuletzt die hohe Bevölkerungszuwachsrate."

Der 1999 erfolgte Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) brachte indes eine starke Reduzierung der Importzölle. "Jordanien schloss auch als einziges arabisches Land ein Freihandelsabkommen mit den USA ab", stellt Walter Koren, Leiter der AUSSENWIRTSCHAFT ÖSTERREICH (AWO) der WKÖ, die Sonderrolle Jordaniens im Nahen Osten in den Vordergrund. Koren weiter: "Das bereits 1997 unterzeichnete Assoziationsabkommen mit der Europäischen Union wurde am 1.5.2002 in Kraft gesetzt und Jordanien konnte im Rahmen eines mehr als zehnjährigen Umstrukturierungsabkommens mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) durch ein rigides Wirtschaftsprogramm seine Auslandsschulden von 170 Prozent auf nunmehr etwa 75 Prozent des BIP senken."

Bedingt durch die Bemühungen, ausländisches Kapital und Investitionen ins Land zu ziehen, wurde die Investitionsgesetzgebung reformiert und eine Reihe bilateraler Investitionsschutzabkommen, mit Österreich etwa im Jahr 2000, abgeschlossen, das Firmenrecht reformiert und ein neues Vertretergesetz in Kraft gesetzt. Im Zuge des intensiven Privatisierungsprogrammes wurden eine Reihe ehemaliger Staatsbetriebe an in- und ausländische Investoren veräußert. "Als nächste Objekte sollen die Royal Jordanian Airlines, der Elektrizitässektor, die Post und der frühere Paradebetrieb Jordan Phosphate Mines Company privatisiert werden", berichtet Handelsdelegierter Altmann.

Österreichische Exporteure konnten bis in die zweite Jahreshälfte 2002 durch steigende Pharma- und Maschinenlieferungen Ausfuhrzuwächse verzeichnen, müssen aber seit dem Jahresende 2002 gegenüber Lieferanten aus dem Dollarbereich aufgrund des stark gestiegenen Euro-Kurses Wettbewerbsnachteile hinnehmen - Medikamente aus der EU wurden bereits um 14 Prozent teurer. Im Jahr 2001 lieferten österreichische Firmen Waren im Wert von 29 Mio Euro nach Jordanien. In den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres waren es bereits 30 Mio Euro und damit um 17,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Lieferungen umfassten vor allem Maschinen und Apparate (5,4 Mio Euro, + 118 Prozent), pharmazeutische Erzeugnisse (3,4 Mio Euro, + 33,4 Prozent), Kraftfahrzeuge (1,9 Mio Euro, + 46 Prozent), Kunststoffe (950.000 Euro, + 25,1 Prozent) und keramische Erzeugnisse.

"Zur Vertiefung bestehender und zur Herstellung neuer Geschäftskontakte veranstaltet die AWO im Oktober 2003 eine Wirtschaftsmission nach Jordanien, Syrien und in den Libanon", kündigt der Handelsdelegierte an. Die allgemeine Wirtschaftslage Jordaniens kann sich mittlerweile sehen lassen. Für 2002 wird ein Wirtschaftswachstum von soliden fünf Prozent erwartet und damit zum dritten Mal seit 2000 über dem Anstieg der Bevölkerungsrate von 2,8 Prozent liegen. Die Industrieproduktion stieg um 12,5 Prozent, der Bergbausektor um 10 Prozent, die Bauwirtschaft um 7 und der Elektrizitätssektor um 5,6 Prozent an. Einen maßgeblichen Beitrag zum Wachstum leistete der starke Anstieg der jordanischen Exporte von Jänner bis November 2002 um 15,5 Prozent auf fast zwei Mrd US-Dollar. Mit einem Anstieg der Exporte in die USA um 77 Prozent auf 363 Mio US-Dollar (18 Prozent aller Ausfuhren) erzielte Jordanien zum ersten Mal mit einem westlichen Industrieland einen Handelsbilanzüberschuss. Da die jordanischen Importe in den ersten elf Monaten 2002 nur um 1,9 Prozent auf 4,6 Mrd USD zulegten, verringerte sich zum zweiten Mal das Handelsbilanzdefizit.

Jordanische Industriebetriebe haben bis vor kurzem auch wieder vorsichtig begonnen, in Ausrüstungen zu investieren. Anbetrachts der schwankenden Auslastung der Maschinenparks wird jedoch oftmals weniger Wert auf hohe Performance der angeschafften Maschinen sondern mehr auf Zuverlässigkeit und einen günstigen Preis gelegt, wobei auch gebrauchte Maschinen angeschafft werden. Im Zuge der aktuellen Irak-Krise warten viele jordanische Unternehmer aber wieder mit Investitions-Entscheidungen ab. Das nach wie vor seit 1990 aufrechte UN-Embargo gegenüber dem Irak schädigte die jordanische Leichtindustrie stark und hinderte Investitionen nachhaltig. Die latente Krisengefahr beeinflusst seit Jahren die Handelspolitik der jordanischen Wirtschaftsführer und die Regierung veröffentlichte dieser Tage ein "Emergency"-Budget für 2003, das kriegsbedingte Zusatzbelastungen eines Krieges im Irak bereits berücksichtigen soll.

Die jordanische Regierung verfolgt dennoch einige ehrgeizige Projekte, berichtet Altmann: "Die Errichtung einer Wasserpipeline vom Süden des Landes nach Amman, den Bau einer Öl-Pipeline aus dem Irak zur Raffinerie in Zarqa bei Amman, ein 400 MW Gas-Kraftwerke bei Zarqa, eine Jordanien durchquerenden Gaspipeline vom Süden des Landes nach Norden und die Aqaba-Railway." Die Projekte befinden sich derzeit im Ausschreibungs- beziehungsweise im Auswahlverfahren der betreffenden Generalunternehmer. Da die Projekte als B.O.O (Built Own Operate) oder B.O.T. (Built Operate Transfer) ausgeschrieben werden, kommen nur wenige internationale Anbieter in Frage. Altmann: "Wir sind mit den vergebenden Stellen in Kontakt, verfolgen den Status der Projekte genau und stehen interessierten österreichischen Firmen gerne zur Verfügung." Weiters wurde die Region in und um die Hafenstadt Aqaba am Roten Meer mit dem Ziel, ein regionales Handelszentrum zu werden, zur Sonderwirtschaftszone als Zollfreizone mit einer flachen Einkommensteuer von fünf Prozent und einer Mehrwertsteuer in Höhe von nur sieben Prozent erklärt. (BS)

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