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OTS0052   3. März 2003, 10:12

Jordanien: Wirtschaftsreformen inmitten einer Krisenregion

Jordanien ist einziges arabisches Land mit einem Freihandelsabkommen mit den USA - Die Austro-Exporte Richtung Amman legten 2002 stark zu


Jordanien hat in den letzten Jahren große
makroökonomische Schritte unternommen und einen enormen
wirtschaftlichen Reformprozess gewagt. "Ausgangspunkt war die
Notwendigkeit, die strukturellen Haupthindernisse gesunden
wirtschaftlichen Wachstums zu verringern", sagt Kurt Altmann, der bis
zur Schließung der österreichischen Außenhandelsstelle in Amman
jetzt in Damaskus stationierte WKÖ-Handelsdelegierte. Und er benennt
auch gleich die wichtigsten Hemmnisse: "Die Tatsache des kleinen
jordanischen Inlandsmarktes, Jordaniens geographische Lage inmitten
regionaler Krisengebiete, die nach wie vor hohe Auslandsverschuldung,
der Mangel an Rohstoffen und zuletzt die hohe
Bevölkerungszuwachsrate."

Der 1999 erfolgte Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) brachte
indes eine starke Reduzierung der Importzölle. "Jordanien schloss
auch als einziges arabisches Land ein Freihandelsabkommen mit den USA
ab", stellt Walter Koren, Leiter der AUSSENWIRTSCHAFT ÖSTERREICH
(AWO) der WKÖ, die Sonderrolle Jordaniens im Nahen Osten in den
Vordergrund. Koren weiter: "Das bereits 1997 unterzeichnete
Assoziationsabkommen mit der Europäischen Union wurde am 1.5.2002 in
Kraft gesetzt und Jordanien konnte im Rahmen eines mehr als
zehnjährigen Umstrukturierungsabkommens mit dem Internationalen
Währungsfonds (IWF) durch ein rigides Wirtschaftsprogramm seine
Auslandsschulden von 170 Prozent auf nunmehr etwa 75 Prozent des BIP
senken."

Bedingt durch die Bemühungen, ausländisches Kapital und Investitionen
ins Land zu ziehen, wurde die Investitionsgesetzgebung reformiert und
eine Reihe bilateraler Investitionsschutzabkommen, mit Österreich
etwa im Jahr 2000, abgeschlossen, das Firmenrecht reformiert und ein
neues Vertretergesetz in Kraft gesetzt. Im Zuge des intensiven
Privatisierungsprogrammes wurden eine Reihe ehemaliger Staatsbetriebe
an in- und ausländische Investoren veräußert. "Als nächste Objekte
sollen die Royal Jordanian Airlines, der Elektrizitässektor, die Post
und der frühere Paradebetrieb Jordan Phosphate Mines Company
privatisiert werden", berichtet Handelsdelegierter Altmann.

Österreichische Exporteure konnten bis in die zweite Jahreshälfte
2002 durch steigende Pharma- und Maschinenlieferungen Ausfuhrzuwächse
verzeichnen, müssen aber seit dem Jahresende 2002 gegenüber
Lieferanten aus dem Dollarbereich aufgrund des stark gestiegenen
Euro-Kurses Wettbewerbsnachteile hinnehmen - Medikamente aus der EU
wurden bereits um 14 Prozent teurer. Im Jahr 2001 lieferten
österreichische Firmen Waren im Wert von 29 Mio Euro nach Jordanien.
In den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres waren es bereits 30
Mio Euro und damit um 17,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die
Lieferungen umfassten vor allem Maschinen und Apparate (5,4 Mio Euro,
+ 118 Prozent), pharmazeutische Erzeugnisse (3,4 Mio Euro, + 33,4
Prozent), Kraftfahrzeuge (1,9 Mio Euro, + 46 Prozent), Kunststoffe
(950.000 Euro, + 25,1 Prozent) und keramische Erzeugnisse.

"Zur Vertiefung bestehender und zur Herstellung neuer
Geschäftskontakte veranstaltet die AWO im Oktober 2003 eine
Wirtschaftsmission nach Jordanien, Syrien und in den Libanon",
kündigt der Handelsdelegierte an. Die allgemeine Wirtschaftslage
Jordaniens kann sich mittlerweile sehen lassen. Für 2002 wird ein
Wirtschaftswachstum von soliden fünf Prozent erwartet und damit zum
dritten Mal seit 2000 über dem Anstieg der Bevölkerungsrate von 2,8
Prozent liegen. Die Industrieproduktion stieg um 12,5 Prozent, der
Bergbausektor um 10 Prozent, die Bauwirtschaft um 7 und der
Elektrizitätssektor um 5,6 Prozent an. Einen maßgeblichen Beitrag zum
Wachstum leistete der starke Anstieg der jordanischen Exporte von
Jänner bis November 2002 um 15,5 Prozent auf fast zwei Mrd US-Dollar.
Mit einem Anstieg der Exporte in die USA um 77 Prozent auf 363 Mio
US-Dollar (18 Prozent aller Ausfuhren) erzielte Jordanien zum ersten
Mal mit einem westlichen Industrieland einen Handelsbilanzüberschuss.
Da die jordanischen Importe in den ersten elf Monaten 2002 nur um 1,9
Prozent auf 4,6 Mrd USD zulegten, verringerte sich zum zweiten Mal
das Handelsbilanzdefizit.

Jordanische Industriebetriebe haben bis vor kurzem auch wieder
vorsichtig begonnen, in Ausrüstungen zu investieren. Anbetrachts der
schwankenden Auslastung der Maschinenparks wird jedoch oftmals
weniger Wert auf hohe Performance der angeschafften Maschinen sondern
mehr auf Zuverlässigkeit und einen günstigen Preis gelegt, wobei auch
gebrauchte Maschinen angeschafft werden. Im Zuge der aktuellen
Irak-Krise warten viele jordanische Unternehmer aber wieder mit
Investitions-Entscheidungen ab. Das nach wie vor seit 1990 aufrechte
UN-Embargo gegenüber dem Irak schädigte die jordanische
Leichtindustrie stark und hinderte Investitionen nachhaltig. Die
latente Krisengefahr beeinflusst seit Jahren die Handelspolitik der
jordanischen Wirtschaftsführer und die Regierung veröffentlichte
dieser Tage ein "Emergency"-Budget für 2003, das kriegsbedingte
Zusatzbelastungen eines Krieges im Irak bereits berücksichtigen soll.

Die jordanische Regierung verfolgt dennoch einige ehrgeizige
Projekte, berichtet Altmann: "Die Errichtung einer Wasserpipeline vom
Süden des Landes nach Amman, den Bau einer Öl-Pipeline aus dem Irak
zur Raffinerie in Zarqa bei Amman, ein 400 MW Gas-Kraftwerke bei
Zarqa, eine Jordanien durchquerenden Gaspipeline vom Süden des Landes
nach Norden und die Aqaba-Railway." Die Projekte befinden sich
derzeit im Ausschreibungs- beziehungsweise im Auswahlverfahren der
betreffenden Generalunternehmer. Da die Projekte als B.O.O (Built
Own Operate) oder B.O.T. (Built Operate Transfer) ausgeschrieben
werden, kommen nur wenige internationale Anbieter in Frage. Altmann:
"Wir sind mit den vergebenden Stellen in Kontakt, verfolgen den
Status der Projekte genau und stehen interessierten österreichischen
Firmen gerne zur Verfügung." Weiters wurde die Region in und um die
Hafenstadt Aqaba am Roten Meer mit dem Ziel, ein regionales
Handelszentrum zu werden, zur Sonderwirtschaftszone als Zollfreizone
mit einer flachen Einkommensteuer von fünf Prozent und einer
Mehrwertsteuer in Höhe von nur sieben Prozent erklärt. (BS)

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