• 09.10.2001, 08:11:46
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KFV warnt vor Ablenkung durch Handys

"Handy on Board." Gegenwart und Zukunft mobiler Kommunikation im Straßenverkehr,unter diesem Titel beleuchtet das Kuratorium für Verkehrssicherheit in einer Enquete sämtliche Gesichtspunkte rund ums Handy am Steuer

* gesperrt bis 09.10.2001 11:00 *

Wien (OTS)- "Die Angst aus dem elektronischen Kommunikationsfluss
ausgeschlossen zu sein, führt zu den tragikomischen Bildern von
Menschen, die mit einer Hand ihr Mobiltelephon ans Ohr pressen, mit
der anderen verzweifelt am Lenkrad kurbeln und mit weit aufgerissenen
Augen das Verkehrsgeschehen verfolgen, akustisch ihre
Beziehungsprobleme diskutieren oder sich die Börsenkurse durchgeben
lassen - als könnte beides nicht noch ein paar Minuten warten",
beschreibt Mag. Dr. Konrad Paul Liessmann, a.o. Professor der
Universität Wien am Institut für Philosophie, den telefonierenden
Pkw-Lenker. Die allgegenwärtige Erreichbarkeit führt dazu, dass
sowohl die Konzentration auf den Verkehr als auch auf den
Gesprächsinhalt leidet. Unter dem Aspekt der Sicherheit schließt sich
beides gleichzeitig aus.

Seit 1. Juli 1999 ist Kfz-Lenkern während des Fahrens das
Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung verboten. Durch diese
Regelung soll die Ablenkung am Steuer durch das Handy und das damit
verbundene Unfallrisiko reduziert werden. Herr und Frau Österreicher
geben auch hinter dem Lenkrad ihr Mobiltelefon ungern aus der Hand.
Zumindest lassen das die Zahlen vermuten: Laut einer Studie des KfV
in Zusammenarbeit mit dem Institut für Psychologie der Universität
Graz besitzen 83,3% der befragten Pkw-Lenker ein Handy und mehr als
die Hälfte verwenden es beim Lenken eines Pkw.

Nicht ablenken lassen!

"Das bedeutet, dass es trotz gesetzlicher Maßnahmen notwendig ist,
wieder den verantwortungsbewussten Umgang mit dem "Handy on Board" in
Erinnerung zu rufen", rät Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratorium
für Verkehrssicherheit zu eigenverantwortlichem Handeln, "denn das
Handy gilt als Konzentrationskiller Nummer 1. Wer durch
Nebentätigkeiten abgelenkt wird, gefährdet andere Verkehrsteilnehmer
und auch sich selbst." Thann erinnert an das erhöhte Unfallrisiko
durch die potenzielle Ablenkungsgefahr:

- In Studien konnte nachgewiesen werden, dass visuelle und
akustische Reize der Umwelt um 60 Prozent stärker ausgeprägt sein
müssen, damit ein telefonierender Fahrer sie wahrnimmt.
- Handy am Ohr - blind für Fußgänger: Rund drei Viertel der
telefonierenden Lenker halten nicht vor Zebrastreifen an.
- Verlängerung der Reaktionszeit: Drei von vier Verkehrsunfällen mit
Handy sind Auffahrunfälle.
- Überforderung des Fahrers: Hektischer Fahrstil und deutlich mehr
Fahrfehler, Fehleinschätzungen und Sperrlinien-Überfahrungen als
bei telefonlosem Fahren.

Nur die Hälfte nutzt Freisprechanlage

Die Allmacht der Gesetze nützt allerdings nicht viel, wenn der
Bürger nicht will. Zur Zeit besitzt nur knapp die Hälfte der
Handynutzer eine Freisprechanlage. Und selbst die Besitzer einer
Freisprechanlage nutzen diese nicht konsequent. Pkw-Lenker neigen zur
Selbstüberschätzung. Das erhöhte Unfallrisiko ist ihnen durchaus
bewusst, gleichzeitig sind sie aber davon überzeugt, es durch
persönliche Geschicklichkeit kompensieren zu können. Eine Irrmeinung
angesichts der Unfallanalysen: Wer im Monat mehr als 50 Minuten
während der Fahrt telefoniert, hat ein fünfmal höheres Unfallrisiko
als Nicht-Telefonierer. Und auch die Nachwirkungen der Gespräche sind
nicht zu unterschätzen: Im Zeitraum von 15 Minuten nach Beendigung
eines Telefonates ist das Risiko um das Vierfache erhöht.

Experten empfehlen Mobilboxfunktion

"Damit Hände und Kopf frei bleiben für die Herausforderungen des
Straßenverkehrs bietet das Optimum an Sicherheit derzeit die
Mobilbox. Dabei ist auch die notwendige Erreichbarkeit stets
gewährleistet und Rückrufe können problemlos während einer Fahrpause
erledigt werden", so Thann. Derzeit ist die Verwendung der Mobilbox
allerdings noch gering: Nur 3,3% aller LenkerInnen, welche mit dem
Handy unterwegs sind, nehmen diesen Service auch tatsächlich in
Anspruch.

Telematik-Anwendungen als Lebensretter

Das Handy im Straßenverkehr sollte aber nicht pauschal verurteilt
werden. Schließlich leistet es einen wertvollen Beitrag, wenn im
Notfall rasch Hilfe geholt werden soll. "Die flächendeckende
Versorgung mit Mobilfunk hat schon heute in Notfällen positive
Auswirkungen, da die Zeitspanne bis zur Erstversorgung entscheidend
verkürzt werden kann. Steigerungen der Verkehrssicherheit durch
künftige Telematik-Anwendungen, aber auch durch userfreundliches
Design von einfachem Zubehör wie Freisprechanlagen können
insbesondere durch die enge Zusammenarbeit mit der Unfallforschung
und Institutionen wie dem Kuratorium für Verkehrssicherheit erreicht
werden", ist Mag. Thomas Barmüller, Geschäftsführer des Forum
Mobilkommunikation (FMK) überzeugt.

Neue Technologien lenken zusätzlich vom Verkehr ab

Zweifellos bringen die neuen Technologien auch Nutzen für den
Autofahrer, wie zum Beispiel eine schnellere Information über
Behinderung bei Unfällen und die dadurch optimierte Routenplanung,
Vermeidung unnötiger Fahrten durch verbesserte Logistik oder einer
Zielsteuerung mit Hilfe stets aktueller Straßen- und Verkehrsdaten,
die aus den unterschiedlichsten Quellen stammen können. Die Bedienung
dieser Technologien stellt die Benützer allerdings vor ernsthaft neue
Aufgaben. Die neuen Applikationen der Telematik sind oft komplex in
der Anwendung. Kommt dann das Lenken eines Kraftfahrzeuges hinzu,
kann der Fahrer schnell überfordert werden. Laut wissenschaftlichen
Studien kann sich das Unfallrisiko durch die neuen komplizierten
elektronischen "Hilfsmittel" nennenswert erhöhen. Das KfV appelliert
daher an alle Lenker, sich während der Fahrt auf das Wesentliche zu
konzentrieren und sich nicht durch Nebentätigkeiten, wie Telefonieren
- ablenken zu lassen.

* Bitte Sperrfrist beachten *

Rückfragehinweis: Kuratorium für Verkehrssicherheit
Pressestelle
Tel.: (01) 71 770/225
http://www.kfv.at

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