- 01.04.2000, 09:00:49
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Peter Stein bezeichnet Salzburger Festspiele als "Saustall", Mortier als "wortbrüchig" und besteht auf doppelter Gage=
Wien (OTS) - Salzburgs ehemaliger Schauspielchef Peter Stein, der
gerade für die Osterfestspiele Verdis "Simone Boccanegra" inszeniert,
denkt nicht an eine Rückkehr nach Salzburg: Gegenüber FORMAT nennt er
die Gründe: "Von einer Rückkehr zu den Salzburger Festspielen kann
keine Rede sein. Die Osterfestspiele stehen unter Abbados Leitung.
Mit ihm hatte ich nie Probleme. Aber alle diese Schweinereien, die
hier betrieben werden, interessieren mich nicht. Ich habe einen
Regievertrag mit den Osterfestspielen und den Sommerfestspielen.
Selbstverständlich bestehe ich darauf, daß beide Gagen ausbezahlt
werden, auch wenn ,Boccanegraë im Sommer nicht gezeigt wird. Und
sprechen Sie mich nicht auf diesen Belgier (Anm.: Mortier) an, sonst
werde ich ausfällig. Ursprünglich hätte die
,Boccanegraë-Wiederaufnahme im Sommer stattfinden sollen, dann wurde
sie auf 2001 verschoben, jetzt ist sie ganz geplatzt. Mit diesem
Saustall habe ich nichts zu tun."
Und Peter Stein über Peter Ruzicka, den nächsten künstlerischen
Direktor der Salzburger Festspiele: "Den Herrn kenne ich nicht. Wer
ist das? Ich kenne Jürgen Flimm (Anm.: künftiger Schauspielchef), das
ist ein guter Freund von mir. Der war vor einer Woche hier, hat mich
aber nicht aufgesucht, dementsprechend gehe ich davon aus, daß er
nicht sonderlich interessiert ist, mit mir zu sprechen. Aber ich
stehe im Gegensatz zu diesem Belgier zu meinem Wort. Das Salzburger
Festspielpublikum war immer sehr freundlich zu mir. Ich gehe
allerdings nicht davon aus, daß man ein so altes Schlachtroß wie mich
hier wieder mobilisieren will."
Und Peter Stein über die Kürzungen der Theaterbudgets: "Diese
Kürzungsmanie ist ein Wahnsinn, weil das deutschsprachige
Ensembletheater, das gerade von den Theaterleuten kaputtgemacht wird,
eine kulturelle Besonderheit ist. Die deutschen Regie-Interpreten
verhalten sich wie kleine Hündchen, die mit den Dichtern, den großen
Hunden, pinkeln gehen wollen und ihre Beine verkrampft nach oben
reißen. Wenn man das Theater zusätzlich durch Subventionskürzungen
zerstört, begeht man ein Verbrechen, das so groß ist wie den Wald
sterben zu lassen oder Wale auszurotten."
Rückfragenhinweis: FORMAT
Christopf Hirschmann, Tel.Nr. 217 55/6728
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