- 11.03.1997, 12:52:30
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22.000 für den Lech
WWF Präsidentin betont öffentliches Interesse
Innsbruck (OTS) - 22.000 Unterschriften für den Lech übergaben Dr.
Marga Hubinek, Stiftungsratspräsidentin des WWF Österreich und DI
Wolfgang Marsoner, Tiroler Repräsentant dieses Gremiums am Dienstag
an Landeshauptmann Dr. Wendelin Weingartner. Davor betonte die
ehemalige zweite Nationalratspräsidentin in einer Pressekonferenz,
daß spätestens mit den nunmehr vorliegenden negativen
Naturschutzgutachten der langfristigen Interessensabwägung eine
besondere Gewichtung zuzukommenn habe. "Langfristig heißt einerseits,
an unsere Kinder, Enkel und kommende Generationen zu denken, von
denen wir die Erde nur geliehen haben. Langfristig heißt aber auch,
die Entwicklungs-Chancen einer Region nicht aufgrund kurzfristiger
Interessen eines einzelnen Betriebes zu zerstören".
Hubinek, Präsidentin des höchsten WWF Gremiums in Österreich,
schöpft aus einem reichen Erfahrungsschatz. Schon in ihrer
politischen Laufbahn war sie in zahlreiche Kontroversen zwischen
kurzfristiger Ausbeutung von Natur und Schutzbemühungen involviert
gewesen. "Im Rückblick ist ganz klar, daß sich die Ausweisung von
Schutzgebieten nicht nur ökologisch sondern langfristig und sozial
und wirtschaftlich gelohnt hat", nennt Hubinek Beispiele wie das
Dorfertal, in dem sich vor allem die Frauen gegen ein Kraftwerk stark
gemacht hatten. Heute steht dort die gesamte Region hinter der
Bewahrung der Natur.
Ähnlich wie die Umbalfälle, heute eine der Attraktionen im
Nationalpark Hohe Tauern, sei das Bschlabertal Teil eines komplexen
Systems. Für die geplanten Kraftwerke würden nicht nur zwei Bauwerke
am Streimbach errichtet, sondern eine ganze Reihe von Seitenbächen
umgeleitet. Das Landschaftsbild eines Gebietes in der Größe der Stadt
Innsbruck wäre davon betroffen, die ökologischen Auswirkungen seien
kaum abzuschätzen, wie auch aus den Naturschutzgutachten hervorgeht.
Hubinek: "Eine Abwägung der langfristigen öffentlichen Interessen
kann daher nur zugunsten der Natur ausgehen".
Der Unternehmer und Tiroler Repräsentant des WWF Stiftungsrats, DI
Wolfgang Marsoner unterstreicht, daß auch wirtschaftlich gesehen
langfristige öffentliche Interessen für die Erhaltung des letzten
Wildflußsystems sprechen: "Mit naturnahem Tourismus und ökologisch
verträglicher Energieversorgung können Dauerarbeitsplätze geschaffen
und die Region nachhaltig wirtschaftlich belebt werden. Die
Errichtung von Kraftwerken schafft nur während der Errichtungszeit
Arbeitsplätze und sichert den betroffenen Gemeinden kein dauerhaftes
Einkommen. Das ist kein langfristiges öffentliches, sondern ein
kurzfristiges Interesse der EW-Reutte".
Die Stiftungsratsmitglieder des WWF appellieren daher dringend an
Landeshauptmann Weingartner, eine dahingehende Entscheidung zu
fällen, bevor sich der Konflikt zuspitzt und weitere Steuergelder für
Gutachten und Verfahren aufgewendet werden müssen. Sinnvoller sei es,
unterstützend in die nachhaltige Reionalentwicklung zu investieren.
Auch der Tiroler Landtag sei aufgefordert, in den nächsten beiden
Tagen dazu einen Beschluß zu fassen.
Mag. Christoph Walder, Leiter der WWF Landesorganisation Tirol
erinnert an die Antrittsrede von Landeshauptmann Weingartner. Darin
habe er in Sachen Natur unterstrichen, daß die Zeit des Verbrauchens
vorbei sei, neue Wege beschritten werden müssen. Walder:
"Landeshauptmann Weingartner ist nicht nur für die Tiroler
E-Wirtschaft verantwortlich, sondern vielmehr für die Erhaltung des
Naturerbes unserer Heimat - der WWF fordert daher heute sein
Versprechen ein".
Rückfragehinweis: WWF Tirol
Mag. Christoph Walder
Tel.: 0512/57 35 34-0
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