• 13.05.2011, 13:18:13
  • /
  • OTS0212 OTW0212

AKNÖ- Haneder: Arbeitsüberlastung bei Gesundheitsberufen alarmierend

Auch Minister Hundstorfer sagt in St. Pölten seine Unterstützung zu

v.l.n.r.
Präsident Ärztekammer Niederösterreich Dr. Reisner, Präsident Arbeiterkammer Niederösterreich Hermann Haneder, BM Rudolf Hundstorfer

St. Pölten (OTS/AKNÖ) - "Ohne die mehr als 40.000 Pflege- und
Betreuungskräfte und angestellte ÄrztInnen gibt es keine
funktionierende Gesundheitsversorgung in Niederösterreich. Deshalb
muss es bei der bereits unerträglich gewordenen Arbeitsbelastung im
Gesundheitswesen zu einer deutlichen Verbesserung kommen", forderte
AKNÖ-Präsident Hermann Haneder beim 1. Tages der NÖ-Gesundheitsberufe
heute, Freitag, in St. Pölten.

Beim 1. Tag der Gesundheitsberufe kam es zwischen Arbeiterkammer
Niederösterreich und der Ärztekammer für Niederösterreich zu einem
"historischen Schulterschluss", so die beiden Präsidenten Haneder und
Dr. Reisner. Beide Präsidenten unterzeichneten als Erste den "St.
Pöltner Appell", in dem eine deutliche Aufstockung des Personals,
planbare und verlässliche Arbeitszeiten, eine professionelle
Personalentwicklung und gesundheitsfördernde Arbeitsplätze gefordert
werden.

Sozialminister Hundstorfer unterstützt ÄrztInnen und
Gesundheits- und Sozialbetreuungsberufe

Minister Hundstorfer nahm als Zeichen der Unterstützung für die
Anliegen der Gesundheitsberufe den "St. Pöltener Appell" von den
Präsidenten Haneder und Reisner entgegen. Die Berufe müssen
attraktiver gestaltet werden, denn "in den nächsten 10 Jahren werden
wir in Österreich 18.000 zusätzliche Pflege- und
Sozialbetreuungskräfte brauchen". Zusätzlich werden 20.000 derzeit in
den Gesundheitsdiensten Beschäftigte in Pension gehen. Allein in der
Mobilen Pflege werden 60 Prozent mehr Pflegestunden angeboten werden
müssen. "Als ersten Schritt zu einer soliden Finanzierung wird der
Pflegefonds in Höhe von 685 Millionen Euro nächste Woche im
Ministerrat beschlossen", sagte der Sozialminister in St. Pölten.
Rudolf Hundstorfer sprach sich weiters dafür aus, die Gesundheits-
und Krankenpflegeschulen zumindest auf dem derzeitigen Stand zu
belassen und nicht Schulen aus betriebswirtschaftlichen Gründen, weil
sie einem Spital zugerechnet werden, zu schließen.
Das AMS wird weiterhin jährlich 5.000 Umschulungen zu Pflege- und
Sozialbetreuungsberufen anbieten. Vor allem für
AltenfachbetreuerInnen und PflegehelferInnen.

AK-Vizepräsidentin Adler: Die Arbeitgeber haben auf
Alarmzeichen nicht reagiert
"Die Arbeitgeber haben leider nicht auf die schlechten
Arbeitsbedingungen reagiert, die vor genau einem Jahr in einer großen
Studie festgestellt worden sind", sagte AKNÖ-Vizepräsidentin Brigitte
Adler. In den Gesundheitsberufen gab jede/r Fünfte an, "emotional
erschöpft" zu sein. Für 27 Prozent dauert ein Arbeitstag zwischen 12
und 14 Stunden. AKNÖ-Vizepräsidentin DGKS Brigitte Adler: "Diese
Alarmzeichen dürfen nicht übersehen werden. Wenn jetzt nicht
gegengesteuert wird, sehe ich die Qualität der Gesundheitsversorgung,
vor allem auch die Gesundheit der Beschäftigten, gefährdet."

Die Niederösterreichische Arbeiterkammer und die Ärztekammer NÖ
befragte rund 33.000 Beschäftigte in den Gesundheitsberufen
(Arztangestellte, PflegehelferInnen, Spitalsbedienstete und die
Beschäftigten in den mobilen Diensten) zu ihren Arbeitsbedingungen
und dem beruflichen und familiären Umfeld:

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie:
54 % der Beschäftigten arbeiten mehr als 8 Stunden,
27 % zwischen 12 und 14 Stunden, 2 % mehr als 14 Stunden pro
Arbeitstag.
Obwohl nur 1 % der Beschäftigten eine vertragliche Arbeitszeit von
mehr als 40 Stunden vereinbart haben, arbeitet jede/r Fünfte länger
als 40 Stunden pro Woche.
Jede/r Vierte möchte weniger Wochenstunden arbeiten.
22 % geben an, emotional erschöpft zu sein (Vorstufe zum Burn-out).
85 Prozent sind mit dem gewählten Beruf sehr zufrieden oder
zufrieden.

Jeder vierte neue Arbeitsplatz entsteht im Gesundheitswesen. Schon
jetzt gibt es in Österreich rund 6.000 nicht besetzte Stellen im
Pflegebereich. Um die nicht-ärztlichen Gesundheitsberufe attraktiver
zu machen, fordert die Niederösterreichische Arbeiterkammer:
1. Das Alarmsignal der vielen emotional Erschöpften muss gehört
werden. Die hohe emotionale Belastung muss durch gesundheitsfördernde
Arbeitsplätze dringend verringert werden.
2. Neue Berufsfelder erschließen: Die Mehrfachqualifikation der
Beschäftigten bietet beste Voraussetzungen, neue Berufsfelder in der
Gesundheitspflege (Gemeindeschwestern, Familiengesundheitsbetreuung
u. ä.) zu eröffnen.
3. Arbeitsverdichtung reduzieren. Die Patientenverweildauer ist
gesunken, die zunehmend alten PatientInnen sind multimorbid. Deshalb
braucht es eine einheitliche
Personalbedarfsrechnung und fehlendes Personal muss sofort
nachbesetzt werden.
4. Die Arbeitsplätze sind nach dem Arbeitnehmerschutzgesetz auch im
Hinblick auf psychische Belastungen zu evaluieren und auf mögliche
Verbesserungen zu prüfen. Hier liegt eine Bringschuld des
Dienstgebers vor.
5. Mit den Arbeitgebern gemeinsame Lösungen suchen: Die AKNÖ bietet
den Dienstgebern in Niederösterreich an, gemeinsam die
Arbeitsbedingungen in den Gesundheits- und Sozialdiensten zu
verbessern.

Die Zukunftsbranche Gesundheitswesen klagt bereits jetzt über
Nachwuchsmangel. AKNÖ-Vize Adler: "Wir steuern auf einen neuen
Pflegenotstand zu, wenn es nicht zu einer Verbesserung der
Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen kommt."

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at

Rückfragehinweis:
Dr. Bernhard Rupp, MBA, Abteilungsleiter Gesundheitswesen und ArbeitnehmerInnenschutz der AKNÖ. Tel. 05-7171-1272.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AKN

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel