• 04.05.2011, 12:53:25
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Journalistenworkshop der Initiative "Ganz im Leben - Österreichische Plattform für seelische und körperliche Gesundheit"

"Wechselwirkungen zwischen seelischer und körperlicher Gesundheit"

http://pressefotos.at/m.php?g=1&u=43&dir=201105&e=20110504_w&a=event
Im Bild v.l.n.r. Univ. Prof. Dr. Christoph Höller (Univ. Klinik für Dermatologie und Venerologie, Dermato-onkologische Ambulanz, AKH Wien), Prim. Univ. Prof. Dr. Christoph Stuppäck (Vorstand der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie I, Christian-Doppler-Klinik Salzburg), Univ. Prof. Dr. Bernhard Schwarz (Moderation, Zentrum Public Health, Medizinische Universität Wien) und Prim. Univ. Doz. Dr. Peter Fasching (Leiter der 5. Medizinischen Abteilung mit Rheumatologie, Stoffwechselerkrankungen und Rehabilitation, Wilhelminenspital der Stadt Wien; Österreichische Diabetes Gesellschaft)

Wien (OTS) - Längst bekannt und durch Studien belegt ist der
Umstand, dass Menschen mit psychischen Problemen auch verstärkt zu
körperlichen Erkrankungen neigen, beispielsweise Bluthochdruck,
Diabetes oder Adipositas. Ein beträchtlicher Teil der heimischen
Diabetes-Patienten leidet wiederum an einer Depression. Auch andere
Krankheiten wie Krebs oder Rheuma stellen extreme seelische
Belastungen für die Betroffenen dar, die auch unabhängig von der rein
körperlichen Erkrankung zu psychischen Beschwerden führen können. Im
medizinischen Alltag mangelt es nach wie vor an einer ganzheitlichen
Sichtweise und interdisziplinärer Zusammenarbeit. Im Rahmen eines
Journalistenworkshops diskutierten renommierte Experten verschiedener
Fachrichtungen über die wechselseitige Interaktion zwischen Körper
und Psyche. +++

Am 04. Mai fand in der Kommunikationsagentur Welldone ein
Journalistenworkshop zum Thema "Wechselwirkungen zwischen seelischer
und körperlicher Gesundheit" statt. Die Medienvertreter bekamen dabei
informative Vorträge zum aktuellen Forschungsstand präsentiert.
Weiters hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, mit den Experten aus
den Bereichen Psychiatrie, Innere Medizin, Dermato-Onkologie sowie
Sozialmedizin über Möglichkeiten einer differenzierten und
interdisziplinären Therapie in der Praxis zu diskutieren.

Psychische Erkrankungen: Gesundheitsökonomisches Problem

Univ.-Prof. Dr. Bernhard Schwarz, Sprecher der Initiative "Ganz im
Leben - Österreichische Plattform für seelische und körperliche
Gesundheit", fungierte als Moderator des Workshops und informierte
über die ökonomischen und volkswirtschaftlichen Auswirkungen von
psychischen Erkrankungen. "Psychomentale Leiden sind eine der
wesentlichsten Ursachen für Krankenstände und Arbeitsfehlzeiten. In
Industriestaaten ist davon auszugehen, dass etwa 30-40 Prozent aller
Krankenstandstage durch diese Diagnosegruppe verursacht werden. Sie
sind damit bereits ähnlich bedeutend wie muskulo-skeletale
Erkrankungen, beide Gruppen gemeinsam haben somit absolute Dominanz
in Bezug auf Leiden und Produktivitätsverluste im arbeitsfähigen
Alter." Und weiter: "Depressive Störungen führen zu erhöhten
Krankenstandszeiten, eingeschränkter Arbeitsfähigkeit und
Behinderung, frühzeitiger Pensionierung und erhöhter Suizidrate.
Psychiatrische Erkrankungen sind inzwischen zu einem Drittel die
Ursache für Frühpensionierungen." Hinzu komme, dass eine psychische
Erkrankung und das damit einhergehende ungünstige Krankheitsverhalten
die Therapie von möglichen körperlichen Symptomen erschwert, wodurch
Folgeerkrankungen und die damit verbundenen Kosten erst recht
begünstigt werden.

Depression: Verbindungen zu Morbus Parkinson, Bluthochdruck und
Herzinfarkt

Prim. Univ. Prof. Dr. Christoph Stuppäck, Vorstand der
Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie I an der
Christian-Doppler-Klinik Salzburg, referierte über das komplexe
Bedingungsgefüge zwischen psychischen und körperlichen Erkrankungen
aus psychiatrischer Sicht. "Heute gilt als unbestritten, dass
vielfältige Zusammenhänge zwischen physischen und psychischen
Prozessen bestehen. Dennoch gibt es Zusammenhänge, die uns Medizinern
erst langsam klar werden, die Mechanismen der Wechselwirkungen
zwischen Psyche und Körper sind nur teilweise entschlüsselt. Relativ
sicher ist eine Verbindung zwischen Depression und Morbus Parkinson.
Ganz aktuelle Forschungsergebnisse zeigen auch eine Interaktion
zwischen Hypertonie und Depression. Darüber hinaus gehend ergeben
rezente Studien, dass eine vorbestehende Depression möglicherweise
der klarste Prädikator für einen späteren Herzinfarkt ist", so Prim.
Univ. Prof. Dr. Christoph Stuppäck zum aktuellsten Forschungsstand.

Diabetes & Depression: Aufeinander abgestimmte Therapie notwendig!

Seit langem erkannt und auch bereits relativ gut belegt ist der
Zusammenhang zwischen Depressionen und Diabetes. "Verschiedenste
Studien kamen zu dem Ergebnis, dass Depressionen und Typ-2-Diabetes
oft wie Geschwisterpaare einhergehen, also viele depressive Personen
unter Diabetes leiden und umgekehrt Depressionen die Behandlung von
Diabetes erschweren. Depressionen erhöhen die Wahrscheinlichkeit,
nachfolgend an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken, um bis zu 37
Prozent. Das Therapieverhalten, die Blutzuckereinstellung und
langfristige Prognose des Diabetes werden durch eine Depression
ebenfalls negativ beeinflusst. Beim Typ-1-Diabetes gibt es auch eine
enge Verbindung zu psychischen Erkrankungen. Es gibt also sehr
komplexe Wechselwirkungen, die bei der Behandlung von Diabetikern zu
berücksichtigen sind", legte Prim. Univ. Prof. Dr. Peter Fasching,
Vorstand der 5. Medizinischen Abteilung mit Endokrinologie,
Rheumatologie und Akutgeriatrie am Wilhelminenspital der Stadt Wien,
die internistische Sichtweise dar.

Während Diabetes im Anfangsstadium lange Zeit symptomfrei verläuft
und somit oft spät diagnostiziert wird, kommt es bei Rheuma bzw.
rheumatoider Arthritis häufig bereits in den ersten Jahren der
Erkrankung zu einschneidenden sozialen Veränderungen wie
eingeschränkter Mobilität sowie einer meist damit verbundenen
Veränderung des beruflichen Status. Die systemische
Autoimmunerkrankung verläuft bei einem Großteil der Betroffenen
chronisch. Das ständige Leben mit Schmerzen mindert die
Lebensqualität erheblich: "Psychische Symptome bzw. Erkrankungen sind
eine verbreitete Begleit- oder Folgeerscheinung von Rheuma und hängen
meist mit dem Krankheitsverlauf oder chronischen Schmerzen zusammen",
hielt Prof. Dr. Peter Fasching fest.

Krebs: Häufig psychische Beeinträchtigungen auf die schwerwiegende
Diagnose

Kaum eine Diagnose ist so niederschmetternd und belastend wie
Krebs. An Krebs erkrankte Personen sind mit schweren Belastungen
konfrontiert, trotz teilweise guter Heilungschancen wird Krebs mit
Vorstellungen von Tod und Sterben verbunden. "In sehr vielen Fällen
entwickelt sich eine depressive Störung als Reaktion auf eine
körperliche Erkrankung. Als typische Beispiele gelten Tumor-,
Herzinfarkt-, Diabetes- sowie Schmerzpatienten, die als Reaktion auf
eine schwerwiegende Diagnose und in Anbetracht einer dauerhaft
notwendigen Therapie depressive Syndrome entwickeln.
Krebserkrankungen sind daher relativ häufig mit Depressionen
verbunden", bestätigte auch Prim. Univ. Prof. Dr. Christoph Stuppäck.
Hautkrebs zählt zu jenen Krebsarten, die im Steigen begriffen sind.
Man unterscheidet den weißen Hautkrebs, Basaliome und
Plattenepithelkarzinome der Haut, vom schwarzen Hautkrebs, dem
Melanom. Der weiße Hautkrebs ist die häufigste bösartige
Tumorerkrankung in Ländern mit hellhäutiger Bevölkerung. Das Melanom
tritt im Gegensatz zum weißen Hautkrebs zwar seltener auf, ist aber
durch eine hohe Tendenz zur Absiedelung in andere Bereiche des
Körpers gekennzeichnet. "Die Belastung der Hautkrebs-Patienten durch
die Erkrankung aber auch durch Nebenwirkungen von Therapien ist
natürlich groß und bedarf einer guten Gesprächsbasis zwischen Arzt
und Patient als auch einer professionellen psychologischen Betreuung.
Beides kann die Lebensqualität der Patienten wesentlich
beeinflussen", erläuterte Univ. Prof. Dr. Christoph Höller von der
Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie der Medizinischen
Universität Wien.

In der Medizin ist der Umstand, dass sich physische und psychische
Beschwerden gegenseitig bedingen und beeinflussen können, von allen
Disziplinen akzeptiert. Im Praxisalltag herrsche aber nach wie vor
eine isolierte Betrachtung dieser Problematik, eine ganzheitliche und
disziplinenübergreifende Diagnose werde nur selten gestellt. Es
erfordere daher einen Umdenkprozess und verstärkte Anstrengungen, wie
dem Zusammenhang von körperlichen und seelischen Erkrankungen mehr
Aufmerksamkeit beigemessen werden kann. Eine ganzheitliche
Betrachtung von mentaler und physischer Gesundheit ist daher
sicherzustellen, so die Diskutanten abschließend.

Über "Ganz im Leben - Österreichische Plattform für seelische und
körperliche Gesundheit":

Im Jahr 2008 wurde die Initiative "Mental & Physical Health" auf
europäischer Ebene gegründet. Hauptziel der Initiative ist es, Wege
zu mehr Bewusstsein für den Zusammenhang von psychischer Krankheit
und körperlicher Gesundheit einzuschlagen und eine ganzheitliche
Betrachtung des Themas zu erwirken. Dadurch soll auch die
interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Psychiatern, Internisten
und Allgemeinmedizinern gefördert werden. In Österreich trägt die
Initiative den Titel "Ganz im Leben. Österreichische Plattform für
seelische und körperliche Gesundheit". Die Initiative soll dazu
beitragen, das österreichische Gesundheitssystem stärker an den
Bedürfnissen einer ganzheitlichen Betrachtung von mentaler und
physischer Gesundheit auszurichten und die Interdisziplinarität zu
fördern. Die Forcierung der öffentlichen Diskussion des Themas sowie
die Information der Ärzte, Apotheker und natürlich der Bevölkerung
unter dem Motto "Gemeinsam Bewusstsein schaffen" sind wichtige
Maßnahmen der Initiative. Zusätzliche Informationen stehen auf
www.ganzimleben.at zur Verfügung.

Der Pressetext, die Statements der Referenten und Informationen
zur Initiative "Ganz im Leben" stehen im Pressebereich unserer
Website als Download zur Verfügung: www.welldone.at

Weitere Bilder unter:
http://pressefotos.at/m.php?g=1&u=43&dir=201105&e=20110504_w&a=event

Die in diesem Pressetext verwendeten Personen- und
Berufsbezeichnungen treten der besseren Lesbarkeit halber nur in
einer Form auf, sind aber natürlich gleichwertig auf beide
Geschlechter bezogen.

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at

Rückfragehinweis:
Welldone GmbH, Werbung und PR
Mag. Elisabeth Kranawetvogel | Mag. Sabine Sommer | Mag. Nina Bennett | Public Relations
Lazarettgasse 19/4. OG, 1090 Wien
Tel.: 01/402 13 41-40 bzw. 12 | E-Mail: [email protected]

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