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Tourismuswirtschaft

TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Bangen um die nächste Saison", Ausgabe vom 26. Juli 2021 von Anita Heubacher.

Innsbruck (OTS) - Der Sommer ist die Zeit, wo für den Wintertourismus gebaut wird. Dieses Mal werden Landes- und Bundespolitik mehr Mut in der Covid-Frage brauchen. Das Geld, um die Branche ruhig zu halten, haben wir nicht mehr.

Die Tiroler Landesregierung wollte in die Ferne denken. Zumindest zeitlich. Wohin die Reise in Tirols Tourismus geht, wurde im Rahmen einer Perspektivenwoche abgehandelt. Neu war, dass, sehr zum Ärgernis der Branche, ausgerechnet ein Nicht-Touristiker, nämlich Ex-EU-Agrarkommissar Franz Fischler, den Dialog führte. Ansonsten produzierten die „üblichen Verdächtigen“ viele Ideen und viel Papier.

Vielen Touristikern dürfte nach dem Totalausfall der Wintersaison ohnehin der Nerv fehlen, in die ferne Zukunft zu sehen. Zu sehr drängt die Frage, wie sich die nahe Zukunft, sprich die nächste Wintersaison, gestalten lässt. Macht es Österreich wieder gleich, kann die heimische Branche zusehen, wie in der Schweiz Geld verdient wird. Dort standen vielerorts die Hotels offen und die Bahnen waren in Betrieb. In Sachen Pandemie stand am Ende die Schweiz vergleichbar mit Österreich da.
Der Wintertourismus wurde zum politischen Spielball zwischen Wien und Tirol. Anders ließen sich medizinisch höchst umstrittene Maßnahmen wie FFP2-Maske beim Skifahren oder kein Take-away am Berg nicht mehr erklären. Dass die Kluft zwischen Ost und West größer statt kleiner wurde, war auch Tirolern – in dem Fall braucht man nicht zu gendern – und deren schauderhafter Kommunikation zu verdanken. Selbst die für Kommunikation bezahlte und neu aufgestellte Tirol Werbung schaffte es in keine wesentliche deutsche oder österreichische Talkshow, um dagegenzuhalten, als das Land wochenlang genüsslich zerrissen wurde. Ein guter Teil des Schadens war also hausgemacht und den großen Rest bescherte uns Deutschland mit seinen Ausreisebeschränkungen. Diesen Winter wird die österreichische Bundesregierung in vielerlei Hinsicht mehr Mut brauchen. Das Geld, um die Branche am Leben und ruhig zu halten oder ihr in manchen Fällen die beste Saison aller Zeiten zu bescheren, indem man ihr den Umsatz und nicht den Gewinn rückerstattet, haben wir nicht mehr.
Türkis-Grün wird also mehr Mut brauchen und könnte bereits jetzt für Planbarkeit sorgen. Bundeskanzler Sebastian Kurz will richtigerweise sein Augenmerk mehr auf die Gefährlichkeit des Virus legen und nicht mehr primär auf dessen vermeintliche Verbreitung schauen. Hospitalisierungsrate statt Sieben-Tage-Inzidenz. Letztes Jahr hatte Österreich das deutsche Dogma übernommen und wurde zum Passagier. Heuer könnte Österreich zumindest einen eigenen Weg gehen.

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