OTS0081 5 AI 0427 IDC0001 CI Mo, 22.Feb 2021
Migration / Integration / Studie / Afghanistan / Asyl

Von Österreich nach Afghanistan

VIDC präsentiert erste Studie über Abgeschobene von Österreich nach Afghanistan. Nächste Abschiebungen für morgen geplant.

Wien (OTS) - Allen menschenrechtlichen Bedenken zum Trotz: Am 23. Februar soll die nächste Sammelabschiebung von abgelehnten Asylwerber*innen aus Österreich nach Afghanistan über die Bühne gehen. Das VIDC ging wegen solcher Rückführungen in einer Studie der Frage nach, wie es den Abgeschobenen aus Österreich nach ihrer Rückkehr ergeht. Dafür wurden in Afghanistan 16 Männer befragt.

Die Ergebnisse der Interviews verdeutlichen, dass die Abschiebungen nach Afghanistan wegen zunehmender Gewalt, wirtschaftlicher Not, dem Verlust von sozialen Netzwerken und wegen Stigmatisierung ausgesetzt werden sollten.

1. Zunehmendes Ausmaß an Gewalt

Die sich verschlechternde Sicherheitslage im Land, mit einer steigenden Anzahl an Toten und Verletzten, wird als Hauptgrund angeführt, warum die Abgeschobenen erwägen, Afghanistan wieder zu verlassen. Dazu zählen nicht nur Selbstmordattentate: „Man kann für Lösegeld entführt oder sogar getötet werden, wenn man kein Geld hat. Jetzt habe ich Angst vor den Haftbomben, die die Taliban an dein Auto kleben." (Siawash)

2. Große wirtschaftliche Herausforderungen

Seit dem Abzug der US-geführten internationalen Truppen aus Afghanistan Ende 2014 haben Tausende Afghan*innen ihre Arbeit verloren. Die Rückkehrer*innen reihen sich in die große Zahl der Armen im Land und kämpfen um ein stabiles Einkommen sowie den Zugang zu sozialen Diensten: „Die wirtschaftliche Not ist die schwierigste Herausforderung nach der Abschiebung. Wer aus Österreich, Deutschland und anderen europäischen Ländern abgeschoben wird, der wird wegen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten verrückt.“ (Babur)

3. Verlust des sozialen Netzwerks und Stigmatisierung

Viele der Abgeschobenen haben nicht mehr das gleiche soziale Netzwerk wie früher, da ihre Freund*innen oder Verwandten getötet oder von ihrem Land vertrieben wurden. Dazu kommt die Stigmatisierung durch die Gesellschaft und die Familie: „Es ist eine große Schande, aus Österreich abgeschoben zu werden. Mein Bruder arbeitet im Iran und schickt immer wieder Geld an seine fünf Kinder und seine Frau. Aber schauen Sie mich an! Ich bin ein Nichts.“ (Babur)

Die Zukunft in Afghanistan bleibt für alle Interviewpartner ungewiss. Daher sollten Abschiebungen nach Afghanistan bis auf weiteres ausgesetzt werden: „Die österreichischen Behörden sollten kommen und die Situation in Afghanistan mit ihren eigenen Augen sehen. Bevor sie nicht den Schmerz der Abschiebung spüren, können sie es nicht verstehen.“ (Asad)

Der ausführliche Bericht sowie eine Zusammenfassung auf Deutsch sind ab 22. Februar auf der Website des VIDC (www.vidc.org) abrufbar. Der Studienautor Dr. Ali Ahmad steht bei Interesse für ein Interview zur Verfügung.

Anmerkung: Die Namen der Interviewpartner wurden vom VIDC geändert.

Rückfragen & Kontakt:

VIDC - Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation
Michael Fanizadeh, Tel. 0660 4167686, Email: fanizadeh@vidc.org

***OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT***

OTS0081 2021-02-22/12:05