OTS0004 5 II 0412 OHW0001 CI Fr, 09.Okt 2020
Menschenrechte / NGOs / Minderheiten / Veranstaltung / Kärnten

Demonstration: 10. Oktober – kein Grund zu feiern!

Gegen die deutschnationalen Feierlichkeiten zu 100 Jahre Volksabstimmung

Klagenfurt/Celovec (OTS) - Am 10. Oktober 2020 jährt sich die Kärntner „Volksabstimmung” zum 100. Mal. Der Grenzkonflikt nach dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie wird in der deutschnationalen Kärntner Geschichtserzählung als „Abwehrkampf gegen den slawischen Aggressor“ mystifiziert, den man für die „großdeutsche Zukunft“ führen wollte. Somit wurde mit der „Kärntner Einheit“ eine deutsche Volksgemeinschaft etabliert, die notwendigerweise mit Ausschluss, Vertreibung und einer Germanisierungspolitik gegen die slowenischsprachige Minderheit einherging. Den Höhepunkt erreichte dieses völkische Projekt in der Deportation von 917 slowenischsprachigen Menschen in deutsche Arbeitslager während des Nationalsozialismus, der den 10. Oktober erstmals zum Landesfeiertag erklärte. Und auch nach dem Nationalsozialismus galten die Feiern zum 10. Oktober als Höhepunkte deutschnationaler Mobilisierungen

“Wir werden am 10. Oktober in Klagenfurt/Celovec auf die Straße gehen, um dieser deutschnationalen Geschichtserzählung eine antifaschistische Perspektive entgegenzusetzen. Denn diese nationale Inszenierung dient bis heute der Ausgrenzung und Abwertung der slowenischsprachigen Minderheit. Dazu wird die Demonstration vom Hauptbahnhof aus an verschiedenben geschichtsrevisionistischen Denkmälern und historischen Orten vorbeiziehen”, so Samuel Trap vom KDZ (Koroška dijaška zveza / Organisation der kärntnerslowenischen Schüler*innen)

Es sind auch fast ausschließlich deutschnationale bis rechtsextreme Organisationen, deren Tafeln die „Stätte der Kärntner Einheit“ im Klagenfurter Landhaushof, dem Sitz des Kärntner Landtags, "zieren": Neben der Tafel des Kärntner Abwehrkämpferbundes finden sich dort auch jene der Ulrichsberggemeinschaft oder des Kärntner Heimatdienstes. “Es ist bezeichnend und erschreckend zugleich, dass dieser zentrale Gedenkort in dieser Form im Jahr 2020 existiert. Dies bringt erneut den deutschnationalen und minderheitenfeindlichen Charakter der Landesfeierlichkeiten zum Ausdruck”, so Clara Sedlak von der Plattform Radikale Linke, die die
sofortige Entfernung der “Stätte der Kärntner Einheit” fordert

Dass die öffentliche Erinnerung in Kärnten einen großen Bogen um den Nationalsozialismus macht und über die eigenen Verbrechen schweigt, ist nur folgerichtig. Denn der sogenannte „Abwehrkampf" dient als Code, mit dem auf den Nationalsozialismus, oder zumindest seinen politischen Anfängen, positiv Bezug genommen werden kann. “Dieser Zusammenhang wurde auch öfters bei den Gedenkfeierlichkeiten sichtbar, wenn beispielsweise „Abwehrkämpfer“ mit SS-Sprüchen auf den Fahnen auftauchen. Oder wenn wie dieses Jahr dem glühenden Nazi Hans Steinacher ein Denkmal gesetzt wird. Das ist nur mehr skandalös und beschämend, “ so Anika List vom Klub slowenischer Student*innen in Wien abschließend

Demonstration: 10. Oktober, 13 Uhr Hauptbahnhof Klagenfurt/Celovec

Unterstützende Gruppen und Initiativen:
Plattform Radikale Linke
KSŠŠD - Klub slovenskih študentk in študentov na Dunaju
KSŠŠK - Klub slovenskih študentkov in študentov na Koroškem
KDZ - Koroška dijaška zveza
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