OTS0165 5 CI 0725 GLL0001 XI Do, 18.Jun 2020
Umwelt / Natur / Wissenschaft / Wien / Artenvielfalt

Raupentag – Kinder der Schmetterlinge sind wichtig für Ökosysteme

GLOBAL 2000 und die Wiener Umweltanwaltschaft veranstalten den allerersten österreichischen Raupentag

Heute wurde auf der Schmetterlingswiese im Wiener Donaupark der allererste österreichische Raupentag gefeiert. Einen Tag vor dem Tag der Artenvielfalt wollen die Wiener Umweltanwaltschaft (WUA) und die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 auf die wichtige ökologische Bedeutung der Schmetterlingsraupen aufmerksam machen. Denn obwohl Raupen eine wichtige Rolle fürs Ökosystem spielen, werden sie fälschlicher Weise häufig als Schädlinge betrachtet und mit Pestiziden bekämpft. Anlässlich des Raupentags wurde heute auch ein Raupenplakat präsentiert, welches verschiedene Arten und deren Wichtigkeit für die Natur aufzeigt sowie Anleitungen zum Raupenschutz gibt.

Wer den Schmetterling liebt, der schützt die Raupen
In Österreich sind mehr als die Hälfte aller Tagfalter und ca. 40% aller Nachtfalter gefährdet. „Um die gefährdeten Schmetterlinge zu schützen, müssen deren Raupen geschützt werden und genau um darauf aufmerksam zu machen, wurde der Raupentag ins Leben gerufen“, erklärt Dominik Linhard, Biologe bei GLOBAL 2000. Die Gefährdungsursachen sind vielfältig und reichen von der intensiven Nutzung der Wiesen und Wälder, über hohen Düngemittel- und Pestizideinsatz, bis zur nächtlichen Lichtverschmutzung. Die Umweltschutzorganisation fordert deshalb einerseits von der Bundesregierung einen konkreten und umfassenden Aktionsplan für den Artenschutz in Österreich und ruft andererseits mit ihrer aktuellen Initiative „Nationalpark Garten“ zu mehr Artenvielfalt in Hausgärten auf.

Ein „Schädling als Hero“ - Schmetterlingsraupen als Nützlinge
Distelfalter, Tagpfauenauge, Kaisermantel und die vielen anderen bunten Schmetterlinge erfreuen sich größter Beliebtheit. Doch wenn es um den Nachwuchs der Falter geht, also um die Schmetterlingsraupen, dann ist rasch Schluss mit der Sympathie. „Raupen gelten in der Landwirtschaft sowie im Hausgarten als gemeine Schädlinge und werden deshalb mit tonnenweise Gift in Form von Pestiziden bekämpft. Dabei beschränken sich die Schädlinge auf vergleichsweise wenige Arten und die meisten Raupen verursachen keine ernstzunehmenden Schäden. Ganz im Gegenteil, viele Raupen leisten wertvolle Beiträge für die Instandhaltung unserer Ökosysteme und sind deshalb ganz wichtige Nützlinge“, erklärt Linhard. „So wichtig viele Falter als Bestäuber sind, so wichtig sind Raupen als Zersetzer und somit als Antreiber ökologischer Kreisläufe. Grüne Pflanzenteile, Früchte, Holz, Pilze, ja sogar Tierhäute werden von Schmetterlingsraupen gefressen, verdaut und dann als natürlicher Dünger wieder ausgeschieden“, so Linhard weiter.

Wichtige Lebensräume schützen und vermehren
Wenn die Rahmenbedingungen für nur einen Entwicklungsschritt der Schmetterlinge nicht gegeben sind (wie zum Beispiel für die Überwinterung von Eiern, Raupen, Puppen oder Faltern), so können sich die Schmetterlinge nicht mehr vermehren und verschwinden aus einer Fläche, einem Gebiet oder einer ganzen Region. „Wenn Flächen so gepflegt werden, dass eine Vielfalt an Lebensräumen entsteht, kann man aktiv viele Insekten unterstützen. Ganz besonders gilt das für Schmetterlinge mit ihren unterschiedlichen Ansprüchen in ihren verschiedenen Lebensstadien vom Ei über die Raupe und Puppe bis zum Schmetterling“, hält Andrea Schnattinger, Biologin und Wiener Umweltanwältin, fest. „Die Schmetterlingswiese in Wien, ist ein gutes Beispiel, wie Grünflächen ökologisch entwickelt werden können, um der Vielfalt an heimischen Raupen und Schmetterlingen auch in Städten ein zu Hause zu geben.“. Alle Entwicklungsstadien von Schmetterlingen zu fördern ist auch deshalb so wichtig, weil Raupen eine hochwertige Nahrung für viele andere Tiere sind. Ein Schmetterlingsweibchen legt hunderte bis tausende Eier. Von den daraus schlüpfenden Raupen entwickelt sich nur ein kleiner Bruchteil zu Faltern. Die allermeisten werden gefressen. Besonders die Aufzucht vieler Jungvögel ist ohne Raupen unmöglich. Der Rückgang der Vögel steht also auch im Zusammenhang mit dem Rückgang der Raupen und Schmetterlinge. Aber auch viele Reptilien, Igel, Kleinsäuger und Amphibien ernähren sich zum Teil von Raupen.

Ein wichtiges Werkzeug, dass in den letzten Jahren wesentlich zum Schutz der Schmetterlinge in Österreich beigetragen hat, ist die App "Schmetterlinge Österreichs" von GLOBAL 2000 und der Stiftung Blühendes Österreich wurde nun ebenfalls um den Artenreichtum der Schmetterlingsraupen erweitert. Alle Infos dazu finden Sie HIER.

Das Raupenplakat kann HIER bestellt werden und steht auch auf den Webseiten von GLOBAL 2000 und der Wiener Umweltanwaltschaft zum Download bereit.

Fotos vom Presseevent und den Raupen finden Sie HIER.

Weitere Infos über das Artensterben der Schmetterlinge und Insekten in Österreich finden Sie im Schmetterlingsreport und im Insektenatlas.

„Natur ist genau meins. Tipps für meine persönliche Grünoase“

Rückfragen & Kontakt:

Viktoria Auer, Presseabteilung GLOBAL 2000, viktoria.auer@global2000.at, 0699 142000 82
Dominik Linhard, Biologe bei GLOBAL 2000, dominik.linhard@global2000.at, 0699 142000 21
Andrea Schnattinger, Wiener Umweltanwältin, post@wua.wien.gv.at, 0676811888981
Iris Tichelmann, Wiener Umweltanwaltschaft, iris.tichelmann@wien.gv.at,
06768118 88989

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