OTS0061 5 CI 1050 GKR0002 Fr, 21.Feb 2020
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„Alltagsheld*innen – die Beratungsmesse für Alleinerziehende der Grünen Wien am 22. Februar

Wien (OTS) - Am 22. März findet in Wien die Beratungsmesse für Alleinerzieher*innen, veranstaltet von den Grünen Frauen Wien und der Bildungswerkstatt Wien statt. Erstmalig gibt es eine Info-Messe, die sich ausschließlich auf die Bedürfnisse von Alleinerzieher*innen konzentriert. „Wir bieten Alleinerziehenden One-Stop-Shop Beratung einen ganzen Tag lang, inklusive Kinderbetreuung. Statt zeitaufwendigem Herumlaufen von Amt zu Amt gibt es punktgenaue Information zu Arbeit- und Wiedereinstieg, Rechtsfragen, Wohnen, Kinderbetreuung etc. an einem Ort. Das spart nicht nur Zeit und Nerven, sondern bringt Empowerment für gute Entscheidungen“, so die Frauensprecherin der Grünen Wien, Barbara Huemer.

„Wir wollen mit dieser Messe die Gruppe der Alleinerziehenden ins Licht rücken und ihre Bedürfnisse ernst nehmen. Diese Messe ist ein Novum. Ich freue mich, dass sie stattfindet und vor Ort so viele Einrichtungen professionelle Beratung anbieten“, so Huemer.

Mit dem Titel „Alltagsheld*innen“ für die Beratungsmesse verweisen wir auf die nicht immer leicht zu bewältigenden Lebensrealitäten der Alleinerziehenden. Obwohl es in Wien fast 50.000 Alleinerziehende gibt, werden die spezifischen Herausforderungen von Ein-Eltern-Familien selten öffentlich diskutiert. „Damit werden Alleinerziehende mit ihren Problemen weitgehend alleine gelassen. Alleinerziehende können weder Verantwortung noch Arbeit auf jemanden anderen übertragen. Die emotionale, finanzielle wie auch zeitliche Belastung ist extrem hoch. Um es den Kindern an nichts fehlen zu lassen und damit alles funktioniert, stecken Alleinerziehende oft ihre eigenen Bedürfnisse zurück. Es ist daher wichtig, dass politische Entscheidungen die Lebensrealität von Alleinerziehenden stärker in den Blick nehmen, Armutsfallen schließen und Erleichterungen schaffen“, so Huemer.

Alltagsheld*in sein bedeutet, dass primär Frauen täglich und rund um die Uhr und das für viele Jahre für das Familienmanagement sorgen und die Bewältigung gesellschaftlich verursachter Barrieren alleine schaffen (müssen). Es sind die Alleinerziehenden, die täglich Spitzenleistungen vollbringen. Aber anders als in sogenannten Exzellenzfeldern bleiben ihre Leistungen ungefeiert, unberdankt und unbezahlt. Sie werden als selbstverständlich wahrgenommen.

"Aus frauenpolitischer Sicht müssen sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, beispielsweise bei den Arbeitszeiten, der Bezahlung von Arbeit, der Wohnungspolitik ändern, damit unabhängig von der Familienform alle Frauen gleichberechtigt und selbstbestimmt ihr Leben gestalten können", so Huemer.

Besonders dringender Handlungsbedarf liegt in der Armutsbekämpfung von Alleinerziehenden und ihren Kindern. „Alleinerzieherinnen haben ein überdurchschnittlich hohes Armutsrisiko. Präventivmaßnahmen wie den Ausbau der ganztägigen Schule und Kinderbetreuung zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und Equal Pay-Maßnahmen sind ebenso notwendig wie eine gute Kindermindestsicherung und die Schaffung von leistbarem Wohnraum“, betont Huemer.

Im Rahmen der Messe findet eine Diskussion zum Thema Kinderarmut und Armutsgefährdung von AlleinerzieherInnen statt. Es ist wichtig, öffentlich über Armut zu reden, um das Thema zu enttabuisieren und klar zu machen, dass dahinter nicht individuelles Fehl- und Schuldverhalten steht, sondern strukturelle Probleme und Verteilungsungleichheit, die das Leben der Menschen erschweren. Es ist eine gesamtgesellschaftliche und vor allem politische Aufgabe, Armutsprävention zu betreiben. Alleinerziehende und ihre Kinder brauchen ein Recht auf existenzsichernde Einkommen und Unterstützung und keine Almosen. Der Ansatz von Sozialminister Rudolf Anschober, die Kinderarmut zu halbieren, geht genau in die richtige Richtung.

Anzahl der Ein-Eltern-Familien in Wien

In Wien gibt es 30.100 Ein-Eltern-Familien mit Kindern unter 15 Jahren. Der Mütteranteil beträgt 89 Prozent (26.900). Wird das Alter der Kinder auf 25 Jahre gesetzt, so sind es 48.900 Ein-Eltern-Familien. Insgesamt zählt die Statistik Austria für Wien 81.900 Ein-Eltern-Familien. Laut Definition wird ein Kind als Kind gezählt, solange es ohne eigenen Partner und ohne eigenes Kind im Haushalt lebt – ohne Alterseinschränkung. (Quelle: Statistik Austria, Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung 2018)

Nach Haushalten betrachtet gibt es in Wien 13 Prozent Ein-Eltern-Haushalte. Der Frauenanteil untern den Ein-Eltern-Haushalten beträgt 85 Prozent, der Männeranteil 15 Prozent.

Erwerbsarbeit und Einkommen von Alleinerzieherinnen

Alleinerzieherinnen sind nicht nur häufiger erwerbstätig, sondern im Durchschnitt auch in einem höheren Stundenausmaß als Mütter, die mit einem Partner zusammenleben. Die Erwerbstätigenquote (nach ILO) von Müttern in Ein-Eltern-Familien beträgt 73,4 Prozent, während sie für Frauen allgemein nur bei 68,6 Prozent liegt. Väter in Ein-Eltern-Familien weisen eine Erwerbstätigenquote (ILO) von 76,7 Prozent auf und unterscheiden sich damit kaum von Männern allgemein, die eine Erwerbsquote von 77,4 Prozent aufweisen.

Die Teilzeitquote bei Alleinerzieherinnen in Wien liegt laut Wiener Gleichstellungsmonitor (2016) bei 43 Prozent (Durchschnitt Frauen: 42 Prozent), bei Alleinerziehern bei 16 Prozent (Durchschnitt Männer: 18%). Für den Umfang der Erwerbsbeteiligung spielt generell das Alter der Kinder eine wesentliche Rolle. Wesentlich ist auch, ob flexible, leistbare und auch verlässliche Kinderbetreuung vorhanden ist.

Das Haushaltseinkommen liegt in Österreich 2018 bei Ein-Eltern-Haushalten bei durchschnittlich 30.753 EUR und damit weit unter dem Durchschnitt von 43.068 EUR. (Statistik Austria)

Armutsrisiko

Trotz insgesamt höherer Erwerbsarbeitsbeteiligung als der Durchschnitt der Frauen haben Alleinerzieherinnen ein deutlich erhöhtes Armutsrisiko. Die Armutsgefährdung liegt bei Ein-Eltern-Haushalten in Wien bei 34 Prozent und liegt damit weit über dem Durchschnitt von 19 Prozent. Die Ein-Eltern-Haushalte haben von allen Haushaltstypen die zweithöchste Armutsgefährdung, nur Familien mit 3 Kindern sind mit 40 Prozent noch stärker armutsgefährdet. (Quelle: Wiener Gleichstellungsmonitor 2016)

Alleinerziehende Väter liegen beim Armutsrisiko im Durchschnittswert. Der Grund dafür ist, dass alleinerziehende Väter nur selten Kleinstkinder im Vorkindergartenalter betreuen und in einem höheren Ausmaß als alleinerziehende Mütter Vollzeit erwerbstätig sind. Außerdem spielen auch die geschlechtsspezifischen Einkommensunterschieden zwischen Frauen und Männern eine Rolle bei der ökonomischen Absicherung.

Wohnsituation

In ökonomisch angespannten Situationen und bei geringem Einkommen ist der Zugang zu leistbarem Wohnraum für Alleinerziehende von besonders großer Bedeutung. Soziale Teilhabe setzt eine sichere Wohnversorgung voraus. Im kommunalen/geförderten Sektor wohnen 72 Prozent der Wiener Alleinerzieherinnen. Alleinerziehende haben deutlich seltener ein Eigenheim oder eine Eigentumswohnung als andere Familienformen. Die Hälfte der alleinerziehenden Frauen muss mit einer Belastungsquote (Anteil des Wohnaufwandes an dem Nettohaushaltseinkommen) von mehr als 27 Prozent rechnen; das am stärksten belastete Viertel der Frauenhaushalte ist mit mehr als 38 Prozent Belastungsquote konfrontiert.

Wohnbeihilfen spielen bei Alleinerziehenden ebenfalls eine größere Rolle als im Schnitt. 20 Prozent der Wiener Wohnbeihilfen gehen an Alleinerzieherinnen. 34 Prozent der Alleinerziehenden leben in einer Gemeindewohnung (Wien gesamt 25%).

„Ich möchte mich bei den teilnehmenden Organisationen ganz herzlich bedanken. Ein spezielles Dankeschön geht an die Ideengeberin Ajla Lubic, sowie an Andrea Czack für ihren unermüdlichen organisatorischen Einsatz. So ein großes Projekt können die Grünen Frauen Wien nur stemmen, weil viele ehrenamtlich tätige Frauen gemeinsam seit Monaten an der Umsetzung arbeiten. Viele sind selbst Alleinerziehende und kennen daher die Probleme und Bedürfnisse bestens. Ihre Erfahrungen fließen direkt in die Konzeption der Messe ein“, so Huemer abschließend.

Alle Infos zur Messe gibts auf der Facebook-Veranstaltung https://www.facebook.com/events/626364724801663/

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