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Fernsehen / Medien / ORF / Universum

„Geheimnisvolle Eichhörnchen“: „Universum“ auf der Suche nach den quirligen Baumtänzern

Am 2. Oktober um 20.15 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Kaum sind sie da, sind sie auch schon wieder weg:
Eichhörnchen, die quirligen Baumtänzer unserer Wälder, sichtbar und unsichtbar zugleich. Wer freut sich nicht, sie zu beobachten? Und was wäre der Wald, was wären viele Kinderbücher ohne die herzigen, manchmal auch frechen Eichkätzchen? Für das neue Österreich-„Universum“ „Geheimnisvolle Eichhörnchen“ – zu sehen am Dienstag, dem 2. Oktober 2018, um 20.15 Uhr in ORF 2 – haben sich Regisseur Franz Fuchs und die Produktionsfirma dreiD.at (Produzent:
Lukas Kogler) auf die Suche nach dem verborgenen Leben der Eichhörnchen gemacht. Den Kamerateams um Hubert Doppler und Johannes Pötscher hat sich dabei eine Reihe von kniffligen Aufgaben gestellt. Denn Eichkätzchen sind unberechenbare Wildtiere, deren Verhalten bei Weitem noch nicht vollkommen dokumentiert ist. Der Film entstand als Koproduktion von ORF, ARTE und NDR-Naturfilm/doclights in Zusammenarbeit mit Cinestyria, hergestellt von dreiD.at.

Sie sind überall gern gesehen, die artistischen und geschäftigen Bewohner unserer Wälder: Eichhörnchen, genauer gesagt die roten europäischen Eichhörnchen. Die Sprungakrobaten der Baumkronen, rot, braun, grau bis schwarz gefärbt, führen zumeist ein verborgenes Leben. Dort aber, wo sie angefüttert werden, in Parks oder in Gärten rund um Futterhäuschen im Winter, scheuen sie die Nähe des Menschen nicht. Es gilt für nahezu alle Nagetiere: wo Menschen leben, fällt etwas für sie ab. Für Eichhörnchen bieten sich so bessere Überlebenschancen als in der unberechenbaren Natur des Waldes. Sie sind Kulturfolger: Wildtiere, die auch die Nähe menschlicher Siedlungen zu schätzen wissen.

Im Allgemeinen bleiben sie aber auf Distanz, und nur wenigen ist ein Einblick in ihr Baumkronenreich möglich: zu groß sind für die kleinen, flinken Nagetiere die Gefahren, die von den vielen Fressfeinden am Boden oder aus der Luft ausgehen. Marder, Wildkatzen, Luchs und Fuchs können am Boden gefährlich werden. Doch noch mehr Verluste gibt es durch Jäger aus der Luft – durch Raubvögel: Habicht, Mäusebussard, Uhu oder auch Adler, groß ist die Reihe möglicher Angreifer. Daher bleiben Eichhörnchen lieber unerreichbar und unberechenbar – für alle.

Produzent Lukas Kogler: „Eichhörnchen sind unberechenbar. Als Produzent holt man gleich einmal tief Luft, da man mit teuren Stehzeiten rechnen muss. Als Konstante konnten wir allerdings die kurzen Aktivitätsphasen am Vormittag und am Nachmittag erkennen. Da mussten wir gut vorbereitet sein und sofort zu drehen beginnen; Denn wenn ein Kamerateam am Waldrand unterwegs ist, dauert es nie lange, bis neugierige Krähen am Horizont auftauchen – dann sind die Eichhörnchen sofort wieder weg. Die Drehs richtig zu planen und die Sets so einzurichten, dass wir zu guten Aufnahmen kommen konnten, war eine große Herausforderung. Wir haben vieles über Eichkätzchen gelernt, das nirgends in der Literatur zu finden ist.“

Ihre Kobel bauen sie in Astgabeln oder in hohlen Baumstämmen. Dort oben in den Baumkronen der Mischwälder sind sie einigermaßen sicher; trotzdem kommt nur ein kleiner Teil der Jungtiere in den ersten Winter, wo Kälte und Nahrungsmangel drohen. Sofern nicht schon im Herbst ein gut isolierender Nest-Kobel vorbereitet und reichlich Nahrungsdepots angelegt wurden. Samen und Nüsse nehmen einen wichtigen Platz im Nahrungsspektrum der Allesfresser ein. Eichhörnchen legen im Herbst Winterdepots an, indem sie die Früchte der Waldbäume unterm Laub in schnell gegrabenen Löchern verscharren. Doch überall im Wald gibt es Futterkonkurrenten mit feinen Nasen. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Vorräte entdeckt und geplündert werden, ist groß.

Eichhörnchen halten in der kalten Jahreszeit Winterruhe. Also waren auch die Winterdrehs eine Herausforderung für das Team; denn die Tiere kommen nur alle paar Tage aus ihren Kobeln, um Nahrung aufzunehmen. Man konnte nur hoffen, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Es gelang tatsächlich – an einem der kältesten Tage des Winters. Die Kälte war für Kameramann Johannes Pötscher allerdings das geringste Problem. Er ist ein Meister der Naturbeobachtung und hat einen siebenten Sinn für das, was Wildtiere im nächsten Moment tun werden. Johannes Pötscher: „Was an Eichkätzchen fasziniert, sind ihre akrobatischen Sprünge. Aber durch ihre ruckartigen Bewegungen wirken sie planlos. Man weiß nie, was in ihnen vorgeht und wann sie tatsächlich abspringen – und meistens auch nicht, in welche Richtung. Um fürs Schärfe-Ziehen gut gerüstet zu sein, habe ich daher vor den Eichhörnchen-Drehs mit fliegenden Tennisbällen trainiert.“

Die europäischen Eichhörnchen gehören zur Familie der Hörnchen und zählen durch ihre Lebensweise zu den Baumhörnchen. Eng verwandt sind das kaukasische Eichhörnchen und das nordamerikanische Grauhörnchen. Und gerade aus den eigenen Reihen kommt eine tödliche Bedrohung: in Großbritannien wurden Ende des 19. Jahrhunderts von Adligen zur Belebung der großen Landschaftsparks nordamerikanische Grauhörnchen ausgesetzt, die nun den Bestand der europäischen roten Eichhörnchen verdrängen.

Die Situation in England und Wales, in großen Teilen Irlands und Schottlands scheint mittlerweile aussichtslos. Selbst eine intensive Bejagung und die Tatsache, dass in manchen Gourmet-Restaurants in England Grauhörnchen-Delikatessen angeboten werden, zeigen kaum Wirkung. Die amerikanischen sind etwas größer als die europäischen und haben leichte Vorteile bei der Nahrungsbeschaffung. Vor allem aber tragen sie ein Pockenvirus in sich; sie selbst sind dagegen immun, ihre europäischen Verwandten rafft es allerdings gnadenlos dahin.

Das Problem hat auch schon Kontinentaleuropa erreicht: Aus Norditalien breitet sich ebenfalls ein Bestand an Grauhörnchen aus. Noch haben sie die Alpen nicht überschritten. Doch einige Wissenschafter stellen sich angesichts des Dilemmas in Großbritannien bereits die Frage: Gibt es auch bei uns bald einen Wald ohne die uns lieb gewordenen europäischen Eichhörnchen?

Regisseur Franz Fuchs: „Uns war zu Beginn des Projekts nicht bewusst, welch wichtige Rolle den Eichhörnchen im Wald zukommt. Nicht nur, dass sie Samenkerne verbreiten und damit zur Ausbreitung von Pflanzen und zur Erneuerung der Waldflora beitragen, Eichkätzchen stellen für die Räuber des Waldes eine wichtige Nahrungsquelle dar. Nur wenige junge Eichhörnchen vollenden ihr erstes Lebensjahr. So flink sie sind: Sie sind kleine Nagetiere und werden vor allem von Raubvögeln gejagt und stark dezimiert. Aber sie können bis zu dreimal im Jahr Nachwuchs kriegen. Diese hohe Reproduktionsrate ist bei den enormen Ausfällen, die sie haben, auch notwendig. Unsere Hoffnung ist natürlich, dass wir in Kontinentaleuropa nie vor dem Problem stehen, das Großbritannien und Irland momentan intensiv beschäftigt: nämlich ob man sich damit abfinden muss, dass es die europäischen roten Eichhörnchen bald nicht mehr gibt.“

Eine wichtige Rolle spielt bei den „Universum“-Produktionen auch der musikalische Rahmen. Die Auswahl der Instrumente und die Dynamik der einzelnen Melodien transportieren Emotionen und verstärken die Stimmungen der Bilder. Die Filmmusik zu „Geheimnisvolle Eichhörnchen“ stammt aus der Feder des österreichischen Komponisten und Produzenten Erwin Kiennast, der bereits durch die musikalische Gestaltung vorangegangener „Universum“-Episoden ein ausgeprägtes Gefühl für die Wichtigkeit der Verschmelzung von Musik und Bild besitzt. Diesmal erscheint zeitgleich zur Sendung am 2. Oktober 2018 ein Digital Release des Soundtracks „Geheimnisvolle Eichhörnchen“ im Label und Musikverlag der ORF-Enterprise. Weitere Infos dazu sind auf musikverlag.ORF.at abrufbar.

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