OTS0029 5 II 0282 OPR0001 MI Mi, 20.Jul 2016
Asyl / FPÖ / Ausländer / Zeitungen / Menschenrechte

Veröffentlichung eines Bildes mit Flüchtlingen verletzt Ehrenkodex

Wien (OTS) - Der Artikel „Narrenfreiheit für kriminelle Asylwerber?“, erschienen am 28.04.2016 in der „Neuen Freien Zeitung“, verstößt nach Meinung des Senats 1 des Presserats gegen Punkt 5 (Persönlichkeitsschutz) des Ehrenkodex für die österreichische Presse.

In dem Artikel wird über Gewalttaten von Asylwerbern berichtet. Dem Artikel ist ein Bild mit mehreren Flüchtlingen beigefügt. Einer der Flüchtlinge schaut in Richtung Kamera und ist deutlich zu erkennen. Der Bildtext lautet: „Zu viele brutale Gewalttäter unter den ‚Schutzbedürftigen‘“.
Die FPÖ-Bundespartei hat als Medieninhaberin der „Neue Freie Zeitung“ von der Möglichkeit, in dem Verfahren Stellung zu nehmen, nicht Gebrauch gemacht.

Der Senat vertritt die Auffassung, dass die Veröffentlichung des Bildes, auf dem einer der Flüchtlinge klar erkennbar ist, im Zusammenhang mit dem Zusatz „Zu viele Gewalttäter unter den ‚Schutzbedürftigen‘“ gegen den Persönlichkeitsschutz des Abgebildeten verstößt – er wird dadurch als krimineller Gewalttäter hingestellt.

Der Senat forderte die Medieninhaberin auf, die vorliegende Entscheidung in der „Neuen Freien Zeitung“ freiwillig zu veröffentlichen.

SELBSTÄNDIGES VERFAHREN AUFGRUND EINER MITTEILUNG EINES LESERS

Der Presserat ist ein Verein, der sich für verantwortungsvollen Journalismus einsetzt und dem die wichtigsten Journalisten- und Verlegerverbände Österreichs angehören. Die Mitglieder der Senate des Presserats sind weisungsfrei und unabhängig.

Im vorliegenden Fall führt der Senat 1 des Presserats aufgrund einer Mitteilung eines Lesers ein Verfahren durch (selbständiges Verfahren aufgrund einer Mitteilung). In diesem Verfahren äußert der Senat seine Meinung, ob eine Veröffentlichung den Grundsätzen der Medienethik entspricht. Die Medieninhaberin der „Neuen Freien Zeitung“ hat von der Möglichkeit, an dem Verfahren teilzunehmen, keinen Gebrauch gemacht.

Die Medieninhaberin der „Neuen Freien Zeitung“ hat sich der Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats bisher nicht unterworfen.

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Tessa Prager, Sprecherin des Senats 1,
Tel.: 01/21312-1169

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