OTS0120 5 CI 1163 FGG0002 KI Mo, 01.Jun 2015
Politik / Inland / Kunst / Restitution

„Die Frau in Gold“: Restitution in Österreich

Klimts „Goldene Adele“ war einer der größten Restitutionsfälle in der Zweiten Republik. Das im Zweiten Weltkrieg geraubte Bild wurde 2006 nach einem Schiedsgerichtsspruch restituiert.

Wien (OTS) - Anlässlich des Filmstarts von "Die Frau in Gold" ziehen ExpertInnen Zwischenbilanz über die Restitution von Raubkunst in Österreich.

Das britisch-amerikanische Filmdrama "Die Frau in Gold" unter der Regie von Simon Curtis erzählt von Raubkunst und Restitution. Die Handlung beginnt 1998 - Jahre bevor die Sammlung von Cornelius Gurlitt oder das Beethovenfries in den Medien für Schlagzeilen sorgten. Während des NS-Regimes war die Entziehung von privatem Kunstbesitz ein Teil der Enteignungs- und Vernichtungspolitik, die gegen die jüdische Bevölkerung gerichtet war. Abertausende Kunstwerke wie "Die goldene Adele" wechselten unter Zwang den Besitzer und befanden sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs ohne erkennbaren Hinweis auf ihren Ursprung in öffentlichem und privatem Besitz.

"Ich bekenne mich zur Restitution"

NR Abg. Elisabeth Hakel, Kunst- und Kultursprecherin der SPÖ, sieht kritisch, "dass es so viele Jahre gedauert hat, bis Österreich restitutionsbereit war. Mitentscheidend dafür war sicher, dass sich Österreich lange als Opfer und nicht als Täter gesehen hat." Sie räumt ein, dass Österreich zwar spät in die Gänge gekommen sei, die Republik dann aber gute Restitutionsgesetze erarbeitet hätte: "Ich bekenne mich zur Restitution. Und wenn wir heute Österreich mit Deutschland vergleichen, dann hat Österreich heute eine Vorreiterrolle."

"Das Bewusstsein muss weiter wachsen"

Der Wiener Rechtsanwalt Dr. Andreas Nödl wurde von Maria Altmann als Mitglied des Schiedsgerichts in ihrer Rechtssache gegen die Republik Österreich nominiert und hat darüber hinaus eine Reihe von Restitutionsfällen rechtlich betreut - für Erben, das Leopold Museum und zuletzt die Klimt-Foundation. Er hält fest, dass Restitution eine hoch sensible und aus rechtlicher Sicht komplexe Materie ist; und weiter: "Aber das Bewusstsein muss weiter wachsen, dass sich ein beträchtlicher Anteil entzogener und nicht rückgestellter Kunst nicht nur in öffentlichen Museen, sondern in privater Hand befindet, für welche Konstellation das Kunstrückgabegesetz nicht gilt. Also muss das Bewusstsein weiter wachsen, dass wir auch mit dieser Situation umzugehen lernen und nicht weiter wegschauen." Ein gangbarer Weg, sei laut Anwalt Nödl, dass sich Private selbst zur Provenienzforschung verpflichten und mit Erben im Dialog faire und gerechte Lösungen im Sinne der Washington Priciples aus 1998 erarbeiten.

"Kulturpolitik oft mit Scheinmoral"

Prof. Dr. Nikolaus Lehner, emeritierter Rechtsanwalt und Kunst-Experte sieht in der österreichischen Kulturpolitik "leider oft Scheinmoral: Sie wirbt mit der Rückgabe von Raubkunst nach außen hin, hat aber in der Vergangenheit gegenüber Klägerinnen wie Frau Altmann (einer Erbin der goldenen Adele) jahrelang mit zermürbender Taktik Prozesse geführt - und nicht nur dort." Daher rät Lehner bei Restitutionsfällen im Interesse aller Beteiligten dazu, sich rasch zu vergleichen: "Denn lange Verfahren sind teuer, kosten viel Substanz und bringen negative Reputation - und zwar sowohl bei berechtigten Ansprüchen als auch bei Begehrungsneurosen", also unberechtigten Ansprüchen.

Lehner geht mit den Sachverständigen streng ins Gericht: "Große, eminente, ungelöste Problematik sind die Sachverständigen. Denn sie sind abhängig von Auftraggebern und diese Abhängigkeit beginnt mit dem Ziel des Auftrags." Ein objektives Ergebnis einer Untersuchung durch Sachverständige sei laut Lehner nur dann möglich, wenn die Information des Auftraggebers vollständig und damit richtig sei. "Dadurch dass das nicht immer der Fall sein muss, kommt es oft zu irren Diskrepanzen bei den Ergebnissen der Gutachter wie in der Causa Adele durch Univ. Prof. Rudolf Welser und Dr. Hans Krejci." Durch die kürzlich gesetzlich vorgenommene Aufwertung der Privatgutachter werde es zu noch größeren Problemen kommen, mutmaßt Lehner. Es werde daher künftig noch stärker auf die Wertevorstellungen der Gutachter und deren Integrität ankommen.

Welser und Krejci widersprechen einander in ihren Gutachten zur goldenen Adele und sind für Lehner "ein typisches Beispiel für die Schwierigkeiten". Der Schiedsspruch in der Causa Adele war aus Lehners Sicht "jedenfalls eine Gesamtwürdigung der zweifellos nicht eindeutigen Umstände. Die Interpretation der Anordnung als bloßer rechtlich unverbindlicher Wunsch war überzeugender."

Jedenfalls sei der Beirat für Restitution laut Lehner "eine segensreiche Institutionalisierung der Republik Österreich, um bei widersprechenden Interessen eine amikale, adäquate Lösung zu finden."

180.000 enteignete Werke allein in Wien?

Rätselraten herrscht in der Fachwelt über den Umfang der Raubkunst in Österreich. Otto Hans Ressler, Geschäftsführer von Ressler Kunst Auktionen, versucht eine Rechnung anzustellen: "Allein in Wien wurden im Dritten Reich 60.000 Wohnungen ‚arisiert‘. Wenn in jeder Wohnung durchschnittlich nur drei Kunstwerke waren, wären das in Summe 180.000 Werke - und damit sehr viel mehr, als bisher restituiert wurden. Wir wissen aber, dass einzelne Sammler bis zu 1.000 Werke hatten. Die Zahl der tatsächlich geraubten Kunstwerke ist daher möglicherweise deutlich höher."

Ein beträchtlicher Teil der Kunstwerke sei "nicht von Nazis enteignet worden, sondern von Nachbarn gestohlen und unterschlagen". In diesen Fällen gebe es über die Kunstgegenstände meist kaum Aufzeichnungen, Fotos, Urkunden oder andere Eigentumsbeweise.

Im Auktionsbetrieb sind Ressler in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Kunstwerke begegnet, bei denen bestohlene Eigentümerfamilien Ansprüche gestellt haben. "Wir haben in diesen Fällen stets versucht, zwischen den Parteien zu vermitteln. In einigen Fällen ist es uns gelungen, den Auktionserlös auf beide Seiten aufzuteilen", sagt Ressler.

Die "Goldene Adele"

Gustav Klimts berühmte "Goldene Adele" gilt als Österreichs bekanntester Restitutionsfall. Das Porträt der Unternehmergattin Adele Bloch-Bauer, das 1907 gemalt wurde, war für Österreich lange Zeit das Herzstück der Österreichischen Galerie Belvedere und so etwas wie die "Mona Lisa Österreichs". Nach einem langwierigen Rechtsstreit und dem beherzten Kampf der Erbin Maria Altmann und ihres Anwalts Randy Schoenberg gelangte das Gemälde wieder in ihren Besitz.

Zum Film

Die Jüdin Maria Altmann (Helen Mirren) führt in Los Angeles ein beschauliches Leben. Bis zu ihrem Ruhestand betreibt sie eine Boutique in Beverly Hills. Nur wenige kennen ihre Vergangenheit und wissen, dass sie einst unter dramatischen Umständen aus dem Wien des Dritten Reichs fliehen musste. Jahrzehnte später erfährt sie, dass sie die rechtmäßige Erbin von mehreren Gemälden Gustav Klimts ist, die sich einst im Besitz ihrer Familie befanden und von den Nazis enteignet wurden. Das berühmteste dieser Kunstwerke ist das Porträt ihrer Tante Adele Bloch-Bauer, "Die goldene Adele". Doch die Republik Österreich, in dessen Besitz die Bilder sich befinden, zeigt sich wenig kooperativ, Marias Rechte ohne weiteres anzuerkennen. Es beginnt eine Odyssee, die Maria Altmann gemeinsam mit ihrem Anwalt Randy Schoenberg (Ryan Reynolds) über den Obersten Gerichtshof in Amerika bis nach Wien führt, wo sie durch einen Schiedsgerichtsspruch fünf bedeutende Klimt-Bilder zurückbekommt.

Anwalt Nödl zum Film: "Der Film ,die Frau in Gold‘ ist - für mich, der einen Teil der Story ganz persönlich miterlebt hat - großes Hollywoodkino mit allem was dazu gehört: schmerzliche, tiefe Emotionen, 105 Minuten Hochspannung, eine Helen Mirren, die Maria Altmann nicht hätte besser treffen können. Aber eben auch mit einem Ryan Reynolds, dem der Sieg wohl eher passiert, als dass er ihn, wie E. Randol Schoenberg, bitter hart erkämpfen muss. Und der rechtlich komplexe Sachverhalt ist auf ein Minimum reduziert; ein Spiel- und kein Dokumentarfilm eben."

Pressematerial zum Film "Die Frau in Gold" finden Sie unter:
www.filmpresskit.de

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