OTS0108 5 II 0432 EVT0001 WI Do, 05.Mär 2015
Steuern / Arbeitsmarkt / Wirtschaft und Finanzen / Sozialversicherung / Fotogalerie

mc-quergeredet: Steuerreform - Großer Wurf oder kleinster gemeinsamer Nenner?

Am 3. März 2015 fand im management club eine spannende Debatte über die die kommende Steuerreform und die Frage „Großer Wurf oder kleinster gemeinsamer Nenner?“ statt.

Wien (OTS) - Im Rahmen des Diskussionsformats mc-quergeredet stellte sich ein hochkarätig besetztes Podium den kritischen Fragen von Lukas Sustala (NZZ Österreich): Abgeordnete zum Nationalrat Gabriele Tamandl (Budgetsprecherin, ÖVP), Abgeordneter zum Nationalrat Mag. Bruno Rossmann (Budgetsprecher, Die Grünen), Mag. Michael Neischl (Steuerberater), Dr. Franz Schellhorn (Agenda Austria) und Mag. Peter Brandner (Die Weis[s]e Wirtschaft).

Ziel einer Steuerreform müsse mehr Beschäftigung und mehr Wirtschaftswachstum sein, das heißt, man müsse den Faktor Arbeit mehr entlasten und den Faktor Konsum mehr belasten, so Peter Brandner, der seine Studie "Das Weis[s]e Konzept für eine Reform der Steuerstruktur" präsentierte: alleine eine aufkommensneutrale Steuerstrukturänderung mit dem Fokus auf private Haushalte, bei der Konsum höher, aber der Faktor Arbeit niedriger besteuert wird, bewirke bereits Wachstumseffekte und damit höhere Beschäftigung.

Bruno Rossmann sprach sich für eine aufkommensneutrale, ökosoziale Steuerreform im Sinne einer niedrigeren Besteuerung des Faktors Arbeit im unteren und mittleren Einkommensbereich aus. Als Gegenfinanzierung seien vermögensbezogene Abgaben am wenigsten wachstumsschädlich. Weitere Vorschläge der Grünen sind eine effektivere Steuerbetrugsbekämpfung und wesentliche Vereinfachungen des Steuersystems, beispielsweise in der Zusammenführung der Bemessungsgrundlagen.

Forderung nach Entlastung derjenigen, die am meisten ins System einzahlen

Aus der Sichtweise von Gabriele Tamandl könne man von einem großen Wurf erst dann sprechen, wenn es generell zu einer Senkung der Steuer- und Abgabenquote käme. Gleichzeitig könne man damit aber auch Lenkungseffekte wie eine kräftige Entlastung der Lohnnebenkosten des Arbeitgebers (z.B. für ältere Dienstnehmer), eine Stärkung der Kaufkraft und die Schaffung neuer Arbeitsplätze erzielen. Tamandl sprach sich für eine Neukodifizierung des Einkommenssteuergesetzes von 1988 aus; es sei durch zahlreiche Novellierungen intransparent und könnte durch eine Anpassung der Bemessungsgrundlagen sowie eine Vereinfachung der Lohnverrechnung verbessert werden.

Eine Steuerreformdebatte müsse anders geführt werden, so Franz Schellhorn. In den letzten 20 Jahren ging es in der Debatte immer nur um Steuererhöhungen bei gleichzeitig enormen Wachstums des staatlichen Sektors; 40 Prozent mehr auf der Einnahmenseite und 41 Prozent auf der Ausgabenseite. Die Bevölkerung habe nicht das Gefühl, dass der Staat irgendwelche Einsparungen bei sich selbst vornimmt (Stichwort: Verwaltungsreform). Michael Neischl stimmte Schellhorn zu; der Staat, der dem einzelnen Bürger sehr viel nimmt und einen großen Teil der Wirtschaftsleistung für sich beansprucht, müsste auch erklären, wofür er das Geld aufwendet. Aus seiner Berufspraxis könne er auch ein stilles Abwandern der Leistungsträger in den letzten Jahren feststellen.

Weitere Bilder unter: http://www.apa-fotoservice.at/galerie/6457

Rückfragen & Kontakt:

management club
Mag. Martin Etlinger
Kärntner Straße 8, 1010 Wien
01/512 7935
etlinger@managementclub.at

***OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT***

OTS0108 2015-03-05/11:19