OTS0081 5 WI 0662 ONI0001 II Mi, 05.Nov 2014
Wirtschaft und Finanzen / Unternehmen / Tirol / Normen / Innovationen

Normen tragen wesentlich zum Exporterfolg Tiroler Unternehmen bei

Innsbruck (OTS) - Bei einer Podiumsdiskussion am Dienstag, 4. November 2014, im Congress Innsbruck haben Austrian Standards, Kammervertreter, Forschungsverantwortliche und führende Unternehmen die Normung einem kritischen Reality-Check unterzogen.

Rund 70 Gäste nutzten die Gelegenheit, die angeregte Podiumsdiskussion in der Orangerie unter der Leitung von Günther Schimatzek mitzuverfolgen oder selbst mitzudiskutieren. Die Experten am Podium waren sich einig, dass Standards ein wichtiger Wirtschaftsmotor sind, Sicherheitsanforderungen erfüllen helfen und eine Grundlage für Innovationen darstellen. Insgesamt sorgen Normen in Österreich für ein jährliches Mehr an innovativer Wirtschaftsleistung in der Höhe von rund 2,5 Mrd. Euro. Durch eine international ausgerichtete Normungsstrategie, die gerade von der Bundesregierung entwickelt wird, sollen Standardisierungsprozesse noch näher an Forschung und Entwicklung angedockt werden. Das vordergründige Ziel ist, Innovationen den Weg zu Markt- und Exportreife zu vereinfachen. Für MED-EL, weltweit anerkannten Hersteller von Hörimplantaten, ermöglichen Normen eine Beschleunigung der Zulassung, weil "die Normen für Prüfverfahren beispielsweise auch in den USA anerkannt sind", hob Bernhard Jamnig, Leiter der MED-EL Prüflaboratorien hervor.

Austrian Standards sieht sich in diesem Zusammenhang als Sprungbrett zur europäischen und internationalen Normung. "Standards sind Normen und Regelwerke, bringen Wettbewerbsvorteile, erleichtern den Export und den Zugang zu neuen Märkten", sagte Elisabeth Stampfl-Blaha, Direktorin von Austrian Standards, und fügte hinzu:
"Interessenvertretungen und Wirtschaft sollen die besten Köpfe in die Komitees entsenden." Denn nur, wenn Österreichs Standpunkte auf europäischer Ebene eingebracht würden, könne man wichtige Standards beeinflussen. An Normprojekten mitzumachen, sei für Kleinere extrem schwer, hob Architekt Daniel Fügenschuh von der Kammer für Architekten und Ingenieurkonsulenten hervor, koste viel Zeit und Geld."

Für die WKT-Fachgruppe Ingenieurbüros forderte Gottfried Mayr, dass der Normenflut Einhalt geboten werde: "Es braucht nur Mindeststandards, dort, wo Normen absolut notwendig sind." Das Hauptziel der Normung sei aus den Augen verloren gegangen, nämlich dass Normen freiwillig sind. Es gebe - je nach Bundesland verschieden - an die 200 verbindliche Normen allein für Ingenieure. Fügenschuh nannte den Brandschutz als Beispiel: Die ÖNORM 3804 umfasste in den 1990er Jahre 18 Seiten, "heute sind es viele Europäische und nationale Normen mit 640 Seiten. Es ist notwendig, Normen zu evaluieren."

Dem hielt Jörg Nachbaur, Komitee-Manager bei Austrian Standards, entgegen, dass mehr als 90 % der Normprojekte europäisch oder international sind. "Deswegen ist es einerseits wichtig, sich in europäische Normungsprojekte einzubringen, und andererseits zu erkennen, dass man durch Europäische Normen auch den Anforderungen in anderen EU-Ländern gerecht wird." Die EU verfolgt im sogenannten New Approach den Ansatz, auf Gesetzesebene nur grundlegende Anforderungen festzulegen. In Europäischen Normen können diese dann unter Mitwirkung von Anwendern konkretisiert werden.

Die Direktorin von Austrian Standards, Elisabeth Stampfl-Blaha, konstatierte, dass das System im Bereich Bauen und Wohnen mit neun Landesbauordnungen, OIB-Richtlinien, Landesgesetzen und Normen komplex sei. Man nehme aber den Auftrag ernst, mehr für die Übersichtlichkeit zu tun. "Wir sind dabei, massiv in Informationstechnologie zu investieren, um Inhalte auf XML-Basis leichter zugänglich zu machen, damit es z. B. einfacher wird zu vergleichen, was sich verändert hat."

Zahlen und Fakten zur Normung in Tirol

Insgesamt nehmen 116 Tiroler Organisationen aktiv an der Normung teil. 145 Personen wurden in die Komitees von Austrian Standards nominiert, wobei sich 20 Personen in Komitees des CEN (Europäisches Komitee für Normung) und neun in denen der ISO (Internationale Normungsorganisation) als Delegierte engagieren. Die Fachbereiche, in denen die entsendenden Organisationen aktiv sind:

  • Bergsteigerausrüstung, Kletteranlagen und Seilgärten;
  • Schutz vor Naturgefahren, einschließlich Lawinenschutzbauwerke;
  • Seilbahnen;
  • Wasserversorgung, einschließlich Rohrleitungen für Wasserkraftwerke und Beschneiungsanlagen;
  • Barrierefreies Planen und Bauen;
  • Betonherstellung, Güte und Qualitätssicherung & Beton-, Stahlbeton-und Spannbetonbau;
  • Hydraulische Schaltungen und Stagnationsverhalten;
  • Klimatechnik & Mechanische Be- und Entlüftung von Wohnungen;
  • Rauch- und Abgasfänge;
  • Lagerung/Tribotechnik / Verzahnung / Werkzeugmaschinen / Werkzeuge;
  • Statische Berechnung erdverlegter Rohre;
  • Thermische Sonnenenergienutzung;
  • Wärmeschutz von Gebäuden und Bauteilen, einschließlich Außenwand-Wärmedämmverbundsysteme.

Gemessen am Bruttoregionalprodukt (gemäß Statistik Austria 2011) liegt Tirol im Vergleich mit den anderen Bundesländern bei der Anzahl der Teilnehmenden an 8. Stelle vor Kärnten.

Rückfragen & Kontakt:

Austrian Standards
Dr. Johannes Stern
Tel.: Tel.: +43 1 213 00-317
j.stern@austrian-standards.at

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