OTS0095 5 II 0413 GKR0001 CI Di, 05.Aug 2014
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Offener Brief von Christoph Chorherr an Immobilienwirtschaft

Offener Brief an Michael Pisecky, Fachgruppenobmann Wiener Immobilientreuhänder, Georg Flödl, Österreichischer Verband der Immobilienwirtschaft, Peter Höflechner, RICS

Wien (OTS) - Sehr geehrter Herr Pisecky
Sehr geehrter Herr Flödl
Sehr geehrter Herr Höflechner,

Es stimmt mich optimistisch, dass Sie meinen Vorschlag von vergangener Woche begrüßt haben, gegen unerträgliche Mieterschikanen vorgehen zu wollen. Darf ich Ihnen kurz die Gründe für meine Idee eines Ethikbeirates zusammenfassen: Einige, ich hoffe nur wenige, Hausbesitzer schrecken auch vor wirklich inhumanen Methoden nicht zurück, um ihre Mieter aus dem Haus zu ekeln: Sie reparieren jahrelang den Lift im Haus nicht, was es für ältere Menschen unmöglich macht, mobil zu bleiben. Sie unterlassen notwendige Sanierungsarbeiten. Sie lassen im gesamten Haus Dreck herumliegen. Sie schrecken auch nicht davor zurück, notwendige Wasser- und Abwasserleitungen leck werden zu lassen. Selbst wenn sie von Gerichten gezwungen werden, Sanierungsarbeiten durchzuführen, tun sie nicht, was ihnen aufgetragen wurde, sondern setzen auf Zeit, gehen in die jeweils nächste Instanz und versuchen so, ihre MieterInnen zu zermürben. Besonders perfide ist die Praxis, mit fadenscheinigen Gründen - verpackt in kompliziertes Juristendeutsch und versehen mit dem Stempel eines Rechtsanwalts - die Kündigung auszusprechen. Nur wenige verängstigte Mieter kennen sich im komplizierten Mietrecht gut genug aus, um zu erkennen, dass das Vorgebrachte niemals ein Kündigungsgrund sein kann, und vor Gericht niemals halten würde. Bei vielen erreicht diese Vorgangsweise ihren Zweck: die Mieter sind zutiefst verängstigt und räumen die Wohnung. Ein leeres Haus bietet weit höhere Profite.

Gerade weil wir viele Unternehmer kennen, die sorgsam ihre Häuser sanieren und auch auf ihre Mieterinnen und Mieter Rücksicht nehmen, ist es an der Zeit, dass auch die Immobilienwirtschaft ihren Beitrag leistet, um diese inhumanen Praktiken, die in unserer Stadt keinen Platz haben dürfen, abzustellen. Denn es soll nicht sein, dass wenige schwarze Schafe eine ganze Branche in Verruf bringen.

Deswegen mein Vorschlag eines Ethikrates. In diesem sollen auch Mitglieder der Immobilienwirtschaft vertreten sein. Mieterinnen und Mieter sollen ihre Erfahrungen dort einbringen können. Sollte dieser Ethikrat dann zum Schluss kommen, dass Mieter im Recht sind, kann das Veröffentlichen dieser "Erkenntnis" öffentlichen und auch politischen Druck auslösen, sodass derartige Praktiken beendet werden. Auch sollte der volle Name des Hauseigentümers genannt werden.

Ich werde mir erlauben, mit Ihnen Kontakt aufzunehmen, damit dieser Ethikrat bald seine Tätigkeit aufnehmen kann. Bitte helfen Sie mit, dass Praktiken wie die oben beschriebenen bald der Vergangenheit angehören.

Mit freundlichen Grüßen

Christoph Chorherr
Gemeinderat und Landtagsabgeordneter

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