OTS0147 5 CI 0605 HAU0001 II Di, 21.Mai 2013
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Fatale Fehler der Gesundheitsreform: "Erste Hilfe" für den Hausarzt

Diskussionsabend des Österreichischen Hausärzteverbandes: Am Wort ist die Opposition

Wien (OTS) - Rasch vor den Wahlen im Herbst wurde im Parlament noch die Gesundheitsreform beschlossen. Österreichs Hausärzte orten darin den offenkundigen Sieg eines politisch-bürokratischen Ungeistes, der sie schon seit Jahren an der effektiven Ausübung ihrer gesellschaftlich ebenso wichtigen wie geschätzten Funktion zu hindern versuche. "Dramatische gesundheitspolitische Fehler mit Langzeitwirkung werden durch die Reform festgeschrieben", betont Dr. Wolfgang Geppert vom Österreichischen Hausärzteverband. Bald gäbe es kein Zurück mehr.

Im Rahmen eines Diskussionsabends am 11. Juni im Wiener RadioKulturhaus lässt der Hausärzteverband nun das gesamte Spektrum der Oppositionsparteien zu Wort kommen. "Wir erhoffen uns neue Perspektiven und interessante Ansatzpunkte zu den brennenden Fragen der aktuellen Gesundheitspolitik, die den Hausarzt augenscheinlich ins Abseits zu drängen versucht", so ÖHV-Präsident Dr. Christian Euler. Die Gesundheitssprecher aller vier Oppositionsparteien haben ihr Kommen zugesagt und werden ihre alternativen Ideen präsentieren. Der Hausärzteverband selbst werde ein Modell vorlegen, wie die Allgemeinmediziner wieder mit jener Kompetenz und jenem Vertrauen ausgestattet werden können, die ihnen zustehen, verspricht Euler. Sozusagen "Erste Hilfe" für den Hausarzt.

Dr. Wolfgang Geppert, selbst jahrzehntelang als Hausarzt in Niederösterreich tätig gewesen, sieht fünf eklatante Fehler der Gesundheitspolitik:

Fixierung auf Krankenhäuser

"Enthemmte Verantwortungsträger trieben Österreichs Gesundheitsversorgung in eine rekordverdächtige Krankenhauslastigkeit, indem sie 'ihre' Spitäler als politische Spielwiese betrachten und Parteibuchwirtschaft geradezu ungeniert ausleben", so Geppert. Von Tauglichkeitsuntersuchungen für Feuerwehrleute bis zu prophylaktischen Impfungen für junge Frauen würden medizinische Leistungen in die Spitäler ausgelagert, während die menschliche medizinische Versorgung in der Hausarztpraxis gleichzeitig links liegen gelassen werde.

Fatal niedriger Hausärzteanteil

Österreich weist europaweit die höchste Ärztedichte auf, aber nur 16 Prozent sind als Allgemeinmediziner tätig, während internationale Studien einen Anteil von 30 bis 50 Prozent empfehlen. Die Zahl der Krankenhausärzte hat sich im Vergleich zu den Kassenpraktikern versechsfacht. "Kein Wunder", meint Geppert: "Das Überangebot an Spitalsbetten und die aufgeblähten Ambulanzen benötigen schließlich jede Menge ärztlichen Fixpersonals."

Frustrierende Kassenbürokratie

Für hausärztliches Handeln wurden zahlreiche Hürden aufgebaut, allen voran die Chefarztpflicht, die Fachärzten beispielsweise bei CT- oder MRT-Zuweisungen erspart bleibt. Auch bei Medikamentenverschreibungen sei die Geringschätzung des Allgemeinmediziners allgegenwärtig, beklagt man im Hausärzteverband. Wen überrascht es, dass sich unter diesen Umständen nur mehr wenige junge Mediziner als Hausarzt niederlassen wollen?

Finanzloch bei Lehrpraxen

Während neue Krankenhäuser im Abstand weniger Kilometer mit Steuermitteln errichtet werden, ist für die Ausbildung des allgemeinmedizinischen Nachwuchses kein Geld mehr vorhanden. Angehenden Hausärzten werde so die Möglichkeit genommen, ihre Tätigkeit an der Quelle zu erlernen.

Fiasko bei Hausapotheken

Seit dem Jahr 2000 mussten über 100 Hausapotheken im ländlichen Raum geschlossen werden. "Gegen den Landarzt wird ein regelrechter Kleinkrieg geführt", berichtet Dr. Geppert auch aus eigener Erfahrung. Der jüngste Nationalratsbeschluss zur Sicherstellung der Arzneimittelversorgung im ländlichen Raum sei nur ein kleiner Schritt, löse aber längst nicht das Problem.

Nur in Einzelfällen komme hin und wieder die Vernunft durch. Insgesamt fehle der Gesundheitsreform aber der politische Wille, auf den Allgemeinmediziner und seine unbestreitbaren Leistungen zu setzen. So lange hochrangige Ministerialbeamte ungestraft die vertrauensvolle persönliche Arzt-Patienten-Beziehung als unzeitgemäß abqualifizieren dürfen, sei eine Besserung der Lage auch nicht zu erwarten, fürchtet Hausärzte-Präsident Dr. Euler. Gespannt sei man jedenfalls, was die Oppositionsparteien am 11. Juni zur Perspektive des Hausarztes in Österreich zu sagen haben.

Diskussionsabend des Österreichischen Hausärzteverbandes
"Erste Hilfe für den Hausarzt"


Referenten:

NR-Abg. Dr. Wolfgang Spadiut
Gesundheitssprecher BZÖ

NR-Abg. Dr. Dagmar Belakowitsch-Jenewein
Gesundheitssprecherin FPÖ

NR-Abg. Prof. Dr. Kurt Grünewald
Gesundheitssprecher Die Grünen

NR-Abg. Ing. Robert Lugar
Klubobmann Team Stronach

Moderation: Dr. Wolfgang Geppert, Österreichischer Hausärzteverband

Weitere Informationen unter www.hausaerzteverband.at

Datum: 11.6.2013, um 19:00 Uhr

Ort:
RadioKulturhaus KulturCafé
Argentinierstraße 30A, 1040 Wien

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