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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Was Frank Stronach bewirken kann - von Esther Mitterstieler

Die Demokratie darf nicht vergessen werden, Herr Stronach!

Wien (OTS) - Etwas mehr als vier Wochen ist es her und unser Leitartikel beschrieb unter dem Titel "Tempi Passati" den anscheinend bevorstehenden Eintritt Frank Stronachs in die österreichische Politik. Nun hat er es selbst via "Presse am Sonntag" verkündet: Er tritt nicht nur mit einer eigenen Partei bei den nächsten Nationalratswahlen an, er führt die Liste gleich selber an.

Egal ob mangels bekannter Personen, die bereit gewesen wären, für ihn zu kandidieren, oder nicht: Der Mann traut sich was - nicht nur in der geschichtsträchtigen Auseinandersetzung mit Lou Lorenz in der ZIB 2.Tempi passati - das ist auch weiterhin meine Meinung, die im Übrigen genauso für den italienischen Medienzaren und langjährigen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gilt.

Die Herren Stronach und Berlusconi eint nicht nur ihr für aktive Politiker doch einigermaßen stattliches Lebensalter. Das hätten Griechen oder Römer, aber auch sowjetische Parteigeronten als Zoll der alten Weisen an die Jungen interpretiert. Mag sein. Zumindest Erfahrung haben die Herren mehr im Leben. Ob das für einen guten Politiker reicht, ist die Frage.

Berlusconi hat lange Jahre Zeit gehabt, um zu beweisen, dass es ihm mehr um das Wohl des Landes als um private Interessen seiner Mediengesellschaft Mediaset und diverser anderer Firmenbeteiligungen ging. Noch einmal sei gesagt: Ein guter Unternehmer muss nicht per se ein guter Staatsmann sein.

Hier nun könnte und dürfte sich Herr Stronach zumindest noch von Berlusconi unterscheiden. Dass es Stronach um die Sache geht, daran zweifelt wohl niemand. Das ist wohltuend. Dass auch er schon andenken soll, sich Medien zu kaufen und also willfährig zu machen, ist aber demokratiepolitisch bedenklich.

Wie immer man zu Stronach stehen mag, eines scheint er zu erschüttern: die mühselige Gangart heimischer Politik mit den immer gleichen Ideen und Gegenvorschlägen. Frischen Wind würde Stronach auch bringen. Aber viele seiner Ideen - und das ist der Kontrapunkt -sind nicht so neu, wie manch einer glauben mag. Wer ist nicht für Schuldenabbau und Förderung des Wachstums, für mehr Demokratie und weniger Parteipolitik, für weniger Steuern und mehr Gerechtigkeit? Dafür würden wir wohl alle unterschreiben.

Wie auch immer Stronachs Politabenteuer ausgeht - gut tut es Österreich, weil frischer Wind in den Politladen weht. Sorgen macht sich aber nicht nur Stronach um Österreich - das dürfen wir auch, nämlich dann, wenn das Land nur noch wie ein Unternehmen geführt werden soll. Die Demokratie darf nicht vergessen werden, Herr Stronach!

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