OTS0211 5 KI 1143 NRF0014 Fr, 25.Mai 2012
Fernsehen / ORF / Medien / Kreuz und quer

"kreuz und quer" am 29. Mai: "Taste the Waste - Frische Lebensmittel für den Müll" und "Der Junge, der vom Himmel fiel"

Anlässlich des internationalen Kongresses "Zukunft ohne Hunger" in Wien

Wien (OTS) - Weltweit hungern 925 Millionen Menschen und täglich sterben 7.000 Kinder an den Folgen von Hunger und Unterernährung. Anlässlich des internationalen Kongresses zu globalem Hunger und nachhaltiger Ernährungssicherung am 1. und 2. Juni 2012 in Wien zeigt "kreuz und quer" - präsentiert von Doris Appel - am Dienstag, dem 29. Mai, um 22.30 Uhr in ORF 2 die Dokumentation "Taste the Waste", in der Valentin Thurn das Ausmaß der Lebensmittelverschwendung international recherchiert. In "Der Junge, der vom Himmel fiel" erzählt Ulrike Westermann um 23.15 Uhr die Geschichte eines Jugendlichen, der sein Leben riskierte, um der Perspektivlosigkeit in seinem Heimatland Kamerun zu entkommen. Am Donnerstag, dem 31. Mai, zeichnet Erwin Wagenhofers preisgekrönter Dokumentarfilm "We Feed the World" um 23.00 Uhr in ORF 2 ein düsteres Stimmungsbild im Konflikt zwischen bitterer Armut und einem Leben im Überfluss.

"Taste the Waste - Frische Lebensmittel für den Müll" - Ein Film von Valentin Thurn

Die Hälfte aller Lebensmittel werden weggeworfen: Jeder zweite Salat, jede zweite Kartoffel und jedes fünfte Brot. Das meiste davon landet im Müll, bevor es überhaupt den Verbraucher erreicht. Und fast niemand kennt das Ausmaß der Verschwendung. Wer macht aus Essen Müll? Welche Folgen hat die globale Nahrungsmittel-Vernichtung für das Klima? Und für die Ernährung von sieben Milliarden Menschen? Der Film findet Antworten bei Bauern, Supermarkt-Direktoren, Müllarbeitern und Köchen. In Deutschland, Österreich, Japan, Frankreich, Kamerun, Italien und den Vereinigten Staaten. Und er findet Menschen, die unserem Essen mehr Wertschätzung entgegenbringen und Alternativen entwickelt haben, um die Verschwendung zu stoppen.

Essen wegzuwerfen findet niemand gut - "weil andere nichts zu essen haben", sagen die Jüngeren und die Älteren erinnern sich noch an den Hunger im Krieg: "Da waren wir um jeden Kanten Brot froh." Aber wir alle machen mit beim Wegwerfen. Valentin Thurn hat die Wirklichkeit in unseren Mülltonnen aufgespürt - in den Abfall-Containern der Großmärkte, der Supermärkte und denen vor unserer Haustür. Sie enthalten Massen einwandfreier Lebensmittel, teilweise noch originalverpackt, oft ist nicht einmal das Haltbarkeitsdatum abgelaufen. Mehr als zehn Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr werden allein in Deutschland weggeworfen. Und es werden immer mehr! Warum werfen wir so viel weg? Auf der Suche nach Erklärungen spricht Valentin Thurn mit Supermarkt-Verkäufern und -Managern, Bäckern, Großmarkt-Inspektoren, Ministern, Psychologen, Bauern und EU-Bürokraten.
Was er findet, ist ein System, an dem wir uns alle beteiligen:
Supermärkte bieten durchgehend die ganze Warenpalette an. Bis spät in den Abend muss das Brot in den Regalen frisch sein, zu jeder Jahreszeit gibt es Erdbeeren. Und alles muss perfekt aussehen: Ein welkes Salatblatt, ein Riss in der Kartoffel oder eine Delle im Apfel - sofort wird die Ware aussortiert. Joghurtbecher schon zwei Tage vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums. Dass wir die Hälfte unseres Essens verschwenden, wirkt sich verheerend auf das Weltklima aus.

Die Landwirtschaft ist für mehr als ein Drittel der Treibhausgase verantwortlich, der Anbau der Lebensmittel verbraucht Energie und Dünger und zerstört immer mehr Regenwälder. Wenn Nahrungsmittel auf der Mülldeponie verrotten, entweicht zusätzlich Methangas, das bei der Erderwärmung 25-mal so stark wirkt wie Kohlendioxid. Unsere Verschwendungssucht verschärft auch den weltweiten Hunger. Früher mahnten uns unsere Mütter, den Teller leer zu essen: "Die Kinder in Afrika wären froh, wenn sie dieses Essen bekämen." Als Kinder haben wir sie nicht ernst genommen - wie sollten unsere Tellerreste auch zu den afrikanischen Kindern kommen? Doch die Aussage unserer Mütter war geradezu prophetisch. Die steigenden Weizenpreise belegen es:
Heutzutage kaufen wir unser Essen auf demselben Weltmarkt, auf dem auch die Entwicklungsländer kaufen. Würden wir weniger wegwerfen, müssten wir weniger einkaufen; die Preise fielen und es bliebe mehr für die Hungrigen. Aber es geht auch anders!

"Der Junge, der vom Himmel fiel" - Ein Film von Ulrike Westermann

Auf einem Feld in einem kleinen deutschen Dorf an der Grenze zur Schweiz nördlich des Zürcher Flughafens findet ein Spaziergänger die Leiche eines schwarzen Buben, tief in den regendurchtränkten Ackerboden gedrückt. Bananenschalen und eine Reisetasche im Fahrwerkschacht eines Airbusses aus Kamerun bestätigen die Vermutung, dass er aus einem Flugzeug fiel. Als blinder Passagier wollte Mforbei Solomon Fusi nach Europa fliegen. Die Rekonstruktion der Ereignisse und die Suche nach den Ursprüngen fördern Träume von einem Leben in Wohlstand sowie afrikanische und europäische Realitäten zutage. Jugendliche, die ihr Leben riskieren, um der Perspektivlosigkeit in ihren Heimatländern zu entkommen, werden auch als "Wirtschaftsflüchtlinge" bezeichnet. "Der Junge, der vom Himmel fiel" verleiht diesem Begriff ein Gesicht und eine Geschichte und macht wieder einen Menschen aus ihm. Der Film folgt den Spuren Solomons bis in die Tiefe seiner Heimat und beginnt mit dem letzten Kapitel aus Solomons Geschichte.

"Der Junge, der vom Himmel fiel" wird in dem kleinen Ort Lauchringen post mortem adoptiert. Er wird feierlich bestattet und erhält einen Grabstein aus Granit, in den Afrika eingraviert und Kamerun gekennzeichnet ist. Immer wieder liegen Blumen auf seinem Grab, der Pfarrer sagt, man habe ihm ein Stück Heimat gegeben. Er denkt aber auch, dass nicht jeder im Ort begeistert gewesen wäre, wäre Solomon lebend zu ihnen gekommen. In Frankreich lernten zwei Menschen Solomon kennen, als er vier Monate vor seinem Tod auf dem Rollfeld des Pariser Flughafen Charles de Gaulle aufgegriffen wurde. Solomon erzählte die unglaubliche Geschichte, er sei im Fahrgestellschacht eines Flugzeuges gereist. Solomons Pflegemutter lobt ihn als braven Buben, der nicht so raubeinig war wie die anderen, und der Sozialfürsorger bedauert, dass Solomon eines Tages beschloss, wieder nach Kamerun zurückzukehren.

Solomons Familie ist glücklich, den verlorenen Sohn zurück zu haben, doch die Freude währt nur kurz. Zwei Wochen nach seiner Rückkehr versucht Solomon erneut, als blinder Passagier nach Europa zu gelangen, diesmal mit tödlichem Ausgang. Die Menschen, die mit ihm lebten, erzählen mit großer Offenheit seine Geschichte, aber auch ihre Erwartungen, Bewertungen und ihre Moral. Sie entwerfen ein widersprüchliches Bild des Buben und man erhält sehr persönliche Innenansichten einer afrikanischen Familie. Diese lassen ahnen, welcher Druck auf der jungen afrikanischen Generation lastet, die einerseits die soziale Hoffnung und Perspektive der Familien ist und andererseits von einem Leben als freies Individuum nach westlichem Vorbild träumt.

Österreichischer Klimaschutzpreis 2012

Lebensmittel bewusster zu verwenden kann ein wertvoller Beitrag zum Klimaschutz sein und steht in im Zentrum zahlreicher Projekte, die in den vergangenen Jahren für den von ORF und Lebensministerium seit 2008 vergebenen Österreichischen Klimaschutzpreis eingereicht wurden. Die Anmeldefrist zum Österreichischen Klimaschutzpreis 2012 endet heuer am 17. August. Erstmals wird 2012 auch ein "Österreichischer Klimaschutzpreis Junior" für Kinder von acht bis 14 Jahren vergeben, hier endet die Einreichfrist am 5. Juni. Infos und Einreichungen:
http://klimaschutzpreis.ORF.at.

"kreuz und quer" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar und steht als zeitnahe Servicewiederholung am Mittwoch im Hauptabend auf dem Programm von ORF III Kultur und Information.

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