OTS0172 5 CI 0481 NGB0006 WI Mo, 14.Nov 2011
Verkehr / EU / Gewerkschaften / Luftfahrt / Flugahfen / Wien

vida-Rozboril: "EU-Kommission bringt nur Rückschritt statt sozialem Fortschritt"

AKNÖ-Haneder: "Wir stehen für faire Bezahlung und die Sicherheit der Fluggäste"

Wien (OTS/vida/ÖGB) - "Die realen Löhne in den Bodenabfertigungsdiensten sind in vielen europäischen Ländern in den letzten Jahren bereits auf Talfahrt gegangen", warnte Dieter Rozboril, Vorsitzender des Arbeiterbetriebsrats am Flughafen Wien im Rahmen einer Betriebversammlung der ArbeiterInnen der Bodenabfertigungsdienste. Die Informationsveranstaltung richtete sich gegen den von der EU-Kommission geplanten neuen Entwurf zur Richtlinie für die Bodenverkehrsdienste auf Flughäfen. "Wir erwarten von der EU-Kommission und vom österreichischen EU-Kommissar, dass sie sich endlich den im EU-Vertrag festgelegten Zielen des sozialen Fortschritts und der sozialen Gerechtigkeit verpflichtet fühlen und dementsprechende Regelungsvorschläge vorlegen, statt einen Wildwuchs an Wettbewerb hervorzurufen", forderte Rozboril angesichts der in einzelnen EU-Ländern bereits um rund 20 Prozent gesunkenen Löhne, was vereinzelt bereits nur mehr einen Stundenlohn von 9 Euro für FlughafenarbeiterInnen ausmache.++++

Die Versammlung am Flughafen fand im Rahmen eines europaweiten Aktionstages der Europäischen Transportarbeiter-Föderation (ETF) statt. Auf rund 15 europäischen Flughäfen kam es zu Protestaktionen. Unterstützung für die Beschäftigten gab es von AKNÖ-Präsident und niederösterreichischem ÖGB-Vorsitzenden Hermann Haneder. Der AKNÖ-Präsident warnte bei der Betriebsversammlung davor, dass das qualifizierte Personal durch die Richtlinie unter Druck komme und durch weniger qualifiziertes ersetzt werde. "Brüssel will hier etwas, was wir nicht wollen. Wir stehen für faire Bezahlung und die Sicherheit der Fluggäste, und Brüssel gefährdet das", betonte Haneder im Rahmen der Betriebsversammlung.

BetriebsrätInnen und die Gewerkschaft vida machten am Flughafen Wien nach einer Betriebsversammlung im Oktober heute erneut darauf aufmerksam, dass sich die soziale Situation der Beschäftigten immer mehr verschärfe. "Ursache dafür ist eine Regelung der EU, die vor einigen Jahren dafür gesorgt hat, dass Unternehmen mit niedrigsten Löhnen und generell schlechten Arbeits- und Sozialbedingungen als Dienstleister für Bodenabfertigungsdienste zugelassen werden müssen", erklärte Rozboril, der auch Vorsitzender des vida-Berufsgruppenfachausschusses Bodenverkehrsdienste ist. Die ArbeitnehmerInnen der Dienste rund ums Flugzeug litten seitdem unter der massiven Ausweitung von Teilzeitjobs und prekären Arbeitsverhältnissen, viele unter Lohnstillstand bzw. sinkenden Einkommen.

"Die Ideen der EU-Kommission haben statt sozialem Fortschritt nur Rückschritt gebracht", kritisierte der Betriebsratsvorsitzende. Die EU-Kommission will voraussichtlich am 30. November 2011 den Vorschlag für eine neue EU-Regelung bezüglich der Bodenverkehrsdienste beschließen. Damit sollen die EU-Staaten dazu gezwungen werden, noch mehr "Billigunternehmen" an den Flughäfen zuzulassen, ergänzte Rozboril.

Die BetriebsrätInnen und die Gewerkschaften fordern die EU-Kommission stattdessen auf, die hohe Qualität und größtmögliche Sicherheit für die Passagiere zu gewährleisten, anstatt Rechte der Beschäftigten mit Füßen zu treten. "Flugzeugabfertiger sind die ersten Beschäftigten nach der Landung und die letzten, die vor dem Start der Flugzeuge an diesen arbeiten. Ein Fehler durch nicht ausreichend qualifizierte Arbeitskräfte oder durch Kollegen, die wegen Zweitjobs zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes übermüdet sind, kann gerade in einem Bereich wie der Luftfahrt fatale Folgen bis hin zu schweren Unglücken haben. Deshalb darf die Sicherheit aller nicht der Profitgier einiger weniger geopfert werden", bekräftigte Rozboril.

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