OTS0122 5 KI 0766 NRK0015 Do, 06.Okt 2011
Kultur / Wien / Theater / Diversität / Garage X

"PIMP MY INTEGRATION" in der GARAGE X

Labor für postmigrantische Theaterarbeit startet

Wien (OTS) - Die GARAGE X wird für die kommenden Monate zum Labor für postmigrantische Kulturarbeit. Unter dem Titel "PIMP MY INTEGRATION" werden in einer Vielzahl von Veranstaltungen - Theater, Musik, Performances, Workshops und Filmvorführungen, Vorträgen, Diskussionsrunden, Round Tables mit ExpertInnen - die Bedingungen für postmigrantische Kulturarbeit in Wien erforscht. "Kultur muss für alle da sein - das meint natürlich auch die Wienerinnen und Wiener mit Migrationshintergrund. Daher sehen wir Migrant Mainstreaming im Sinne einer aktiven Einbeziehung aller kulturellen Identitäten in das kulturelle Leben in Wien als eine der wichtigsten Aufgaben der Kulturpolitik", erklärte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny heute, Donnerstag, bei der Pressekonferenz in der GARAGE X. Mit der postmigrantischen Projektreihe startet ein Prozess, an dessen Ende -wie im rot-grünen Koalitionspapier vorgesehen - ein Konzept für die Einrichtung eines "postmigrantischen Kulturraumes" in Wien stehen soll. Kuratiert wird die Projektreihe von den Leiterinnen der Freien Theatergruppe "daskunst" Asli Kislal und Carolin Vikoler sowie den Direktoren der GARAGE X Ali M. Abdullah und Harald Posch.

"Das kulturelle Erbe, aber auch die kulturelle Gegenwart Wiens sind signifikant durch den Einfluss von Migration und mithin durch kulturellen Austausch geprägt. Doch die migrantische Realität spiegelt sich noch zu wenig im öffentlichen und kulturellen Leben wider", fuhr der Kulturstadtrat fort. Seitens der Kulturpolitik werden deshalb Projekte zur Einbindung und stärkeren Berücksichtigung von MigrantInnen in den Kulturbetrieb besonders unterstützt. "Es geht dabei auch um die Frage, ob für postmigrantische Kulturarbeit überhaupt ein eigener Ort notwendig ist oder ob eher die vermehrte Einbindung von Menschen mit migrantischem Hintergrund in die bestehenden Strukturen anzustreben ist", erläuterte Mailath die Idee.

"44 Prozent der Wienerinnen und Wiener haben einen so genannten Migrationshintergrund", ergänzte Klaus Werner-Lobo, Kultursprecher der Grünen Wien. "Das heißt, dass sie oder ihre Eltern mit unterschiedlichsten Talenten, Geschichten, Hoffnungen und Träumen hierher gekommen sind. Wir wollen diesen Reichtum, aber auch die Konflikte mit restriktiven Zuwanderungsgesetzen, Rassismus und Diskriminierung sichtbar machen und auf die Bühnen dieser Stadt bringen."

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, nur Kultur von MigrantInnen für MigrantInnen zu fördern und damit zu ghettoisieren, sondern auf höchstem künstlerischem Niveau das Potenzial von "Mehrheimischen" für die gesamte Stadtbevölkerung und ein weltoffenes Wien zu entwickeln. "Solche Entwicklungen können nicht von der Kulturpolitik top-down verordnet werden", betonte Werner-Lobo. "Deshalb haben wir einen bottom-up-Prozess angeregt, in dem Kulturschaffende und -expertInnen selbst definieren, welche Räume und Möglichkeiten sie für eine Kultur der gelebten Vielfalt benötigen."

"Die großen Bühnen tun zu wenig, um die gesellschaftlichen Veränderungen auf die Bühne und in den Zuschauerraum zu holen", stellt Ali M. Abdullah fest, der gemeinsam mit Harald Posch seit 2009 die GARAGE X leitet. Gemeinsam mit der freien Theatergruppe daskunst, die in der Spielzeit 2010/2011 als artists in residence in der GARAGE X gearbeitet haben, wird nun eine Initiative gesetzt.

"Die Ausschlussmechanismen funktionieren, reaktionäre politische Ansagen von Leitkultur und Fremdheit wirken auch für große Kulturinstitutionen nach wie vor als Vorhängeschloss", sagt Asli Kislal, "die gesellschaftliche und demographische Entwicklung muss aber endlich auch in der Kultur ankommen".

Harald Posch ergänzt: "Mit diesem Projekt wollen wir den gläsernen Plafond der großen Kulturinstitutionen für migrantische Künstler durchbrechen". Und weiter: "Nicht nur in anlassbezogenen Projekten sollen migrantische KünstlerInnen das kulturelle Stadtbild mitprägen, sondern vielmehr nachhaltig in der Szene Fuß fassen können."

"Gerade Kunst- und Kulturinstitutionen können dem Alltagsrassismus Diversität entgegensetzen, damit das Bild von Österreich die Wirklichkeit einholt. Dafür jedoch müssen sich die Institutionen öffnen", stellt Carolin Vikoler fest.

Projektreihe Postmigrantische Positionen

In der von 25. Oktober bis 30. November und 18. Januar bis 10. Februar dauernden Projektreihe werden bedeutende internationale Theaterproduktionen, wie "Schnee" vom Berliner Theater Ballhaus Naunynstraße oder "Arabboy" vom Heimathafen Neukölln/Berlin gezeigt. Aber auch heimische Uraufführungen und Wiederaufnahmen bereits erfolgreich gelaufener Stücke, wie "Verrücktes Blut" von Nurkan Erpulat & Jens Hilje, "Unfun" der Garage X oder "Wie Branka sich nach oben putzte" von der freien Theatergruppe "daskunst" stehen auf dem Programm.

Der Theater-Schwerpunkt wird durch ein umfangreiches Rahmenprogramm ergänzt: musikalische Liveacts, Stand Up Comedies sowie Filmvorführungen und Diskussionsrunden mit österreichischen und internationalen Experten, darunter u.a. Mark Terkessidis, Journalist, Autor und Migrationsforscher, Sabine Strasser, Universitätsprofessorin für Kultur- und Sozialanthropologie Wien, Erol Yildiz, Soziologe und Autor, Azadeh Sharifi, Theaterwissenschaftlerin, Nurkan Erpulat, Theater- Regisseur und Autor, uvm. rücken das Thema und die identitäre Verortungen der (postmigrantischen) Gesamtgesellschaft in den Mittelpunkt.

Rückfragehinweise:

Mag. Gerlinde Riedl
Mediensprecherin StR. Dr. Andreas Mailath-Pokorny
Tel.: 01 4000-81854
gerlinde.riedl@wien.gv.at

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Petra Reichenberger, pr kompakt
Pressereferentin GARAGE X
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