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Wirtschaft / Pressestimmen / Vorausmeldung

"Kleine Zeitung" Kommentar: "Vertagen und Versagen bei der Euro-Rettung" (von Manfred Neuper)

Ausgabe vom 17.09.2011

Graz (OTS) - Die endgültige Entscheidung über die nächste Milliarden-Hilfstranche für Griechenland - später. Die Entscheidung über das zweite Hilfspaket und den permanenten Euro-Rettungsschirm -später. Die Entscheidung über den finnischen Wunsch nach einem Pfand für die Griechenland-Hilfe - später. Was war das nicht wieder für ein erhellendes Euro-Finanzministertreffen.

Wenn man sich die Statements der Beteiligten so anhört, könnte man ob ihrer wiederkehrenden Beliebigkeit meinen, es ginge darum, neue Designs für die Euro-Banknoten zu finden. Dabei geht es um nicht weniger als die Zukunft derselben.

War das Treffen in Breslau jetzt eigentlich ein Krisengipfel? Ein Sondergipfel? Ein Krisensondergipfel? Oder doch ein Sonderkrisengipfel? Nein. Ein informelles Euro-Finanzministertreffen. Worte, so wissen wir, wollen vorsichtig gewählt sein. Wer das Unaussprechliche, wie etwa Schuldennachlass oder gar Bankrott in den Mund nimmt, wird getadelt.

Weil: "Was wir nicht brauchen können, ist weitere Unruhe auf den Finanzmärkten", wie Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel zuletzt als Reaktion auf die Insolvenz-Überlegungen ihres Regierungspartners Philipp Rösler messerscharf analysierte. Das brauch' ma wirklich net. Verunsicherte Finanzmärkte, eine schlimme Vorstellung. War es also ein Schönsprech-Gipfel? Ernsthaft und doch ein bisserl beruhigend soll's klingen. Bestimmt aber nicht zu bestimmend. Das fürchterliche Wort der "Alternativenlosigkeit", das die Debatte seit Monaten lähmt, ist noch immer allgegenwärtig.

Mittlerweile klingt das so: "Sollte eine Situation eintreten, dass dieser Weg plötzlich teurer wird als Alternativen, müssen wir über die Alternativen nachdenken", sagt Österreichs Finanzministerin Maria Fekter.

Klar ist, dass die Rettung Griechenlands, die Rettung des Euro keine leichte Fingerübung ist. Es gibt keine einfachen Antworten. Und hetzerische Griechen-raus-Parolen lösen das Problem ebenso wenig. Aber an einem leidet die mutmaßliche Strategie vulgo Milliarden-Flickwerk der Eurozonen-Lenker seit der Eskalation der Schuldenkrise: An einem verordneten Denkverbot und einer Tabuisierung von möglichen Alternativen. Doch das mit dem großen Pssst funktioniert nicht.

Als hätten wir noch einen Beweis dafür gebraucht, wie ernst die Lage wirklich ist, hat die Ideenlosigkeit der europäischen Politik nun sogar dazu geführt, dass sich die USA aufgerufen fühlen, Europa Tipps im Kampf gegen die Schuldenkrise zu geben. Was für ein Vorbild! Das klingt nach einem Raucherentwöhnungsseminar beim Marlboro-Man.****

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