OTS0044 5 WI 0459 NKI0001 Di, 28.Jun 2011
Konsumenten / Handel / Soziales / Umwelt / Unternehmen

KONSUMENT: Ethiktest Jeanshersteller - Die "Guten" und die "Bösen"

H&M, Zara und Jack & Jones vergleichsweise engagiert im Bereich der unternehmerischen Verantwortung; Schlusslichter: Hugo Boss, Kuyichi und Diesel

Wien (OTS/VKI) - Umweltverschmutzung und miserable Arbeitsbedingungen begleiten die Jeansherstellung: vom Baumwollanbau über die Stoffproduktion bis hin zur Jeansfertigung. Zu trauriger Publizität ist in der letzten Zeit das Sandstrahlverfahren gelangt, das Tausende Arbeiter mit dem Erstickungstod bedroht. Welche Hersteller und Vertreiber von Jeans setzen in ihrem Einflussbereich aber nun zumindest soziale und ökologische Mindeststandards bei der Herstellung von Jeans durch? Wer sind die "schwarzen Schafe" der Branche? Dies hat der Verein für Konsumenteninformation (VKI) gemeinsam mit acht weiteren europäischen Verbraucherorganisationen untersucht und in der Juli-Ausgabe des Testmagazins KONSUMENT publiziert. Die beste Unternehmenspolitik von insgesamt 13 Jeansherstellern findet sich demnach bei der schwedischen Handelskette Hennes & Mauritz - auch wenn sich in der Praxis Mängel zeigen: übermäßige und schlecht bezahlte Überstunden, keine Arbeitsverträge für Zeitarbeiter. Im Bereich Sozialpolitik folgen Zara und Levi's auf den weiteren Plätzen, in Umweltagenden punkten Jack & Jones und abermals Levi's. Wie bereits beim letzten Test vor nahezu zehn Jahren (KONSUMENT 2/2002) verweigerten hingegen Diesel, Lee und Wrangler jede Auskunft bzw. lehnten eine Kooperation ab -ebenso wie Hugo Boss, Kuyichi, KiK und 7 for all mankind.

"Unternehmerische Verantwortung wird hier weder in der Unternehmenspolitik und schon gar nicht in der Praxis groß geschrieben", kritisiert Ethikexperte Peter Blazek. "Wer sich nicht vom Markenimage oder einem unschlagbar günstigen Preis blenden lassen möchte, kann schon allein mit der Wahl der ,richtigen' Jeans ein Zeichen setzen und so die Unternehmen ,motivieren' sich stärker im Bereich der unternehmerischen Verantwortung zu engagieren."

Der Fokus der Untersuchung lag auf der Fertigung der Hosen - auf Zuschneiden, Nähen, Endbearbeitung und Auslieferung. Die vorgelagerten Stufen Baumwollanbau, Garn- und Stoffproduktion blieben unberücksichtigt. Ausgewählt wurden Jeans- bzw. Modemarken (Levi's, Diesel, Boss, etc.) sowie Handelskonzerne mit Eigenmarken (H&M, Zara, KiK). Von den 13 veröffentlichten Jeansanbietern zeigten sieben keine Reaktion oder lehnten eine Kooperation ab, sechs hingegen beantworteten die umfangreichen Fragebögen und erlaubten den Besuch von Produktionsstätten (H&M, Zara, Jack & Jones, Levi's, Nudie Jeans, G-Star Raw).

In der Produktion - besonders in der Endbearbeitung - gibt es generell große Mängel. Die Nassverarbeitung (Schleifen, Sprühen, Sandstrahlverfahren, Kunstharz- oder Laserbehandlung) birgt ein hohes Gesundheitsrisiko, dem nicht entsprechend Rechnung getragen wird. In den besuchten Fabriken mangelte es an effizienten Abgas- und Ventilationsanlagen, es gab zu wenige Gesundheitschecks und gefährliche Chemikalien wurden allzu bedenkenlos eingesetzt. Fazit:
Die Bemühungen um Transparenz der kooperierenden Unternehmen sind lobenswert, ein weiterer wichtiger Schritt wäre aber nun die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Umweltverträglichkeit in der Produktion vor Ort.

Alle Details zum Ethiktest gibt es auf www.konsument.at sowie im Juli-KONSUMENT.

Rückfragen & Kontakt:

Verein für Konsumenteninformation/Testmagazin "Konsument"
Mag. Andrea Morawetz, Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 01/588 77 - 256
amorawetz@vki.at
www.konsument.at

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