OTS0194 5 CI 1259 NEF0012 XI Mo, 27.Jun 2011
Wissenschaft / Forschung / Auszeichnung / Medizin / Gesundheit / Patienten

WWTF-Life Sciences Call 2011: 5 Millionen Euro für die patientenorientierte Forschung in Wien

Wien (OTS) - Beim Life Sciences Call 2011 des WWTF werden acht Projekte gefördert, die sich zum Ziel gesetzt haben, das Verständnis von der Entstehung von Krankheiten zu erweitern, und damit die Entwicklung therapeutischer Interventionen zu ermöglichen. Die geförderten Wiener Forschungseinrichtungen beschäftigen sich alle gezielt mit den Schnittstellen von Grundlagenforschung und klinischer Anwendung und erhalten dafür insgesamt rund fünf Millionen Euro.

Seit 2003 fördert der WWTF im Rahmen seiner Life Sciences Calls die medizinische Grundlagenforschung in Wien. Mit der seit 2007 existierenden Fördermöglichkeit "Linking Research and Patients' Needs" werden nun vor allem Projekte gefördert, welche die Interaktion von Labor und Klinik vorantreiben sollen. "Die zentrale Herausforderung dabei ist es, jene Erkenntnisse, die in der Grundlagenforschung gewonnen werden, besser für die Betreuung von PatientInnen und die Bekämpfung von Krankheiten nutzen zu können", so Michael Stampfer, Geschäftsführer des WWTF. "Bislang gab es in der österreichischen Forschungsfinanzierung nur wenige Möglichkeiten für größere Projektförderungen in diesem Bereich". Die Bedeutung des Forschungsfeldes zeigt auch die kurz vor der Entscheidung stehende Initiative des Wissenschaftsfonds - FWF zur Förderung von Klinischer Forschung.

Großes Interesse in der Community, Vergabe von 5 Millionen Euro

Dementsprechend groß war auch das Interesse aus der Scientific Community: Insgesamt sind 83 Projektanträge beim WWTF eingelangt. Eine internationale 11-köpfige Jury hat - auf Basis einer weltweiten Fachbegutachtung - schließlich acht Projekte mit einer Gesamtsumme von 4,93 Millionen Euro zur Förderung empfohlen.

Medizinische Universität Wien bei sieben Projekten beteiligt

Die geförderten Projekte beschäftigen sich mit den unterschiedlichsten Gebieten der medizinischen Forschung und reichen von der Immunologie, über die Anwendung neuer Medikamente bis hin zum Einsatz neuer technologischer Verfahren.

Die Projektförderung beträgt im Einzelfall zwischen 250.000,- Euro und 800.000,- Euro, die Projektlaufzeit drei bis vier Jahre.
Sechs der bewilligten Projekte wurden von der Medizinischen Universität Wien eingereicht, bei einem weiteren ist sie Projektpartnerin. Bei zwei Projekten hat das Health & Environment Department der Austrian Institute of Technology den Lead.

Klinische Forschung wichtiges Thema für WWTF

"Der WWTF wird das Thema Klinische Forschung und die Übergänge zwischen Labor und Klinik weiter verfolgen. In Wien besteht ein sehr großes Potential für die Unterstützung von Forschung direkt an der Schnittstelle zu den PatientInnen". Seit 2003 wurden bei fünf Life Sciences Calls insgesamt 43 Projekte mit einem Gesamtvolumen von etwa 25 Millionen Euro gefördert. Darüber hinaus wurden 4 Stiftungsprofessuren in den Life Sciences vergeben.

Die Projekte im Detail:

1. Die Vision: Ein Kinderimpfprogramm gegen Karzinome

Das Forschungsprojekt der Universitätsklinik für Dermatologie an der Medizinischen Universität Wien beschäftigt sich mit Infektionen mit humanen Papillomaviren, die zumindest fünf Prozent der Karzinome weltweit verursachen. In einer Kooperation mit der Johns Hopkins University soll ein Impfstoffkandidat gegen 45 unterschiedliche Viren, die für die Verursachung von Karzinomen verantwortlich sind, im Labor und im Tiermodell getestet werden. Fernziel ist es, ein Kinderimpfprogramm für eine effektive und kosteneffiziente Maßnahme zur Prävention gegen die Neubildung solcher Karzinome zu entwickeln.

Projekttitel: "Second generation human papillomavirus (HPV) vaccine for broad-spectrum protection against HPV-induced skin and mucosal neoplasia"
Projektleiter: Reinhard Kirnbauer / Medizinische Universität Wien Projektdauer: 4 Jahre
Fördersumme: 800 kEuro

2. Auf der Suche nach den Ursachen von Lungenversagen

Akutes Lungenversagen ist ein großes Problem auf Intensivstationen mit 40% Mortalitätsrate. Man kennt in der Regel die Ursache des Lungenversagens, allerdings fehlen gezielte Therapien. Die Universitätsklinik für Dermatologie an der Medizinischen Universität Wien versucht im Rahmen dieses Projektes eine Methode zu entwickeln, um ein Eintreten des Lungenversagens zu verhindern. Es gibt hier noch keine zugelassenen Medikamente, die Ergebnisse können jedoch helfen, den Ausgangspunkt für die Entwicklung eines solchen Medikamentes zu schaffen.

Projektpartnerin: University of Amsterdam.
Projekttitel: "A new treatment concept for lung injury" Projektleiter: Peter Petzelbauer / Medizinische Universität Wien Projektdauer: 3 Jahre
Fördersumme: 492,8 kEuro

3. Neue Erkenntnisse bei Gelenkverschleiß durch Magnetresonanz

Das Projekt der Universitätsklinik für Orthopädie an der Medizinischen Universität Wien beschäftigt sich mit den Ursachen von Osteoarthrose bzw. Gelenksverschleiß. Die Arthrose beginnt mit einem traumatischen Knorpeldefekt und es gibt bereits funktionierende chirurgische Behandlungen dagegen; man weiß jedoch wenig darüber, warum diese Behandlungen funktionieren und was die beste Behandlungsmethode zu welchem Zeitpunkt ist. Mittels Magnetresonanz sollen diese Techniken nun evaluiert werden.

Projekttitel: "Quantitative MRI assessment of cartilage glyco-saminoglyacan content in the ankle"
Projektleiter: Stephan E.R. Domayer / Medizinische Universität Wien Projektdauer: 3,5 Jahre
Fördersumme: 508,8 kEuro

4. Früherkennung von Brustkrebs

Das Health & Environment Department am Austrian Institute of Technology / AIT erarbeitet neue Methoden, um Brustkrebs möglichst früh zu erkennen. Ziel ist es, Biomarker zu finden und einen Prototyp-Test zu evaluieren, um die Brustkrebsdiagnostik zu vereinfachen. Damit soll - ergänzend zur Mammographie - eine Methode entwickelt werden, um die Krebs-Früherkennung zu verbessern. Partnerinnen sind die Medizinische Universität Wien und die Universität für Bodenkultur.

Projekttitel: "Serum-Autoantibody testing for early diagnosis of Breast Cancer"
Projektleiter: Andreas Weinhäusel / Austrian Institute of Technology (AIT)
Projektdauer: 3 Jahre
Fördersumme: 579,3 kEuro

5. Mit Neutronenbestrahlung gegen Leberkrebs

"Ich dachte zuerst, das ist science fiction", meinte verblüfft ein Jurymitglied des Calls. Im Projekt des Health & Environment Department am Austrian Institute of Technology / AIT geht es um Leberkrebs, eine besonders lebensbedrohende Krebsform. Was die Behandlungsformen betrifft, stagniert die Forschung. Das Projekt versucht, neue Wege der Behandlung zu entwickeln. Der Ansatz: Die Leber eines Patienten wird chirurgisch entfernt, innerhalb eines Kernforschungsreaktors bestahlt und dann dem Patienten wieder eingesetzt. Erste klinische Versuche haben gezeigt, dass die Neutronenbestrahlung die Eliminierung der Metastasen bewirkt. Ziel des Projektes ist es, die Behandlungsweise hinsichtlich Zeitpunkt und Dosis zu optimieren. Partnerin: Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Projekttitel: "Enhanced Therapy for Liver Malignancies based on Optimised Secondary Particle Radiotherapy and Bio-pharmacokinetic Modelling"
Projektleiterin: Claudia Kuntner / Austrian Institute of Technology (AIT)
Projektdauer: 3 Jahre
Fördersumme: 806,6 kEuro

6. Auf der Jagd nach Immunzellen

Ein weiteres Projekt beschäftigt sich mit der Entstehung von Hautkrebs. Eine Forschungsgruppe an der Universitätsklinik für Dermatologie an der Medizinischen Universität Wien hat festgestellt, dass es spezielle Immunzellen gibt, die das Wachstum von Tumoren stimulieren können. Die Hypothese besagt, dass die gezielte Bekämpfung dieser Immunzellen das Wachstum von Tumorzellen eindämmen kann. Einerseits wird diese Hypothese an PatientInnen evaluiert, andererseits will man verstehen lernen, warum diese Zellen diesen stimulierenden Effekt haben.

Projekttitel: "Tumor-infiltrating CD20+ B cells: Promoters of human melanoma?"
ProjektleiterInnen: Margarita Maurer/ Stephan Wagner/ Medizinische Universität Wien
Projektdauer: 3 Jahre
Fördersumme: 767,4 kEuro

7. Mittels Bildverarbeitung dem Grünen Star vorbeugen

Die Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie der Medizinischen Universität Wien geht in ihrem Projekt der Frage nach dem Grünen Star und dessen Früherkennung nach. Hierzu gibt es bereits gute Methoden, allerdings reagiert jeder Mensch darauf unterschiedlich. Ziel des Forschungsprojektes ist es nun, mittels einer automatisierten Methode der Bildverarbeitung, die Interpretation zu vereinheitlichen und die Frühdiagnose von Glaukom zu verbessern.

Projekttitel: "The relation between retinal and optic nerve head parameters and circumpapillary retinal nerve fiber layer profile" Projektleiter: Clemens Vass / Medizinische Universität Wien Projektdauer: 3 Jahre
Fördersumme: 265,5 kEuro

8. Mehr Lebensqualität für RückenmarkspatientInnen

Ein Projekt des Zentrums für Medizinische Physik an der Medizinischen Universität Wien beschäftigt sich schließlich mit Schädigungen des Rückenmarks und deren Effekte (neben Lähmungserscheinungen vor allem Spastizität). In diesem Projekt wird versucht, fehlende neuronale Antriebsmechanismen via Stimulation mit Hautelektroden wieder herzustellen; Ziel ist nicht die Heilung, sondern eine Reduktion der Willkür in den Muskelbewegungen. Letztendlich will man damit die Lebensqualität der betroffenen PatientInnen und deren Unabhängigkeit steigern.
Projekttitel: "Augmentation of residual neural control by non-invasive spinal cord stimulation to modify spasticity in spinal cord injured people"

Projektleiter: Ursula Hofstötter/ Winfried Mayr / Medizinische Universität Wien
Projektdauer: 4 Jahre
Fördersumme: 710 kEuro

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Daniela Frischer
Wiener Wissenschafts-, Forschungs-
und Technologiefonds (WWTF)
Schlickgasse 3/12, 1090 Wien
Tel: 01/402 3143-15
e-mail: daniela.frischer@wwtf.at

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