OTS0164 5 II 0440 KAT0001 Do, 05.Mai 2011
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Bin Laden-Tod: Österreichische Theologen üben Kritik

Nach dem Tod Osama Bin Ladens mehren sich die kritischen Stimmen zur Vorgehensweise der USA auch in Österreich - Ein "Kathpress"-Rundruf unter Theologen und Ethikern

Wien, 05.05.11 (KAP) Nach dem gewaltsamen Tod Osama Bin Ladens regt sich auch in Österreich Kritik an der Vorgehensweise der USA sowie an den weltweiten Reaktionen in der Öffentlichkeit. Weder sei der von den Medien kolportierte Jubel über den Tod eines Menschen - und sei es auch ein Top-Terrorist - angebracht, noch stehe es einem demokratischen Rechtsstaat wie den USA an, sich mit einer solchen Aktion über die eigenen rechtlichen Normen und Werte hinwegzusetzen. Dies ist der Tenor eines "Kathpress"-Rundrufs unter österreichischen Theologen und Ethikern.

So zweifelt die Wiener Sozialethikerin Prof. Ingeborg Gabriel, dass der Tod Bin Ladens das Problem des internationalen Terrorismus löse. "Für die nähere Zukunft dürfte sogar das Gegenteil gelten. Und die weltweit übertragenen Jubelfeiern dürften den islamistischen Terror weiter anheizen". Kritisch auch Gabriels Einschätzung des rechtlichen Status' der Aktion: So sei die gezielte Tötung dem "Spezifikum von Rechtsstaaten direkt entgegengesetzt", mehr noch heble die Aktion "das Völkerrecht aus". Die Bindung des Rechtsstaats an Menschenrechte sei "die eigentliche Errungenschaft" moderner Staaten, mit einer sich so verstehenden Demokratie sei daher eine Tötungsaktion weder moralisch noch politisch vereinbar.

Kritik an einem archaischen Rache-Vergeltungs-Denken, das aus der Tötungsaktion herauszulesen sei, üben die Innsbrucker Theologen Prof. Wolfgang Palaver und Prof. Jozef Niewiadomski. Rache und Vergeltung hätten eine lange Tradition, dennoch könne diese Tradition nicht als Legitimation für das Vorgehen der USA verstanden werden. Die Rechtsstaatlichkeit verlange es, auch Feinden und Verbrechern Menschenrechte und Menschenwürde zuzugestehen, die nur in Ausnahmefällen wie der Notwehr außer Kraft gesetzt werden dürften. Anstelle der Tötung wäre ein "ordentliches Verfahren" vor dem Internationalen Strafgerichtshof angebracht gewesen, so Palaver.

Jozef Niewiadomski fügte dem hinzu, dass für eine politische Kultur, die in den Menschenrechten ihre "normative Basis" hat, "der Jubel niemals eine Reaktion auf die Tötung eines Menschen sein kann". Auch könne selbst die gezielte Tötung eines Terroristen niemals moralisch legitim sein, da das staatliche Handeln ansonsten zu einem Spiegel der terroristischen Gewalt würde.

Der Grazer Sozialethiker Prof. Kurt Remele betonte, es könne zwar durchaus "Extremsituationen geben, in denen die Tötung eines Menschen möglicherweise ethisch gerechtfertigt sein kann"; dies könne jedoch immer nur als "ultima ratio" zur Anwendung kommen. Im Fall Bin Ladens lag diese Situation jedoch nicht vor, auch trage das vereinzelt zu hörende Argument vom gerechtfertigten "Tyrannenmord" nicht: "Weder war Bin Laden ein Tyrann im klassischen Sinn noch war seine Tötung zwingend notwendig." Die Aktion lasse daher Momente eines weiterhin bestehenden "archaischen Bestrafungsdenkens" erkennen.

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