OTS0176 5 II 0310 KAT0001 Fr, 25.Feb 2011
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Tirol: Gedenken an Scheiterhaufentod Jakob Hutters vor 475 Jahren

"Hutterer Arbeitskreis" und "Pax Christi" erinnern an dunkles Kapitel der Tiroler Geschichte

Innsbruck, 25.02.11 (KAP) Mit einer Gedenkveranstaltung, an der der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer und die evangelisch-lutherische Superintendentin für Salzburg-Tirol, Luise Müller, teilnehmen, wird am Dienstag an den 475. Todestag des Reformators Jakob Hutter (1500-1536) erinnert. Hutter wurde am 25. Februar 1536 in Innsbruck als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Gedenkveranstaltung am 1. März in der Tiroler Landeshauptstadt wird vom "Hutterer Arbeitskreis Tirol & Südtirol" sowie und vom Tiroler Zweig der katholischen Friedensbewegung "Pax Christi" organisiert.

Jakob Hutter, der aus St. Lorenzen im Pustertal stammte, war einer der bedeutendsten Gemeindevorsteher der Täuferbewegung, die auf Grund der damaligen sozialen, politischen und kirchlichen Missstände radikale Reformen einmahnte und deshalb brutal verfolgt wurde. Hutter wurde in Klausen verhaftet und nach zehn Wochen Verhör und harter Folter in Innsbruck am 25. Februar 1536 vor dem "Goldenen Dachl" als Ketzer und Staatsfeind verbrannt.

Die Nachfahren seiner Gemeinde flohen Jahrhunderte lang immer wieder vor dem Zwang zum Kriegsdienst und der Gegenreformation durch viele Länder Europas und erreichten schließlich Nordamerika. Heute leben die Hutterer in Kanada und den USA auf 265 Bruderhöfen nach wie vor in Gütergemeinschaft und Ablehnung von Kriegsdienst.

Der "Hutterer Arbeitskreis" bemüht sich um eine Aufarbeitung der Geschichte und pflegt enge Kontakte mit Hutterern und ihren Ältesten. Mit den Nachfahren der damaligen Opfer - heute leben ca. 45.000 Hutterer in den USA und Kanada - wurde ein Zeichen der Versöhnung eingeleitet. Dazu haben die Bischöfe und Landeshauptleute Tirols und Südtirols 2008 einen Brief an die Ältesten der Hutterer geschrieben, in dem das damalige Unrecht eingestanden wird. Aus der Aufarbeitung der Geschichte sollte sich laut Arbeitskreis auch mehr Respekt und Toleranz gegenüber heutigen religiösen Minderheiten in Tirol und Südtirol ergeben.

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