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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Spekulation mit der Natur"

Ausgabe vom 7. Oktober 2010

Wien (OTS) - Alle Welt redet derzeit von Sicherheit. Mehr Polizisten, Datenaustausch, strenge Gesetze gegen organisierte Kriminalität und Terror. Sicherheit bei Lebensmitteln, im Luft- und Autoverkehr, am Arbeitsplatz. Sogar neue Bankenvorschriften kommen, also Sicherheit im Finanzsystem. Im globalen Sicherheitswahn wird eines ausgespart: die Natur. Die aktuelle Katastrophe in Ungarn zeigt, dass Sicherheit für die Umwelt kein Thema ist. Ein einziges Auffangbecken eines Aluminiumwerkes macht ein Dorf in Ungarn zur unbewohnbaren Wüste, sogar die Donau ist über Zubringerflüsse bedroht. Das ökologische System wird weder gesichert, noch wird in der offiziellen Politik ernsthaft über seinen Schutz nachgedacht.

Nun, die Katastrophe in Ungarn wird das hoffentlich ändern. Denn das Aufräumen des Drecks und die Spätfolgen werden von der Allgemeinheit zu bezahlen sein. Nicht nur von der ungarischen Bevölkerung, sondern von der europäischen. Es wird sehr teuer werden.
Die Eigentümer des ungarischen Unternehmens MAL werden es nicht bezahlen müssen. Selbst wenn deren Argumentation stimmt, alle Vorschriften seien eingehalten worden, ändert es nichts an der Ungeheuerlichkeit des Vorfalls. Wenn alle Vorschriften erfüllt worden sind, dann sind diese Vorschriften zum Krenreiben. Wenn die Auflagen nicht erfüllt worden sind, übersteigt der Schaden das Vermögen der MAL-Chefs bei weitem.

Der Hinweis von Umweltschutzorganisationen, dass noch viele andere solcher schwermetallhältigen Schlammbecken offen in der Landschaft herumstehen, lässt einem die Haare zu Berge stehen.

Wenn die Natur ernsthaft in die Sicherheitsdebatte einbezogen wird, dann erledigt sich manches wirtschaftliche Handeln von selbst. Auch für die Umwelt gilt daher: Internationale Regeln müssen her. Vergleichbare Katastrophen in China oder Südamerika wären um nichts besser, nur deutlich weiter weg.
Wie schon rund ums Geld wird auch mit der Umwelt wild spekuliert. Einige wenige profitieren davon in ungeheurem Maße, und wenn die Spekulationsblase platzt (oder eben ein Giftschlamm-Becken), muss die Allgemeinheit den Schaden abdecken. Kein gutes Konzept, nirgends.

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