OTS0282 5 II 0387 PWB0002 Mo, 17.Mai 2010
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Mit dem Rücken zur Wand - von Robert Lechner

Nicht nur die Euro-Turbulenzen sind das Problem der Banken

Wien (OTS) - Wer dieser Tage einen Blick auf die österreichische Bankenlandschaft wirft, den beschleicht ein dumpfes Gefühl des Unbehagens. Schuld daran sind nicht nur die Turbulenzen in der Eurozone. Das Problem ist vielmehr, dass sich fast alle wichtigen Banken in den vergangenen Monaten in eine strategische Sackgasse manövriert haben oder demnächst unter oft hausgemachten Zores leiden werden - und zwar jeweils zusätzlich zum Unbill der Weltwirtschaft.

Deutlich wurde das zuletzt, als die Fusionspläne von Bawag und Volksbanken AG geplatzt sind. Beide Institute stehen nun vor der Frage, wie es weitergehen soll. Und in beiden Fällen ist nur klar:
Derzeit gibt es keine besondere Perspektive. Bei der Bawag liegt das vor allem am Eigentümer Cerberus. Alles, was die Amerikaner momentan angreifen, scheint ihnen zu zerbröseln. Erst gestern kam die Meldung, dass nun auch die japanische Cerberus-Bank Aozora mit ihren Plänen für eine Fusion gescheitert ist. Ebenso wie im Fall Bawag soll das Zaudern der hochverschuldeten Höllenhunde aus New York den Deal zum Platzen gebracht haben. Im Gegensatz zum Spitzeninstitut der Volksbankengruppe stellt sich bei der Bawag/PSK zumindest nicht die Frage des schieren Überlebens. Wie das der ÖVAG ohne potenten Partner gelingen soll, steht in den Sternen - und hoffentlich nicht bald auf der Rechnung der Steuerzahler: Die ÖVAG schuldet dem Staat eine Milliarde Euro PS-Kapital.

Weit mehr, nämlich 1,35 Milliarden Euro, stecken in der Hypo Alpe Adria. Laufend neue Details zu den üblen Machenschaften, in die das frühere Management der Problem-Bank verstrickt war, sorgen nicht gerade dafür, dass sich das Institut frei am Markt bewegen kann. Fazit: Die Nummern vier, fünf und sechs auf dem österreichischen Bankenmarkt haben mit enormen Schwierigkeiten zu kämpfen.

Aber auch die Top Drei sahen schon bessere Zeiten: Raiffeisen ist zumindest im kommenden halben Jahr vor allem mit den eigenen Fusionsplänen von RZB und der Ostbank Raiffeisen International beschäftigt. In der Bank Austria beißen engagierte Manager zunehmend intern auf Granit. Es wird immer schwieriger, von der Zentrale in Mailand die Risikogenehmigung für größere Österreich-Geschäfte zu bekommen. Und im Sparkassenbereich geht die Angst vor Basel III um:
Das könnte den mühsam gezimmerten Haftungsverbund sprengen.

So wie es momentan aussieht, braucht die österreichische Bankenlandschaft rasch ein neues
Daseins-Konzept.

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