OTS0075 5 KI 0609 GOK0001 Mo, 06.Jul 2009
Fernsehen / ORF / Medien / Universum

"Universum" ist den Maulwürfen auf der Spur

"Das große Graben" am 7. Juli in ORF 2

Wien (OTS) - Eine Spurensuche im Untergrund - die "Universum"-Dokumentation "Das große Graben" von Pierre Bressiant (deutsche Bearbeitung: Martin Mészáros) zeichnet am Dienstag, dem 7. Juli 2009, um 20.15 Uhr in ORF 2 das Porträt eines kaum bekannten Wesens, das im Verborgenen lebt. Und wenn es sich einmal bemerkbar macht, dann meist sehr zum Unwillen vieler Gärtner. Denn Maulwürfe hinterlassen ihre Erdhaufen auch in noch so gepflegten Rasenflächen. Die Kamera folgt den kleinen Tunnelbauern in ihre Labyrinthe unter der Erde und enthüllt ihr geheimnisvolles Leben und faszinierendes Verhalten.

Maulwürfe verbringen den Großteil ihres Lebens unter Tonnen von Erde vergraben. Da erfordert jeder Schritt, jeder Atemzug, jeder Bissen -den Einsatz besonderer Mittel. Die kleinen Gräber besitzen extrem kräftig gebaute Vorderbeine für große Erdbewegungen, ein riesiges Lungenvolumen neben einer doppelten Portion roter Blutkörperchen für Extra-Sauerstoffreserven und einen ausgeprägten Hang zu Gefräßigkeit, um alle Körperfunktionen im Schnellgang am Laufen zu halten.

Der Biologe Jean Pierre Gasc vom Naturhistorischen Museum in Paris untersucht mittels einer speziellen Röntgenvorrichtung, wie Maulwürfe sich durch das Erdreich bewegen. Dabei wird sichtbar, dass ihre Bewegungsabläufe mehr mit Schwimmen als mit Graben gemeinsam haben:
Die Tiere kraulen durch das Erdreich und treiben dabei sehr effizient Tunnelröhren in den Boden. Das entstehende Aushubmaterial schieben sie anschließend durch die Tunnel an die Oberfläche, wo sie als Maulwurfshügel ordnungsliebende Gartenbesitzer verdrießlich stimmen. Um diese praktisch pausenlose Aktivität aufrechtzuerhalten, müssen die Tiere ständig fressen, erklärt Jean Pierre Gasc: "Maulwürfe verbrauchen eine Menge Kalorien, sie halten es ohne Nahrung nicht lange aus. Sie haben eine extrem hohe Stoffwechselrate. Maulwürfe sind Hochpräzisionsmaschinen mit einem speziellen Motor, der viel Treibstoff verbraucht." Die Tiere speichern praktisch keine Fettreserven und müssen daher auch den Winter hindurch aktiv bleiben, wenn die meisten anderen Säugetiere ruhen. Diese Energie liefern zu einem großen Teil Regenwürmer, zu denen sie sich unterirdisch vorgraben.

Aber woher wissen die fast blinden Tiere, in welche Richtung sie buddeln müssen? Um das herauszufinden, haben die Biologen am Pariser Naturhistorischen Museum jeweils einen Maulwurf und einen Regenwurm in frische Erde vergraben und anschließend mit dem Röntgenapparat beobachtet. Der Maulwurf schaufelte dank seines hypersensiblen Geruchsinns in wenigen Sekunden den direkten Zugang zum Regenwurm frei. Und das funktioniert nicht nur in lockerer Blumenerde: Ein Maulwurf riecht einen Regenwurm sogar durch sieben Zentimeter soliden Lehmboden.

Dass mit Fortdauer solcher Aktivitäten immer mehr Aushubhügel entstehen, versteht sich von selbst. Dass ambitionierte Ziergartengestaltung damit erschwert wird, auch. Was also tun? Der Versuch, die Tunnelgräber mit roher Gewalt auszubuddeln, ist nicht nur mit Sicherheit zum Scheitern verurteilt. Er ist auch mit weitläufigeren Verwüstungen verbunden, als es die Maulwürfe je zustande bringen könnten. Auch Qualm in die Tunnel zu leiten ist zum Scheitern verurteilt: Die Gangsysteme sind immer so angelegt, dass die Luftzirkulation perfekt funktioniert - schon aus Gründen der besseren Geruchsübertragung. Und die paar Minuten, bis sich der Rauch wieder verzogen hat, hält jeder Maulwurf mit seinen Riesenlungen locker durch. Ähnlich wenig richten auch Beschallungsanlagen oder Flut-Attacken mit dem Gartenschlauch aus: Maulwürfe können hervorragend schwimmen.

Wer sie zum Nachbarn hat, muss sich wohl oder übel mit ihnen arrangieren. Solange sie Regenwürmer finden, bleiben sie in der Gegend. Für den Sommer kann man sich dann schon auf den Anblick neuer Erdbewegungen einstellen: Immer öfter erheben sich dann neben dem großen auch ein paar kleinere Haufen. Dann weiß der geplagte Gartenbesitzer, dass man es trotz der Finsternis im Rabatten-Tiefgeschoss geschafft hat, zur Familiengründung zueinander zu finden. Als kleiner Trost bleibt die Gewissheit, dass der eigene Grund und Boden offenbar höchsten Ansprüchen genügt, Maulwürfe leben am liebsten in Gartenerde von erstklassiger Qualität.

Rückfragen & Kontakt:

http://presse.ORF.at

***OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT***

OTS0075 2009-07-06/10:32