OTS0070 5 WI 0551 ONB0001 Fr, 05.Dez 2008
Banken / OeNB / IVP

OeNB - Euroraum fungiert als Schutzschirm im rauen Finanzklima

Aktuelle Entwicklungen der Internationalen Vermögensposition Österreichs

Wien (OTS) - Österreichs Kapitalmärkte sind im internationalen Vergleich - vor allem in Form von Wertpapieren - global stark vernetzt. Der Internationalisierungstrend der vergangenen Jahre wurde durch die aktuelle Finanzkrise jedoch vorerst unterbrochen. Heimische Aktionäre haben in den ersten drei Quartalen 2008 kursbedingt rund ein Drittel des Wertes ihrer Auslandsaktien eingebüßt und bevorzugen nun vergleichsweise risikoarme Anlageinstrumente. Tiefrot färbte sich auch die Bilanz internationaler Anleger, die an der Wiener Börse in neun Monaten rund 19 Mrd EUR verloren. Österreich profitiert im Verlauf der Finanzkrise vor allem von seiner Teilnahme am Euro, der den Großteil der heimischen Wirtschaftsaktivitäten im Ausland vor Währungsschwankungen schützt.

"Österreichs stark wachsende Finanzbestände im Ausland reflektieren jene Öffnung der heimischen Güter- und Kapitalmärkte, die in den vergangenen zwei Dekaden zur Basis unseres Wohlstands wurde", erklärte Dr. Aurel Schubert, Direktor der Hauptabteilung Statistik im Rahmen der Pressekonferenz zur Internationalen Vermögensposition (IVP) Österreichs in der Oesterreichischen Nationalbank. Auslandsforderungen von 717 Mrd EUR sowie Verpflichtungen von 758 Mrd EUR erreichten Ende 2007 zusammen bereits fast das Fünfeinhalbfache der jährlichen Wirtschaftsleistung. "Dies unterstreicht die im internationalen Vergleich große Bedeutung des globalen Finanznetzwerks für Österreichs Veranlagungen sowie seiner Finanzierung", ergänzte Schubert. Per Saldo ist Österreich damit -wie in der Vergangenheit - gegenüber dem Ausland Nettoschuldner, und zwar im Ausmaß von 41 Mrd EUR. In jüngster Zeit konnte diese Vermögenslücke aber durch Leistungsbilanzüberschüsse und damit verbundene Kapitalexporte an das Ausland reduziert werden.

Die aktuelle Finanzkrise hat den heimischen Trend zur weiteren Vernetzung der Kapitalmärkte jedoch vorläufig unterbrochen. Vor allem das Geschehen an den Aktienmärkten prägte die Entwicklung der IVP. Österreichs Aktionäre haben vorläufigen Daten zufolge in den ersten drei Quartalen 2008 kursbedingt rund ein Drittel ihrer Auslandsaktienforderungen verloren. Relativ zum gesamten Auslandsvermögen betrug der Rückgang aber nur rund 1,5%. Einschließlich der Nettoverkäufe von 3,4 Mrd EUR hat sich das Aktienvermögen von 37 Mrd EUR Ende 2007 auf 22,5 Mrd EUR verringert.

Massive Kursverluste mussten auch internationale Anleger an der Wiener Börse hinnehmen: In den ersten drei Quartalen 2008 lagen diese bei knapp 19 Mrd EUR oder rund 40% des Vermögensbestands 2007 aus Aktien. Erste Schätzungen lassen erwarten, dass ausländische Investoren zwischen Jänner und Oktober 2008 in Wien kursbedingt etwa jenes Volumen einbüßten, das sie zwischen 2003 und 2006 durch die Aktienhausse in Wien gewonnen hatten. Relativ zum Gesamtvermögen der Ausländer in Österreich waren das rund 2,5%.

"Insgesamt profitiert die heimische Kapitalwirtschaft in dieser internationalen Finanzkrise aber vor allem durch Österreichs Teilnahme am Euro", so Schubert, der vor allem die Schutzfunktion der europäischen Gemeinschaftswährung hervorhob. Trotz steigender Bedeutung der europäischen Wachstumsmärkte ist der Euroraum mit Abstand die wichtigste Handels- und Finanzpartnerregion Österreichs, die je etwa die Hälfte aller grenzüberschreitenden Finanzforderungen und -verpflichtungen absorbiert. Nur rund ein Zehntel des heimischen Finanzvermögens liegt in den 2004 bzw. 2007 beigetretenen EU-Ländern. Die weniger stabilen Volkswirtschaften Ost- und Südosteuropas wiesen Ende 2007 nur einen Beteiligungsstand von rund 50 Mrd EUR oder 7% der Aktiva auf. "Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten und damit verbundenen Portfolio-umschichtungen können kleine, international unbedeutende Währungen rasch starken Schwankungen unterliegen, wie jüngste Beispiele gezeigt haben. Eine Weltwährung wie der Euro reduziert solche Gefahren für die Mitgliedsländer weitgehend", schloss Schubert.

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