OTS0278 5 II 0651 NPA0001 Do, 23.Okt 2008
Parlament / Buchpräsentation

Coaching für Platon Buchpräsentation im Hohen Haus

Wien (PK) - Nationalratspräsidentin Barbara Prammer lud heute Abend zu einer Buchpräsentation der besonderen Art ins Hohe Haus. Vorgestellt wurde das neue Buch des Chefredakteurs der "Parlamentskorrespondenz" Franz Josef Weißenböck, der übrigens schon vor drei Jahren - die PK berichtete - ein Werk ähnlichen Inhalts vorlegte. Stellte er damals Geistesgrößen aus mehreren Jahrhunderten - die Palette reichte von Machiavelli bis Kurt Tucholsky - Fragen mit philosophischem Tiefgang, so geht er in "Coaching für Platon" mit bedeutsamen Gestalten der Antike deren Lebensweg supervisorisch durch. An der Veranstaltung nahm ein ebenso zahlreiches wie prominentes Publikum teil, darunter Präsidentengattin Margit Fischer, Weihbischof Krätzl und eine Vielzahl an Abgeordneten und Bundesräten.

Prammer wies in ihrer Begrüßung darauf hin, dass diese Publikation gleich mehrere Bezüge zum Hohen Haus habe. Erstens sei das Parlamentsgebäude selbst eine Reminiszenz an die Antike, zweitens sei der Autor eben ein Mitarbeiter der Parlamentsdirektion, und drittens seien Caesar, Platon und Konstantin bildlich oder figürlich "sozusagen dauernde Bewohner unseres Hauses".

Nach einführenden Worten des Verlegers Walter Weiss und einer kurzen Lesung aus dem Buch durch den Autor und Hubert Arnim-Ellissen dankte Weißenböck und meinte, die Persönlichkeiten des Buches seien alle Quelle und Fundament des Europa, welches wir heute vorfinden und an dessen Gestaltung wir mitwirkten. Europa sei größer als die EU, reiche tiefer in die Vergangenheit und weise gleichzeitig unabsehbar weit in die Zukunft. Es sei da und entwickle, entzogen von den Niederungen der Tagespolitik, auch weiterhin seine Wirkung.

Auf der Suche

Es ist ein faszinierendes Experiment, das der Autor mit seiner Schrift unternimmt. Jenseits von Zeit und Raum stellt er sechs Größen der Geschichte zu einem Gespräch über ihr Wirken und dessen Folgen. Faszinierend deshalb, weil Platon, Caesar, Paulus, Konstantin und wohl auch Ovid und Pilatus eher einen Schierlingsbecher geleert hätten, als sich einer supervisorischen Unterredung zu unterziehen. Alle sechs wähnten sich nämlich, jeder auf seine Weise, im Besitz der Wahrheit, die sie, wiederum jeder auf seine Art, gefunden zu haben glaubten. Die sechs antiken Fixsterne waren allesamt einer fixen Überzeugung, folgten fest und unbeirrbar ihrer Ideologie, einem Ideengebäude, das sie selbst zusammengefügt hatten und dank dem sie ihre historische Wirkungsmächtigkeit entfalteten.

Dem Autor allerdings, das spürt man auf jeder Seite, ist solche Form des Erkenntnisgewinns, ja jede unverrückbare Erkenntnis als solche, zutiefst suspekt. Ihm erscheinen die Dinge nicht nur schwarz oder weiß, sie lassen zahlreiche Abstufungen dazwischen erkennen, über die andere achtlos hinweggehen mögen, die den Autor aber gerade ob ihrer schieren Existenz umso mehr faszinieren. Und da, an genau dieser Stelle, ein fesselnder Gedanke. Was, wenn man Platon und Genossen auf diese Schattierungen aufmerksam machen könnte? Wären sie ihrer Sache dann immer noch so sicher?

Weißenböck überwindet mit seinem Experiment die große, entscheidende Schwäche der Supervision, indem er sie ganzheitlich denkt. Der tätige Mensch agiert nie losgelöst von seinem privaten Hintergrund, Entscheidungen im Berufsleben fallen nicht unter Außerachtlassung der sozialen Rahmenbedingungen, und indem Weißenböck Personen zum supervisorischen Gespräch bittet, die nicht gerade im herkömmlichen Sinn einen Beruf ausüben, demonstriert er eindrucksvoll Werken und Wirken der Supervision. Er weist über ihre Grenzen hinaus und zeigt auf, welche Möglichkeiten der Weiterentwicklung auf diesem Gebiet noch gegeben sind.

Weit mehr als bloß ein Nebenprodukt dieser Arbeit ist die enorme Menge an historischer Information, die der Leser en passant mitgeliefert bekommt. Weißenböck nimmt die Leserschaft auf eine Zeitreise, und was dabei so zahlreich an Interessantem gefunden wird, das wird nicht nur gesammelt, sondern ist stets wieder Ausgangspunkt für neues Suchen.

Denn das ganze Leben ist eine einzige Suche, die erst mit dem Tod ein Ende hat. Wonach wir suchen, das bestimmen wir - mit allen Konsequenzen. Es mag sein, dass wir erst erkennen, was wir suchen, wenn wir es gefunden haben. Und so erkennen wir uns am Ende selbst.

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie - etwas zeitverzögert - auf der Website des Parlaments im Fotoalbum:
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