OTS0013 5 II 0382 PWB0001 WI Do, 11.Sep 2008
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Kampf gegen den Terror: Sieben magere Jahre - von Herbert Geyer

Radikale Terrorbekämpfung hieße, die Ursachen bekämpfen

Wien (OTS) - Genau sieben Jahre sind es heute, dass zwei Verkehrsmaschinen das World Trade Center in New York zum Einsturz brachten und die Welt nachhaltig veränderten. Im Kampf gegen den Terror haben die USA seither zwei Kriege - in Afghanistan und im Irak - vom Zaun gebrochen und die Menschenrechte weitgehend außer Kraft gesetzt - nicht nur für die Feinde (Stichwort Guantanamo), sondern auch für das eigene Volk, das umfangreichen Überwachungsmaßnahmen ausgesetzt ist.

Der Erfolg dieser Maßnahmen ist ernüchternd: Allein die Zahl der in den Kriegen getöteten US-Soldaten übersteigt bereits deutlich die Zahl der Terroropfer vom 11. September, und der Terror ist seither nicht weniger geworden - im Gegenteil: In Afghanistan und im Irak werden bei Attentaten fast täglich Dutzende Menschen getötet, der islamistische Terror schlug seither in Madrid, London und Pakistan zu, und interne Untersuchungen zeigen, dass selbst die USA jederzeit wieder zum Ziel eines großen Anschlags werden könnten.

Der Krieg gegen den Terror ist weltweit - von Tschetschenien bis Pakistan, von Tibet bis Palästina - zum Vorwand geworden, Gewalt auszuüben, abweichende Meinungen zu unterdrücken, Unabhängigkeitsbestrebungen zu blockieren. Auch in Europa, das sich aus der Teilnahme am Irak-Krieg zumindest teilweise noch heraushalten konnte, werden im Zeichen der Terrorbekämpfung Reisebestimmungen verschärft, die Überwachung verstärkt und Spatzen mit großkalibrigen Kanonen beschossen (etwa beim "Terrorprozess" in Wien gegen einen Internet-Aktivisten). Das Verbot, auf Flugreisen Flüssigkeiten im Handgepäck mitzuführen, bringt rein gar nichts an Sicherheitsgewinn, belästigt aber uns alle und kostet Unsummen.
Gerade den bibelfesten Amerikanern müsste aus der Bibel die Abfolge von sieben fetten und mageren Jahren geläufig sein - auch wenn in der Geschichte des biblischen Josef zuerst die fetten und dann die mageren Jahre kommen. Es ist zu hoffen, dass eine neue Administration den sieben Jahren der Terrorbekämpfung eine zumindest ebenso lange Phase der Terror-Prävention folgen lässt.

Denn den Terror an der Wurzel zu bekämpfen heißt nicht, Gegenterror auszuüben oder jene bürgerlichen Freiheiten fallen zu lassen, die eigentlich gegen den Terror verteidigt werden sollten.

Radikale Terrorbekämpfung bedeutet, dem Terror seinen Nährboden zu entziehen. Und das heißt, Ungerechtigkeit und Unterdrückung, Not und Elend überall auf der Welt zu bekämpfen. Das ist zwar auch nicht billig, verspricht aber mehr Erfolg.

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