OTS0211 5 II 0335 NEF0013 CI Fr, 23.Mai 2008
Exekutive / Umwelt / Tiere / Sicherheit / Recht / Kriminalität

"TierschützerInnen wie Schwerverbrecher behandelt"

Verband Österreichischer Tierschutzorganisationen beanstandet unverhältnismäßige Polizeimaßnahmen.

Wien (OTS) - Früh morgens am 21. Mai 2008 führte die Polizei in Wien, Salzburg, Tirol und der Steiermark eine konzertierte Razzia gegen TierschützerInnen durch. Dabei kam es zu abenteuerlichen Szenen, die sonst nur aus schlechten Hollywoodfilmen bekannt sind. Maskierte Sonderkommandos rannten mit dem Rammbock die Türe ein, bedrohten die teilweise noch im Bett liegenden TierschützerInnen mit angehaltener Pistole und legten ihnen Handschellen an. Bei den oft stundenlang andauernden Hausdurchsuchungen wurden auch private Dokumente (z.B. Kontoauszüge der Verdächtigen) bzw. Datenbanken mit den Namen aller VereinsspenderInnen beschlagnahmt. Zusätzlich nahm die Polizei PCs, Laptops, Handys, Kamerakarten und Fotoarchive mit.

Zehn TierschützerInnen wurden verhaftet und in die Justizanstalten Wr. Neustadt bzw. Innsbruck verbracht. Ihnen droht eine Anklage nach Paragraf 278a StGB wegen Bildung einer "kriminellen Vereinigung".

Dazu Lucie Loubé, Präsidentin des Verbands Österreichischer Tierschutzorganisationen: "Der Verband Österreichischer Tierschutzorganisationen distanziert sich von jeder Gewaltanwendung und versucht Tierschutz auf friedlichem Weg vorwärts zu bringen. Deshalb protestieren wir gegen den Polizeieinsatz aufs Schärfste, er war keinesfalls der Situation angepasst. Ich habe den Eindruck, dass hier nach Sündenböcken gesucht wird. Couragierte Tierschützer dürfen nicht wie Schwerverbrecher behandelt werden. Es hat wie in einem Rechtsstaat üblich, die Unschuldsvermutung zu gelten."

Mag. Alexander Willer, Vizepräsident, weiter: "Offensichtlich ist die Tierrechtsbewegung einigen hochrangigen Personen ein Dorn im Auge, weil sie der Öffentlichkeit auf konsequente Weise Missstände wie etwa die Massentierhaltung vor Augen führt. Diverse Lobbys, die aus der Tierqual Profit ziehen, sehen sich dadurch in ihrer Geschäftemacherei gefährdet. Daher wird der Versuch unternommen, eine ganze Bewegung zu kriminalisieren, sie einzuschüchtern, ihr die Infrastruktur und finanzielle Basis zu nehmen. Solidarität - über alle Vereinsgrenzen hinweg - heißt das Gebot der Stunde. Tierschutz darf nicht durch Polizeigewalt mundtot gemacht werden!"

Auch international erregte der Polizeieinsatz großes Aufsehen. Aus Großbritannien und den USA langen Solidaritätsbekundungen für die österreichischen TierschützerInnen ein, in mehreren deutschen Städten werden Mahnwachen für die zehn Inhaftierten abgehalten.

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OTS0211 2008-05-23/17:09