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Außenpolitik / Pressestimmen / Vorausmeldung

"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Albaner jubeln zwar, aber Kosovo bleibt ein unfreies Land" (Von Ernst Heinrich)

Graz (OTS) - Der neue Staat ist ein westliches Protektorat mit Mafia-Strukturen.

Jetzt haben die Kosovo-Albaner endlich ihren so lange herbeigesehnten eigenen Staat. Sie jubeln und ihre Freude sei ihnen gegönnt. Zu sehr haben sie gelitten unter den großserbischen Wahnideen eines Slobodan Milosevic, der sie mit einem brutalen Apartheidsystem gequält hat und schließlich als Volksgruppe überhaupt auslöschen wollte.

Auch für Milosevics moderate Erben, Serbiens Premier Vojislav Kostunica und Präsident Boris Tadic, ist und bleibt Kosovo die "uralte Wiege Serbiens". Aber sie verdrängen hartnäckig, dass das Kind in dieser Wiege längst schon ein albanisches ist, und betonten auch gestern trotzig, "dass dieser Quasi-Staat Kosovo für Serbien nicht existiert".

Doch trotz aller Unterstützung durch Russland, das noch gestern eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrates beantragte, wird Belgrad nicht umhin kommen, die Existenz dieses mittlerweile 47. Staates in Europa zähneknirschend zur Kenntnis zu nehmen. Denn die EU - obwohl in der Frage der Anerkennung Kosovos uneinig wie fast immer in außenpolitischen Fragen - ist aus Prestigegründen gezwungen, diesen Staat über Wasser zu halten. Und das wird schwierig und teuer werden.

Gestern jubelten die Kosovo-Albaner. Werden sie das auch morgen noch tun, wenn sie allmählich begreifen, dass ihr Land ja nach wie vor von außen regiert wird? Zwar haben nicht die verhassten Serben das Sagen, aber das hatte Belgrad seit dem Einmarsch der Internationalen Friedenstruppe KFOR und der UNO-Verwaltungsbeamten ja seit gut acht Jahren ohnedies nicht mehr.

Und was hat diese internationale Mannschaft zustande gebracht? Nahezu nichts! Ausländische Investoren wagen sich nach wie vor nicht in das unsichere Land, die Arbeitslosigkeit ist und bleibt extrem hoch und die organisierte Kriminalität blüht und gedeiht - auch unter internationaler Aufsicht. Nicht einen einzigen größeren Mafia-Boss haben die ausländischen Ermittler bisher vor ein Gericht gebracht.

Wen wundert das auch in einem Land, in dem führenden Politikern zumindest gerüchteweise mafiöser Stallgeruch anhaftet. Diese Herrschaften haben wenig Interesse an Prosperität und Rechtsstaatlichkeit, würde beides doch nur ihre schmutzigen Geschäfte stören.

Kosovo ist zwar seit gestern de jure keine serbische Provinz mehr, aber de facto geblieben, was es schon seit acht Jahren ist: ein von Mafia-Strukturen zerfressenes westliches Protektorat. Die gestern von den Albanern bejubelte Unabhängigkeit verdient ihren Namen nicht.****

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