OTS0168 5 CI 0412 NAW0001 II Fr, 16.Feb 2007
Gesundheit / Patienten / Datenschutz / E-Health / Ärztekammer / Wien

Ärztekammer zu E-Health: AMS-Skandal war erst der Anfang

Für Steinhart ist Gefahr groß, dass ELGA den Datenschutz durchlöchert

Wien (OTS) - Ein düsteres Bild hinsichtlich des Datenschutzes im Gesundheitsbereich zeichnet der Vizepräsident und Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte der Ärztekammer für Wien, Johannes Steinhart. Sollte die elektronische Krankenakte ELGA in der Form kommen, wie geplant, werde es zu massiven Eingriffen in die Privatsphäre der Patienten kommen. Der Datenschutz steuere damit einer massiven "Durchlöcherung" entgegen. Der jüngst aufgedeckte AMS-Skandal sei demgemäß erst der Anfang. ****

Aufenthalte in Entzugskliniken beispielsweise würden im Supergoogle aufscheinen und Patienten zu Alkoholikern, Drogenkranken, et cetera stigmatisieren, auch wenn die Episoden vielleicht schon 20 Jahre zurückliegen. Die massive Gefahr, die Steinhart hier sieht:
"Viele Patienten werden zukünftig nicht mehr den Arzt aufsuchen, in der Angst, dass diese Daten an den Dienstgeber oder sonst wen gelangen könnten." Die Sorge um den Job würde nachhaltig negativ die Compliance des Patienten beeinflussen.

Auch hat Steinhart Sorge, dass Versicherungen und Kredite zu Sonderkonditionen, je nach Gesundheitszustand, vergeben werden könnten. Dabei spiele auch das Argument keine Rolle, dass der Patient die Zustimmung zur Weitergabe der Daten geben müsste. Steinhart: "Was macht denn ein Kunde, wenn beispielsweise ein Privatkrankenversicherer oder Kreditgeber sagt, dass er bestimmte Konditionen nur dann vergibt, wenn der Patient die Zustimmung zur Weitergabe seiner ELGA-Daten erteilt?" Hier entstünden Menschen zweiter Klasse, denn: "Wenn jemand, aus welchen Gründen auch immer, die Zustimmung zur Weitergabe von Daten verweigert, dann gilt er automatisch als verdächtig und ist stigmatisiert", so Steinhart.

Es sei bekannt, das Privatkrankenversicherungen "schon jetzt ganz heiß auf Gesundheitsdaten" seien. Steinhart: "Hier werden medizinische Datenpools aufgebaut, die in ihrer zukünftigen Sprengkraft nicht annähernd derzeit erfasst werden können."

Hauptverband entzieht sich der Verantwortung

Wie dramatisch die Diskussion im Gesamten sei, zeigen laut Steinhart erschreckende Beispiele aus den USA. Dort würden sich Hacker bereits in zentrale Apothekendatenbanken einloggen, nur um festzustellen, welche Präparate häufig verschrieben werden, um so an der Börse auf die entsprechenden Pharmaunternehmen zu setzen.

Für Steinhart besteht daher "dringender Handlungsbedarf" seitens der Politik und vor allem des Hauptverbands, die ihre Verantwortung gegenüber den Patienten nach wie vor nicht 100-prozentig nachkommen würden. Daher sei auch die kürzlich getätigte Aussage von VP-Konsumentenschutzsprecher Johann Rädler, bei den Warnungen bezüglich des Datenmissbrauchs handle es sich lediglich um Verunsicherungen der Bevölkerung, "absolut entbehrlich und hinsichtlich des Patientenwohls geradezu gefährlich", so Steinhart abschließend. (hpp)

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